Mangel an Antibiotika-Säften sorgt für "prekäre" Situation

Lieferengpässe In Deutschland sind Antibiotika für Kinder immer noch knapp. Für die kleinen Patienten hat das teils schwere Folgen. Der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte mahnt zu einer schnellen Lösung des Problems.

Kranke Kinder in Deutschland können nach Angaben eines Ärzteverbandes derzeit zum Teil nicht ausreichend mit Antibiotika-Säften versorgt werden.

Die Situation sei sehr besorgniserregend, sagte Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), der Deutschen Presse-Agentur. "Das heißt, dass die Kinder, die tatsächlich ein Antibiotikum brauchen, teilweise gar keins bekommen", sagte der Berliner Kinderarzt. Ländliche und städtische Gebiete seien von dem Mangel gleichermaßen betroffen.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Dienstag (25. April) einen Versorgungsmangel bei antibiotikahaltigen Säften für Kinder im Bundesanzeiger bekannt gemacht. Mit der Bekanntmachung wird es Landesbehörden ermöglicht, flexibler auf Lieferengpässe zu reagieren. Dieser Mechanismus kann in Kraft gesetzt werden, weil beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Art Frühwarnsystem eingerichtet ist.

Auch in Krankenhäusern wird die Versorgung knapp

"Die Situation für die Eltern ist prekär, für die Kinder sowieso", sagte Maske. Selbst Kinder die "wirklich dringend" ein Antibiotikum bräuchten, bekämen keins. "Da kann man sich schon vorstellen, dass das für die Gesundheit nicht so gut ist und auch das Leben in Gefahr ist."

Täglich seien viele Kinder, etwa mit einer Lungenentzündung, einer schwere Ohrenentzündung oder einer Streptokokken-Infektion, auf Antibiotika angewiesen. "Die Betroffenheit ist riesig." In seiner Praxis in Berlin Schöneberg bekämen täglich - bei etwa 100 bis 150 Patienten - rund 30 Kinder Antibiotika verordnet, so Maske.

Was wird getan, wenn das passende Medikament aus ist? Nach Angaben von Maske gibt es Antibiotika der zweiten und dritten Wahl, die aber schlechter wirken und das Risiko für sich bildende Antibiotika-Resistenzen erhöhen.

"Die Konsequenz, wenn wir die Kinder nicht mehr therapieren können, aber therapieren müssen, ist, sie ins Krankenhaus einzuweisen." In den Kliniken sei die Versorgung mit intravenösen Antibiotika noch relativ gut, aber auch dort käme es derzeit teilweise vor, dass bestimmte Mittel nicht mehr vorrätig seien.

Ein Versorgungsmangel bei Antibiotika in diesem Ausmaß hat der Kinderarzt bisher noch nie in Deutschland gesehen. Auffallend mehr Krankheitsfälle als gewöhnlich gibt es laut Maske derzeit nicht. Er fordert das Bundesgesundheitsministerium dazu auf, die Probleme bei der Beschaffung von Medikamenten so schnell wie möglich zu lösen. Es dürfe nicht dazu kommen, dass auch noch die Versorgung in den Krankenhäusern gefährdet werde. "Sonst sterben tatsächlich Kinder oder es kommt zu schweren Komplikationen, die wir so noch nie gesehen hätten."

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