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Welche Rolle spielen Impfdurchbrüche in der Corona-Pandemie?

IMPFUNG Warum die Corona-Zahlen wieder steigen

Insgesamt fast 100.000 Corona-Infektionen in den vergangenen sieben Tagen, eine bundesweite 7-Tage-Inzidenz von 113 Fällen pro 100.000 Einwohner (Stand: 26. Oktober 2021) und wieder mehr Menschen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Die diesjährigen Fallzahlen sind sogar deutlich höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch die Anzahl der wöchentlichen Todesopfer, die mit oder an Corona sterben, liegt derzeit fast doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum 2020. Dabei wurden bislang zwei Drittel aller Deutschen (66,2 Prozent) vollständig gegen COVID-19 geimpft. Wie passt das zusammen? Und welche Rolle spielen dabei die sogenannten Impfdurchbrüche?

Ansteckendere Variante, weniger Impfschutz

In einem sind sich Experten einig: Die Impfung ist ein großer Vorteil im Kampf gegen die vierte Corona-Welle. Das Problem: Mit der Delta-Variante haben wir es in diesem Jahr mit einer sehr viel aggressiveren Virus-Variante zu tun. Sie ist etwa doppelt so ansteckend wie der sogenannte Wildtyp des Virus, der 2020 in Deutschland dominierend war. Zudem bringt die Variante eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf mit sich. Die Auslastung auf den Intensivstationen könnte sogar über den Höhepunkt der letzten Welle hinausgehen, denn mit der Delta-Variante schrumpft auch der Impfschutz: Für den ursprünglichen Impfstamm gab es einen 95-prozentigen Schutz vor einer Neu- oder Durchbruchsinfektion. Mit der Delta-Variante liegt dieser nur noch bei ungefähr 80 Prozent. Den Schutz vor schweren Verläufe mit Hospitalisierung, Intensivbehandlung oder gar Todesfall gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) jeweils mit über 90 Prozent an.

Geringere Impfquote, höhere Inzidenz

Was aktuell zudem noch zu beobachten ist, sind die großen regionalen Unterschiede im Infektionsgeschehen. Thüringen hatte am Montag, 25. Oktober, eine Inzidenz von 224,3, Sachsen von 196,8 und Bayern von 179,1. In allen drei Ländern liegt die Impfquote unter dem bundesweiten Durchschnitt. In Sachsen sind zum Beispiel lediglich 56,4 Prozent vollständig gegen COVID-19 geimpft. Im Saarland, dem Flächenland mit der höchsten Impfquote, liegt die Inzidenz dagegen nur bei 53. Doch egal in welchem Bundesland: die Zahl der Impfdurchbrüche steigt überall. Von Impfdurchbrüchen ist die Rede, wenn sich Menschen trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infizieren und sogar erkranken. Das ist möglich, weil Impfstoffe nie einen hundertprozentigen Schutz bieten.

Virus kann sich auch in Geimpften vermehren

Im Falle der Corona-Impfung, die zu den so genannten nicht-sterilen Impfungen zählt, können die Impfstoffe außerdem keine Immunantwort provozieren, die das Virus direkt nach dem Eintritt in den Körper eliminiert. Das heißt, es kann sich zunächst noch weiter vermehren. Ob Geimpfte das Virus weitergeben können, ist allerdings noch nicht abschließend erforscht. Die Impfungen sorgen lediglich dafür, dass der Körper im Fall einer Infektion vorbereitet ist und die Krankheitserreger bekämpfen kann. In den meisten Fällen reicht das, um nach einer Infektion zumindest den Ausbruch der Krankheit und schwere Verläufe zu verhindern.

 

 

Mehr als 90.000 Impfdurchbrüche in 2021

Wenn die Impfungen nicht zu 100 Prozent schützen, liegt es mathematisch auf der Hand, dass die Anzahl der Impfdurchbrüche nun von Woche zu Woche steigt. Denn mit zunehmender Anzahl von Geimpften nehmen auch die Impfdurchbrüche zu. Das Robert Koch-Institut zählte in seinem Wochenbericht 95.487 Impfdurchbrüche (Stand: 21. Oktober 2021) seit Beginn der Impfungen. Das sind 9,3 Prozent aller Corona-Infektionen in diesem Zeitraum. Als absolute Zahl scheint das zunächst hoch, insgesamt haben sich seit Beginn der Impfungen aber deutlich mehr Ungeimpfte als Geimpfte mit dem Coronavirus infiziert. In den Kalenderwochen 38 bis 41 waren mehr als zwei Drittel der Neuinfizierten ungeimpft, während in der Gesamtbevölkerung nur rund ein Drittel ungeimpft ist. Lediglich 6 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen sind Geimpfte - darunter vor allem Menschen mit schwachem Immunsystem. Die Ständige Impfkommission hat deshalb am Anfang Oktober grundsätzlich eine Corona-Auffrischungsimpfung für Menschen ab 70 Jahren empfohlen.

Schutzmaßnahmen weiter verfolgen

Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der nicht oder nur einmal geimpften Bevölkerung in Deutschland insgesamt weiterhin als hoch ein. "Insbesondere bei jetzt deutlich steigenden Fallzahlen sollte unabhängig vom Impf-, Genesenen- oder Teststatus das grundsätzliche Infektionsrisiko reduziert werden", rät das RKI. "Deshalb sollten alle Menschen weiterhin die AHA+L-Regeln einhalten, möglichst die Corona-Warn-App nutzen, unnötige enge Kontakte reduzieren und Situationen insbesondere in Innenräumen, bei denen sogenannte Super-Spreading-Events auftreten können, möglichst meiden." Wichtig sei außerdem, dass man selbst bei leichten Symptomen der Erkrankung - unabhängig vom Impfstatus - zuhause bleibt, die Hausarztpraxis kontaktiert und sich testen lässt.