Philipp Öttl will zurück in die Erfolgsspur

MOTORSPORT GP-Sieger freut sich auf Heimrennen am Sachsenring

Hohenstein-Ernstthal. 

Hohenstein-Ernstthal. Einst ist er mithilfe des AMC Sachsenring zum Straßenrennsport gekommen, heute ist er einer von leider nur noch zwei deutschen Permanentstartern in der Motorrad-Weltmeisterschaft und somit beim Großen Preis von Deutschland vom 13. bis 15. Juli auf dem Sachsenring einer der Hauptdarsteller - Philipp Öttl. 2012 gab der inzwischen 22-jährige Bayer bei seinem einzigen Gastspiel des Jahres seinen Einstand in der damals neuen Klasse Moto3. Seit dem darauffolgenden Jahr ist er in der Nachfolgekategorie der altehrwürdigen 125-ccm-Klasse permanent dabei.

Nach Rennen in Jerez wurde alles anders

Sein erster Podestplatz gelang ihm 2015 mit Rang drei in den USA, dem er Mitte 2017 mit Platz zwei auf dem österreichischen Red Bull Ring einen weiteren folgen ließ. Schon damals dachte man, dass das der endgültige Durchbruch zur absoluten Weltspitze gewesen sei, doch bis zu seinem nächsten Ritt aufs Podium dauerte es bis zum vierten Rennen der aktuellen Saison. Dafür raste er im spanischen Jerez de la Frontera erstmals auf die oberste Stufe. Auf seinen ersten Grand-Prix-Sieg folgte allerdings eine Flaute. Im französischen Le Mans konnte er nach Platz 15 seinem Punktekonto lediglich einen WM-Punkt hinzufügen.

Danach ging er im italienischen Mugello, beim zweiten Grand Prix in Spanien (Barcelona) sowie zuletzt im niederländischen Assen gänzlich leer aus. "Nach dem Rennen in Jerez habe ich etwas verändert, denn ich wollte es noch besser machen. Dieser Schuss ist aber leider nach hinten losgegangen", erklärte Philipp Öttl zuletzt in Assen.

Und weiter: "Ich bin aber nach wie vor hochmotiviert, dass ich es bis spätestens zum Sachsenring wieder hinbekomme. Natürlich wollten wir es nicht so haben, wie es jetzt gelaufen ist, aber es ist schon manchem passiert, dass er nach einem Sieg solche Schwierigkeiten hatte. Dass wir derzeit solche Probleme haben, ist natürlich blöd, aber es ist ja nicht so, als wenn ich jetzt komplett langsam bin. Wir waren zum Beispiel bei den letzten drei Rennen in Mugello, Barcelona und Assen am Freitag jeweils Dritter bzw. Vierter. Es nicht so, dass die anderen übers Wochenende schneller werden, sondern wir werden langsamer. Ich kann mir auch vorstellen, woran es liegt."

Fahrer setzt sich selbst am meisten unter Druck

Auf die Frage, ob seine Probleme nach dem GP-Sieg vielleicht mit dem erhöhten Druck und der Erwartungshaltung von außen zu tun haben könnten, entgegnete er: "Druck ist immer da, und den meisten Druck mache ich mir eh selbst. Natürlich kommt auch Druck von außen, aber prinzipiell macht sich der Fahrer den Druck. Man will ja immer Leistung bringen, sonst würde man ja nicht Rennen fahren. Im Moment läuft es einfach nicht so, wie ich mir das wünsche, da muss man versuchen cool zu bleiben und weiterzuarbeiten, dann wird es auch wieder besser", sagt er. Der zuvor gewonnene Grand Prix sei ihnen auch nicht geschenkt worden. Trotzdem werde er sein Bestes geben. "Die Moto3-Klasse ist brutal hart. Da ist es schon extrem schwer, einen Platz in den Top 10 zu erreichen. Im vorigen Jahr war ich Fünfter und würde mich natürlich gern verbessern und aufs Podium fahren. In meiner jetzigen Situation will ich mich aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen."

"Ich wollte auch mal ins Fernsehen"

Eine interessante Geschichte weiß Philipp Öttl auch zu seinen Anfängen im Rennsport zu erzählen: "Mein Papa (Peter Öttl, fünffacher GP-Sieger, Anm. d. Red.) ist ja früher selbst erfolgreicher Motorradrennfahrer gewesen, sodass diese Szene bei uns zu Hause immer präsent war. Ich konnte ihr aber früher nicht viel abgewinnen und bin lieber Supermoto (ein Mix aus Straße und Motocross, Anm. d. Red.) gefahren. Da bin ich schon mit 125ern gefahren, die über 20 PS hatten. Das war echt cool." Zwischendurch habe er ein Mini Bike probiert. Fazit: Es war dem zukünftigen Rennfahrer viel zu langsam. "Als im Fernsehen mal wieder MotoGP lief und ich die Sieger in der Winner-Box bzw. auf dem Podest sah, habe ich mir gesagt, ,dort will ich auch einmal stehenʻ. Heute bin ich echt glücklich, wie alles gelaufen ist."

Tolles Publikum am Sachsenring

Auch wenn es zuletzt ein paar Rückschläge gab, freut er sich nun auf sein erstes von drei Heimrennen auf dem Sachsenring. Da er in Ainring unweit von Bad Reichenhall und Salzburg zu Hause ist, empfindet er nämlich auf Grund der kurzen Anreise auch die WM-Läufe im tschechischen Brno sowie auf dem Red Bull Ring in Österreichs Steiermark als Heimrennen. "Der Sachsenring hat allerdings eine ganz besondere Atmosphäre. Die Leute freuen sich immer, wenn sie einen deutschen Fahrer sehen und verbreiten eine gute Stimmung. Da muss man sich auch mal die Zeit nehmen, ein Autogramm zu geben oder sich fotografieren zu lassen. Außerdem ist es doch schön, wenn man ein bisschen im Mittelpunkt steht und sich die Fans für einen interessieren", lobt Philipp Öttl das begeisterungsfähige Publikum in Sachsen.