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Rätselraten um das 9-Euro-Ticket: Wie geht es jetzt weiter?

Vanessas Einblick Der öffentliche Nahverkehr und seine Chance auf langfristige Attraktivität

Vanessas Einblick

Seit zwei Monaten können Menschen in Deutschland das 9-Euro-Ticket im öffentlichen Nahverkehr nutzen. Und das tun sie auch. Dies belegen die Zahlen: Allein im Juli wurden zirka 21 Millionen Tickets verkauft. Dazu kommen 10 Millionen Kunden, die das Ticket automatisch erhalten haben. Der Nahverkehr war wohl noch nie so attraktiv. Und das könnte er auch bleiben.

 

Geht das 9-Euro-Ticket in die Verlängerung?

Das Ticket ist ein Sonderangebot, welches lediglich in den Monaten Juni, Juli und August gilt. Besonders jetzt - im letzten Monat des Angebotes - werden die Forderungen nach einer Verlängerung laut. Finanzminister Christian Lindner (FDP) lehnt diese jedoch rigoros ab. Er sei von einer "Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen" nicht überzeugt. Seine Ablehnung begründet Lindner damit, dass eine Anschlussregelung im Bundeshaushalt nicht vorgesehen sei. Vor allem, weil die Schuldenbremse im Jahr 2023 wieder eingehalten werden soll, sei das Ticket weiterhin nicht tragbar.

 

So könnte das Ticket finanziert werden

Im Internet kursieren unterschiedliche Angaben zu den Kosten des 9-Euro-Tickets. Um diese jährlichen Kosten von schätzungsweise acht bis zehn Milliarden Euro finanzieren zu können, gibt es viele Möglichkeiten. So könnten klimaschädliche Subventionen abgeschafft werden, die den Bund jährlich insgesamt rund 65 Milliarden Euro kosten. Dazu zählen beispielsweise die Energiesteuervergünstigung für Dieselkraftstoff und die Energiesteuerbefreiung des Kerosins. Die Einnahmen aus dem Abbau dieser Subventionen könnten zur Weiterfinanzierung des Tickets genutzt werden.

 

Weitere Ticketvorschläge

Heiß diskutiert werden jedoch auch andere Ticketangebote. Darunter das 365-Euro-Ticket. Damit wäre das Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs für einen Euro pro Tag möglich. Immer wieder taucht in der Diskussion auch das 69-Euro-Ticket auf, welches von dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) vorgeschlagen wurde. Zuletzt haben Grünen-Politiker den Vorschlag eines Regionaltickets für 29 Euro und eines bundesweit gültigen Tickets für 49 Euro im Monat unterbreitet.

 

Andere Länder machen es vor

Luxemburg gilt als das Aushängeschild, wenn es um kostenlosen Nahverkehr geht. Bereits im Jahr 2020 hat das kleine Herzogtum als erstes Land der Welt die bezahlten Tickets abgeschafft. Nun möchte Malta nachziehen: Ab dem 1. Oktober soll der kostenlose Nahverkehr für alle Bürger eingeführt werden. Andere Länder konzentrieren sich zunächst auf den attraktiven Nahverkehr in Städten. So kann man in Tallinn (Estland) oder Dünkirchen (Frankreich) schon seit einigen Jahren kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

 

Meine Erfahrungen

Eines vorweg: Ja, die Züge sind voll. Wenn man sich allerdings einmal daran gewöhnt hat, ist es vollkommen akzeptabel. In den letzten zwei Monaten konnte ich das 9-Euro-Ticket neben meinen regelmäßigen Zugfahrten zwischen Chemnitz, Leipzig und Dresden auch auf einem Kurztrip nach Hamburg nutzen. Alle Züge kamen erstaunlicherweise pünktlich und hatten immer einen Platz für mich und meine Begleitung übrig. "Genießen" konnte ich die vollen Züge unter anderem, weil ich immer im Hinterkopf hatte, dass keine Zugbindung besteht und wir für den Fall der Fälle auf eine andere Route ausweichen hätten können. Vor allem aber schätze ich das neue, komfortable Reisen: Ohne Ticketkauf in (fast) jeden Zug einsteigen.

Offen bleibt nun, ob sich der öffentliche Nahverkehr mit einer langfristigen Einführung eines kostengünstigen Ticketangebots noch attraktiver machen kann, oder ob wir uns wieder ein Stück von der Mobilitätswende distanzieren.

 

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