Altes Rezept vom Dachboden

Zwickauer Original Dünnebier-Rezept aus dem Jahr 1885 gefunden

Das zerfledderte Büchlein gibt Bernd Gallon, Erbe des letzten Dünnebierhaus-Besitzers, Egon Hetzer, nicht aus der Hand. Dafür aber die beiden Goldmedaillen aus dem Jahr 1900. Die lässt Bernd Gallon ohne Bedenken von den Neugierigen anfassen. Die Frage, ob es richtiges Gold ist, kann er zwar nicht bejahen, dafür aber die Echtheit der über 100 Jahre alten Trophäen. Verliehen wurden sie 1900 auf der Weltausstellung in Paris und zur Ausstellung in Zwickau an den Kräuterlikör Aromatique aus dem Zwickauer Dünnebierhaus, dessen Rezept in jenem Büchlein handschriftlich von Egon Hetzer notiert wurde. "Aromatique" trug bis 1939 den Ruf der Stadt in die ganze Welt. "Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endete die Herstellung, weil die Devisen für die Zutaten fehlten, genauso wie zu DDR-Zeit", erklärt Gallon. Als es nach der Wende wieder möglich wurde die Zutaten zu beschaffen, stellte er mit Schrecken fest, dass das wertvolle Rezept verschwunden war. "Egon Hetzer verstarb 1976 und wurde in Zwickau begraben", erzählt der Patensohn, der gleichzeitig auch Hetzers Stiefsohn war. Erst im vergangenen Jahr entdeckte er auf dem Dachboden das Originalrezept aus dem Jahr 1885. "Ich habe auch noch den Gewerbeschein von Dr. Hetzer aus dem Jahr 1885 und die einzige (leere) Originalflasche aus demselben Jahr", erklärt Gallon, der in Jößnitz zuhause ist und sich beruflich mit Plauener Spitze befasst. Nachdem er die Gewürze, die streng geheim gehalten werden, in Madagaskar, Indien und der Karibik beschaffte, tüftelte Gallon gut ein Jahr an dem Tröpfchen: "Ob es genauso wie damals schmeckt, das kann ich allerdings nicht sagen.",