Frau Müller muss weg

Theater Eine Karikatur auf unser Bildungssystem

In kaum einem Abend steckt so viel Zündstoff wie in einem Elternabend, wo beim Hin und Her um die schulische Zukunft der lieben Kleinen Emotionen hochkochen und Vorurteile wie Wurfgeschosse durch das Klassenzimmer fliegen. Und wenn sich dann noch die gesamte Elternschaft gegen die Lehrerin stellt, ist das Desaster vorprogrammiert. Mit "Frau Müller muss weg" im Zwickauer Theater in der Mühle, stellt sich Gilbert Mieroph als neuer Oberspielleiter und Regisseur dem Publikum vor. Im Stück hat die besorgte Elternschaft der Klasse 4b die Klassenlehrerin Frau Müller um einen Termin gebeten, offenbar scheint es Probleme in der Klasse zu geben. Die Kleinen stehen gerade an einem entscheidenden Punkt ihrer schulischen Karriere, wird sich doch am Schuljahresende zeigen, wer den Sprung auf das Gymnasium schafft - und wer eben nicht. Für die Eltern auf ihren Kinderstühlchen ist längst klar, wer die Schuld an der Misere trägt: Die erfahrene Lehrerin Sabine Müller scheint den pädagogischen Anforderungen seit einiger Zeit nicht mehr gewachsen zu sein. Jeder der Anwesenden ist davon überzeugt, dass das Problem nicht bei den Schülern zu suchen ist, sondern ganz woanders: Wessis haben was gegen die Lehrerin aus dem Osten, Ossis finden die Westkinder völlig verzogen, soziale Vermischung schön und gut, aber doch nicht in der Klasse meines Kindes! Letztlich geht es darum, die Bälger irgendwie durchzukriegen! Die Fronten in diesem Kampf sind klar. Lutz Hübner ist seit über zehn Jahren der meistgespielte Gegenwartsdramatiker auf deutschen Bühnen. Heiter-satirisch und entlarvend komisch führt seine Lust am Erzählen das Publikum mitten hinein in das Spannungsfeld von PISA-Test und Helikopter-Eltern. Eine Karikatur auf unser Bildungssystem mit trefflichem Bezug auf durchaus aktuelle Alltagsgeschichten. Es spielen Else Hennig, Ute Menzel, Anja Schreiber, Sabrina Strehl, Daniel Koch und Jens Hollwedel. Bühnenbild und Kostüme entwirft Luisa Lange. Die nächsten Termine sind am 30. Dezember 19.30 Uhr und am 11. Januar 2015, 18 Uhr im Theater in der Mühle. Das Stück wird ab einem Alter von 12 Jahren empfohlen. msz/cae