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Westsachsen

Corona aktuell: Schon wieder Lockdown vor dem Weihnachtsfest?

Corona Aktuelle Lage weckt Erinnerungen an die Adventszeit 2020

Region. 

Region. Nie war die bundesweite Corona-Inzidenz höher als heute. Aktuell liegt die Ansteckungsrate bei 232 Infizierten pro Woche und 100.000 Einwohnern (Stand: 10. November 2021). Am 13. Dezember 2020, dem Tag als Bund und Länder in der zweiten Welle den Lockdown beschlossen hatten, lag der Wert bei 169 - also wesentlich niedriger als es aktuell der Fall ist. Droht uns ein erneuter Lockdown kurz vor dem Weihnachtsfest? Oder gibt es einen Unterschied im Vergleich zu letztem Jahr? Und müssen wir uns wieder zwischen Infektionsschutz und Familie entscheiden? Die Unsicherheit wird uns vermutlich erneut über den Jahreswechsel begleiten.

Kontaktbeschränkungen lediglich empfohlen?

Hendrick Streeck, Direktor am Institut für Virologie des Universität¬klinikums in Bonn, blickt zumindest besorgt auf Weihnachten 2021. Besonders die Abschaffung der kostenlosen Tests beunruhigt den Experten. Dadurch könne das Infektionsgeschehen sehr schlecht erfasst werden. "Ich rechne mit einer enormen Dunkelziffer", befürchtet Streeck im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ob es an Weihnachten Kontaktbeschränkungen gibt oder nur die Empfehlung einer Kontaktreduzierung, müssten Politiker entscheiden. Der Virologe gehe aber davon aus, "dass es ein Gebot geben wird, besonders vorsichtig bei Treffen an Weihnachten zu sein und möglichst wenige Kontakte zu haben."

Welche Rolle spielen die Tests im Lockdown-Szenario?

Bund und Länder hatten im August entschieden, die im Frühjahr eingeführten kostenlosen Tests für alle zum 11. Oktober auslaufen zu lassen. Angesichts der steigenden Infektionen fordern nun immer mehr Politiker und Mediziner, die kostenlosen Corona-Tests für alle wieder einzuführen. Das Ende der Kostenübernahme für die sogenannten Bürgertests habe nicht dazu geführt, Impfunwillige zu einer Impfung zu motivieren, sagte beispielsweise der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch für Hendrik Streeck ist das Weihnachtsszenario stark abhängig von kostenlosen Tests. "Wir müssen einfach viel, viel mehr testen, um zu verstehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Nur so können wir früh die Infizierten heraus¬fischen und eine unkontrollierte Verbrei¬tung des Coronavirus verhindern."

Virologe Drosten spricht bereits von "Shutdown-Maßnahmen"

Laut Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, befindet sich Deutschland längst in einer "gesellschaftlichen Notfallsituation". Im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update" sagte er: "Wir müssen jetzt sofort etwas machen." Genauer: "Die Infektionstätigkeit durch Kontaktmaßnahmen wieder kontrollieren." Der Virologe erwartet einen sehr anstrengenden Winter für die Wirtschaft "mit neuen, sagen wir ruhig: Shutdown-Maßnahmen". Ohne neue Beschränkungen befürchtet Christian Drosten mindestens 100.000 weitere Corona-Todesfälle. Bislang sind fast 97.000 Menschen in Zusammenhang mit Corona gestorben. 2G-Maßnahmen wie jetzt in Sachsen reichten laut Drosten akut vermutlich nicht aus, um angesichts der Delta-Variante die Infektionszahlen genug zu senken. Das "ideelle Ziel" müsse "eine dreifach komplett durchgeimpfte Bevölkerung" sein, wobei Auffrischungsimpfungen sofort für alle und ohne Wartezeit notwendig seien.

Geht Sachsens Politik also den falschen Weg?

Die 2G-Regelung (Geimpfte und Genesene), die der Freistaat Sachsen Anfang der Woche für weite Teile des öffentlichen Lebens eingeführte, können die Infektionsketten nicht brechen, mahnen Virologen. Grund: Auch Geimpfte können sich anstecken und zur Verbreitung des Corona-Virus beitragen. Anders als getestete Personen bekommen viele Betroffen die Infektion kaum mit und geben unbemerkt das Virus wiederum an andere weiter. Schutzmaßnahmen müssten aber bei den Ungeimpften ansetzen, verteidigte Ministerpräsident Michael Kretschmer die Strategie im Interview mit dem MDR Sachsen. "Die Inzidenz bei den Ungeimpften beträgt 800, 900, bei den Geimpften 70, 80." Der Ministerpräsident wünscht sich einen gesellschaftlichen Schulterschluss, um die dramatischen Auswirkungen des vergangenen Jahres zu verhindern. Es sei "die letzte Ausfahrt, die wir nehmen können, damit es nicht zum kompletten Lockdown kommt." Das setze voraus, "dass viele, viele Menschen jetzt mithelfen - vor allem ihren Bürgermeistern und Landräten helfen."

Kretschmers Appell

Mit Blick auf Weihnachten appelliert Kretschmer im MDR-Interview: "Lassen Sie uns mit Umsicht und mit einem klaren Blick, diese Maßnahmen tragen. Wir müssen alle miteinander so umgehen, als hätte das Gegenüber potenziell Corona. Das gilt übrigens auch für geimpfte Menschen. Dann haben wir eine Chance, dass Weihnachten die Dinge alle noch offen sind und wir sie auch benutzen können."

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