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Winterdienste und Pflegedienste im Leipziger Land kommen an ihre Grenzen

Winterdienst Eine Woche Dauerschnee bedeutet für einige Bürger eine Katastrophe

Leipzig/Sachsen. 

Leipzig/Sachsen. Eine Woche Dauerschnee bedeutet für einige Bürger eine Katastrophe, vor allem in ungeräumten Nebenstraßen. "Bei solchen Schneemassen kommt im Zweifel kein Rettungsdienst durch", klagen Betroffene aus dem Leipziger Land. Der städtische Winterdienst und Bauhöfe hinkten mit Räumungen bislang hinterher. Tauwetter scheint jetzt jedoch in Sicht zu sein.

"Zum wiederholten Male ist die Straße 'Zaucheblick' im Ortsteil Holzhausen durch Schneeverwehungen derart eingeschneit, dass es für uns Anwohner kaum möglich ist, die Grundstücke zu verlassen", moniert etwa der Leipziger Anwohner Frank Schütze (40). Das sei nicht nur am Tag des Schneefalles so, sondern noch tagelang. "Im Notfall könnte nicht einmal der Rettungsdienst zu den Häusern gelangen", zeigt der Journalist drastisch auf. Er sagt: "Die Mitarbeiter des Winterdienstes müssen nun durch harte Arbeit, die Bürger ihrerseits mit vielen Einschränkungen erdulden, was in der Stadtpolitik seit Jahren offensichtlich keine Rolle mehr spielt - Dienst am Bürger!"

Völlige Resignation

Als Bewohner einer Nebenstraße habe man längst resigniert und nehme hin, dass man zwar immer pünktlich und vollumfänglich die Steuern zahlen müsse, im Gegenzug jedoch von der Stadtverwaltung nicht die volle Leistung erhalte, ärgert sich Schütze. "Dass mich die Stadt auf ihrer Webseite mit langen Texten darauf hinweist, dass ich vor dem Grundstück meinen Schneeräumpflichten nachkommen soll, wirkt da wie ein schlechter Treppenwitz", meint er erbost und wundert sich: "Mir wird sogar ermöglicht, meinen Nachbarn anzuzeigen, falls er diesen Pflichten nicht nachkommt. Angesichts der aktuellen Situation macht mich das wütend - selbst nicht liefern, aber von anderen fordern!"

Müll bleibt immer noch stehen

"Wir können von Glück sprechen, dass uns Nachbarn mit Bagger und Traktor halfen, wenigstens wieder die Grundstücke verlassen zu können", freut er sich - auch wenn der Müll stehenblieb. Eine ähnliche Situation habe es bereits 2018 gegeben. Die Stadt könne sich folglich nicht mit einem "überraschenden Wintereinbruch" herausreden. "Wir Anwohner haben damals die Aufstellung eines Schneefangzaunes angeregt, auch jetzt wieder", betont der Leipziger.

Ein privater Radladerfahrer hatte im benachbarten Baalsdorf den ebenso zugeschneiten Kirchweg vom Weiß befreit. "Unseren Obolus spendete er komplett an krebskranke Kinder", berichtet von dort die Anwohnerin Ina Fahsel (59). Die Grundschulleiterin schildert: "Alle kamen heraus, haben sich herzlich bedankt, die Autos gestartet und den Rest sauber geräumt." Und die drei pflegebedürftigen Anwohner der Straße hätten vor Freude geweint.

Schneezäune verlangte man hier bis dato wohl ebenfalls vergebens von den Verantwortlichen, auch ein Eigenkauf wurde abgelehnt. "Wir haben es 2018 und nun einmal mehr erlebt, dass über das freiliegende Feld Schneemassen kommen, die sich nicht mit Muskelkraft beseitigen lassen, erläutert Fahsel. Das sei zudem teils im Vorjahr beseitigten Bäumen und Sträuchern geschuldet.

Pflegedienst nennt es Katastrophe

"Eine Katastrophe", meint Schwester Sylke Prüfer (51), Leiterin der Engelsdorfer Sozialstation/Volkssolidarität. Sie resümiert: "Für unsere Pflegekräfte war kein Durchkommen, wir konnten im Kirchweg zwei Tage lang eine Patientin nicht anfahren. Zum Glück habe eine Anwohnerin jenen Radladerfahrer um Hilfe gebeten. "Bei solchen Lagen muss etwas für Pflegedienste passieren, wir haben ja generell auch Patienten, die regelmäßig ihr Insulin brauchen", verdeutlicht sie.

Auf der Website der Leipziger Stadtreinigung - verantwortlich für den Winterdienst - heißt es zum Thema: "Darüber hinaus stellt der Winterdienst an 46 besonders verwehungsgefährdeten Stellen insgesamt rund 21 Kilometer Schneefangzäune auf." Die Kriterien hierfür bleiben allerdings offen.