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Freeride-Skifahrer Fabian Gerlach: "Das Gefühl, durch den Pulverschnee zu fahren, ist unvergleichlich"

Hobby Der 25-jährige Reichenbacher fährt am liebsten im Gelände der Alpen

Reichenbach im Vogtland. 

Schon als kleines Kind stand er auf Skiern und raste den Berg hinab. Schnell entwickelte sich der Sport zu einem seiner größten Hobbies, sagt Fabian Gerlach. Seit 2014 interessiert sich der 25-jährige Reichenbacher besonders für das Freeride Skiing. Dabei wird nicht auf der präparierten Skipiste, sondern im Gelände gefahren und auch kleine Tricks werden absolviert. Besonders inspiriert wurde Gerlach durch YouTube-Videos von Skifahrern im Freeride-Bereich, wie "Days of my youth", oder auch durch andere Leute, die er als Kind im Skigebiet neben der Piste bewundert hat. "Ich fand es als kleiner Junge schon faszinierend zu sehen, wie scheinbar frei und mit wie viel Spaß so mancher Skifahrer abseits der Strecke gefahren ist", sagt der Reichenbacher lächelnd. 

"Man kann nicht einfach drauf los fahren"

2015 folgten dann die ersten Versuche mit entsprechendem Equipment. Denn fürs Skifahren braucht man bekanntlich besondere Ausrüstung, aber für das Skifahren im Tiefschnee und Gelände noch spezielleres. "Ich habe mir 2012 die ersten Freestyle Ski zum Probieren auf der Piste und im Park geholt und kurze Zeit später richtige Freeride Ski fürs Gelände", erklärt der 25-Jährige. Letztere haben ganz besondere Eigenschaften, sind zum Beispiel länger und haben breitere Schaufeln als "normale" Ski für die Piste, damit man auch richtig durch den Tiefschnee gleitet. Das ist übrigens auch das Besondere für Gerlach am Fahren außerhalb der Piste. "Das gleitende Gefühl auf frischem Pulverschnee ist unvergleichbar", sagt er. Man fühle sich frei, wenn man abseits des normalen Skitourismus oben am Berg stehe. Auch der Nervenkitzel sei ein Grund, gibt er zu. "Es fordert einen natürlich mehr, abseits der Piste zu fahren. Man muss auf jeden Fall Kenntnis vom Berg und Gelände, aber auch Schnee und Wetter haben, und kann nicht einfach drauf los fahren." 

Daher empfiehlt er Anfängern, bei Interesse eine geführte Tour mit Leihequipment in Betracht zu ziehen. So ist man auch nicht allein unterwegs und kann sich erstmal an die Ausrüstung gewöhnen. Dazu gehört bei Fabian Gerlach aber nicht nur Ski und Kleidung. "Ich habe immer meinen Lawinenrucksack mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel dabei. Zum Glück habe ich es aber auch noch nie gebraucht." Auch eine (haptische) Bergkarte mit Höhenprofil und Hangneigung empfiehlt er, denn das spielt neben dem Schneeaufbau eine große Rolle bei der Lawinenentstehung. Das unterschätze man als Anfänger vielleicht, sagt Gerlach. Er selbst fahre übrigens am liebsten auf Skirouten. Diese kann man meistens auch noch recht einfach mit einem Lift und Ziehwegen erreichen. "Das sind keine Pisten, aber gekennzeichnete und ausgeschilderte, unpräparierte Strecken, die regelmäßig bezüglich der Lawinengefahr überwacht werden. Eine Garantie gibt es natürlich nie." Das betrifft auch das gesicherte Skigebiet. Erst im März ging beispielsweise im Tiroler Skigebiet Fiss eine riesige Nasschnee-Lawine über einer ganz normalen Piste ab. Das Risiko trägt man also auch im gesicherten Skigebiet, was nur wenigen bewusst ist. 

Ins Gelände sollte man sich aber auf jeden Fall nur trauen, wenn man selbst sehr fit auf den Ski ist. Für blutige Skianfänger ist das ein Tabu, sagt der 25-Jährige. Man sollte also auch die eigenen Skikenntnisse gut ein-, und nicht überschätzen. Er selbst fährt seit seinem fünften Lebensjahr Ski und ist daher gut geübt, um auch herausfordernde Situationen zu meistern. Natürlich erleidet auch er den einen oder anderen Fall. "Na klar falle ich auch ab und zu, besonders bei dem Versuch von Sprüngen oder Tricks, wie beim Rückwärtsfahren oder dem  Versuch eines 360 [ein Trick bei dem man sich inmitten eines Sprungs um 360 Grad um die eigene Achse dreht und wieder auf den Ski landet, Anm. d. Red.] - aber ernsthaft verletzt habe ich mich noch nie, außer ein paar Verstauchungen oder Prellungen." 

Seine Lieblingserinnerung geht zurück in den Winter 2019. "Damals war ich im Urlaub in Maria Alm in Österreich und es hat einfach jeden Tag zwischen 50 und 70 Zentimeter Neuschnee gegeben", erzählt er. "Das waren zu Beginn Traumverhältnisse, aber mit jedem Tag wurde es natürlich auch anstrengender, denn durch diesen Schnee zu fahren erfordert schon auch sehr hohe Anstrengung." Man musste teilweise auch abbrechen, gibt er zu. Durch tiefen Pulverschnee zu fahren ist deutlich fordernder und verlangt auch nach einem gewissen Fitness-Level. 

Ein kostspieliges Hobby

Das Skifahren ist an sich schon ein kostspieliges Hobby. So kostet ein Liftticket in größeren Skigebieten zwischen 50 und 60 Euro pro Tag (zum Beispiel in Österreich), in kleineren Gebieten wie im Erzgebirge um die 30 bis 40 Euro. Da kommt es dann natürlich darauf an, wie oft man fahren will. "Meistens bin ich zwischen fünf und 15 Tagen im Jahr im Skiurlaub in den Alpen und da wird dann auch jeder Tag zum Skifahren genutzt", sagt Fabian Gerlach. Weitere 15 Tage sei er denn zirka im Jahr noch am Keilberg im Erzgebirge auf tschechischer Seite unterwegs. "Dort fahre ich am liebsten in unserer Gegend, weil die Gegebenheiten im Gelände es möglich machen, damit man auch neben der Piste etwas Spaß haben kann." Mit den Alpen sei es natürlich trotzdem nicht zu vergleichen, stellt er klar. 
Ausrüstung kann man an den entsprechenden Stellen auch ausleihen, so gibt es oft auch Aktionen wie "Freeride Testivals" vielerorts, wo man auch spezielles Equipment fürs Gelände ausprobieren kann.

Wenn man es aber längere Zeit als Hobby betreibt, legen viele Menschen Wert auf eigenes Equipment. Hier ist man schnell bei 500 bis 1.000 Euro, sagt der 25-Jährige, je nachdem, welche Anforderungen man selbst an die Ausrüstung stellt. Bei der Kleidung ist ihm zum Beispiel wichtig, dass es eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Wasser haben muss, wenn er beispielsweise im Gelände komplett im Tiefschnee einsinken sollte. Für seine Lawinenausrüstung legte er allein schon um die 1.000 Euro hin. Das sei ihm aber auch wert, sagt der Reichenbacher. Daher sagt er deutlich: "Ich bin immer wieder fasziniert von den Gegebenheiten der Natur, und studiere diese auch gern, aber auch ich habe eben auch Respekt davor und bei allem Spaß geht die Sicherheit auch vor."  

Sein Traum ist es, mal in British Columbia in Kanada für den Freeride bekannte Skigebiete wie Revelstoke auszuprobieren. "Das habe ich mir für die Zukunft mal vorgenommen. Und auch das Tourengehen schließe ich nicht mehr aus, damit kann man dann noch interessante Spots erreichen", sagt er. 

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