VW-Produktion nimmt in Sachsen wieder Fahrt auf

Krise Dulig: "Sächsische Automobilindustrie ist Pionier beim wirtschaftlichen Exit aus dem Shutdown."

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Region. Im Volkswagenkonzern übernimmt der Freistaat Sachsen bei der Wiederaufnahme der Autoproduktion eine Vorreiterrolle. Das Fahrzeugwerk in Zwickau fährt ab dem morgigen Donnerstag, 23. April, seine Produktion wieder hoch - stellt das Elektrofahrzeug ID.3 wieder her. Dabei handelt es sich um den ersten Produktionsanlauf bei VW in Deutschland nach Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen. Am gleichen Tag nimmt im Motorenwerk Chemnitz die erste von sieben Schichten ihre Arbeit wieder auf. Am Montag, 27. April, laufen im Zwickauer Werk die Fertigung des Golf Variant und in der "Gläsernen Manufaktur" in Dresden die Produktion des e-Golf wieder an.

Wiederaufnahme der Produktion übt sich positiv auf Sachsens Arbeitsmarkt aus

"Unsere Automobilindustrie ist ein Pionier beim wirtschaftlichen Exit aus dem Corona-bedingten Shutdown unseres Landes. Dies spricht einmal mehr für die Flexibilität und das Verantwortungsbewusstsein unserer Produktionsstandorte und ihrer Beschäftigten", sagt Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig. "Mit fast 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in über 800 Unternehmen ist die Automobilindustrie eine der bedeutendsten Branchen der gewerblichen Wirtschaft im Freistaat. Das Signal von VW, die Produktion nun wieder hochzufahren, wirkt sich positiv auf den gesamten Arbeitsmarkt im Freistaat an, da nun auch viele Zulieferer wieder ihre Produktionen hochgefahren und ihre Produkte verkaufen können."

 

Dulig weiter: "Natürlich wird man in einigen Monaten in den Branchenbilanzen für das erste Halbjahr 2020 einen deutlichen coronabedingten Rückgang ausweisen müssen. Aber wir können alle miteinander dankbar sein, dass wir in Deutschland vor allem über das Instrument der Kurzarbeit auch solche schwerwiegenden vorübergehenden Krisenzeiten einigermaßen unbeschadet überstehen können. Das unterscheidet uns von fast allen anderen Ländern in der Welt. Hinzu kommen die umfangreichen Hilfsprogramme von EU, Bund und Freistaat für einzelne Unternehmen. Das alles stimmt mich zuversichtlich, dass wir in einigen Monaten zu alter Stärke zurückfinden werden. Bis dahin werden wir alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Unternehmen und ihre Beschäftigten die Corona bedingt in Not gearteten sind zu unterstützen."

 

"Mit dem schrittweisen Start der ID.3 Produktion am Donnerstag nimmt der im letzten Jahr gestartete Transformationsprozess in Richtung Elektromobilität wieder Fahrt auf. Zwickau ist dabei das erste Fahrzeugwerk der deutschen Volkswagen-Standorte, das die Produktion behutsam wieder hochfährt. Rund 1.500 Mitarbeiter werden ab dieser Woche die Produktion in Zwickau wiederaufnehmen, die Werke in Chemnitz und Dresden folgen", betont Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik und Logistik von Volkswagen Sachsen.

 

De Vries: "Entscheidend ist dabei: Gesundheit geht vor Stückzahl. Deshalb wurde zwischen Unternehmen und Betriebsrat ein umfassender Maßnahmenkatalog zum Schutz vor dem Virus vereinbart. Dieser umfasst unter anderem konkrete Abstands- und Hygieneregeln, Pflicht zu Mund- und Nasenschutz in Bereichen, wo Abstände von 1,5 Meter nicht möglich sind, kürzere Reinigungsintervalle, Entkoppelungen von Schichten, um Kontakte zu vermeiden sowie die Aufforderung zur eigenverantwortlichen Temperaturmessung vor der täglichen Arbeitsaufnahme."

 

Dass VW von Sachsen aus schrittweise zur normalen Produktion zurückkehren will, wertet auch das Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) als positives Zeichen. "Das zeigt das Vertrauen, dass Volkswagen in seine sächsischen Standorte und die hier vorhandene Zulieferstruktur hat", sagt Netzwerkmanager Dirk Vogel und betont gleichzeitig: "Insbesondere die Zulieferer, die in Sequenz fertigen und den Fahrzeugwerken direkt vorgelagert sind, als auch die werksnahen Dienstleistungen brauchen den Wiederanlauf dringend. Derzeit prüfen alle Unternehmen - sowohl die Fahrzeughersteller als auch Zulieferer -, ob und wann die jeweilige Zulieferstruktur wieder lieferfähig ist und wie schnell der Hochlauf erfolgen kann."

 

Für das AMZ ist der Ausblick auf Sachsens Automobilindustrie aktuell zweigeteilt. Dirk Vogel weiter: "Viele Unternehmen nutzen die Zeit für Maßnahmen zur Digitalisierung, Effizienz und Kostensenkung. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit am Standort Sachsen. Allerdings werden Engineering-Dienstleister und Werkzeugbauer die Auswirkungen noch Jahre spüren. Entwicklungsbudgets werden aktuell drastisch reduziert, Ersatz- und Neuwerkzeuge verschoben." Auch durch die erhöhten Maßnahmen zum Gesundheitsschutz und das Risiko von Personalausfällen durch Corona-Erkrankungen bleibe die finanzielle Anspannung auch nach Lockerung des "Shutdowns" noch Monate bestehen.