Sachsenring: Die Wartezeit neigt sich dem Ende

MOTORSPORT Geschäftiges Treiben am Vortag des Motorrad Grand Prix

Hohenstein-Ernstthal. 

Bevor am Freitagmorgen die Motorräder den Sachsenring bei ihren Trainingssitzungen in Beschlag nehmen, ging es am Vortag des dreitägigen rauschenden MotoGP-Festes noch recht beschaulich zu. Klar, wurde mit den letzten Handgriffen fast allerorten des Areals noch gewerkelt, doch insgesamt bestimmten Ruhe und bei den Hauptdarstellern eine gewisse Gelassenheit das Geschehen. Nicht so bei den Mechanikern, die nach dem Rennen in Assen am vergangenen Sonntag alles einpackten wie es war, an den Sachsenring reisten. Hier nahmen sie die Bikes bis zur letzten Schraube auseinander, reinigten alles gründlich und versetzten sie wieder in den, allerdings verbesserten, Ur-Zustand.

Einer fehlt

Am Donnerstag-Vormittag machte eine kleine Hiobsbotschaft die Runde, denn nachdem die Zahl der deutschen Fahrer in den WM-Klassen zuletzt auf sechs anstieg, schrumpfte die Anzahl kurzfristig wieder. Neben den drei deutschen Permanentstartern in der Klasse Moto2, Marcel Schrötter, Philipp Öttl und Lukas Tulovic, und dem planmäßigen Einsatz von Dirk Geiger als Wild-Card-Pilot in der Moto3, kam Jonas Folger schon beim vorletzten Rennen als Ersatz für einen verletzten Fahrerkollegen ebenfalls ins Moto2-Feld. In der Vorwoche verletzte sich dann im holländischen Assen auch der Ex-Weltmeister Jorge Lorenzo. Dessen Lücke schließt in der Königsklasse "MotoGP" respektive im Honda-Werksteam Stefan Bradl.

Damit wären es sechs deutsche Protagonisten gewesen, doch auf einen müssen die Fans mit schwarz-rot-goldenem Herzen nun doch verzichten. Der beim ebenfalls vorletzten Rennen in Barcelona gestürzte Philipp Öttl war zwar in zuletzt in Assen am Start, fühlte sich mit seiner zwei Wochen alten Gehirnerschütterung aber alles andere als wohl auf dem Motorrad. Nach einer weiteren medizinischen Untersuchung entschied sich der 23-jährige Bayer nun, seinen Heim-Grand-Prix auszulassen und die bis Brünn am ersten August-Wochenende währende Sommerpause der Motorrad-WM zum weiteren Auskurieren zu nutzen.

Die Ausgangssituationen

Wenngleich es in der Top-Klasse MotoGP bei den bisherigen acht Saisonrennen mit Marc Marquez (ESP, Honda), Andrea Dovizioso (ITA, Ducati), Alex Rins (ESP, Suzuki), Danilo Petrucci (ITA, Ducati) und in der Vorwoche in Assen Maverick Vinales (ESP, Yamaha) fünf verschiedene Sieger gab, führt der neunfache Sachsenring-Sieger Marc Marquez die Tabelle mit 44 Punkten Vorsprung auf Andrea Dovizioso deutlich an.

In der "Mittelklasse" Moto2 trugen sich mit Lorenzo Baldassarri (ITA), Thomas Lüthi (SUI), Alex Marquez (ESP) und Augusto Fernandez (ESP, alle Kalex) ebenfalls bisher fünf Fahrer in die Siegerliste ein. Marc Marquez' jüngerer Bruder und der Italiener gewannen beide je drei Mal, doch Tom Lüthi führt hier die Gesamtwertung an.

Marcel Schrötter liegt auf Tabellenrang sieben und hat 36 Punkte weniger auf dem Konto als Tom Lüthi. Bei noch elf ausstehenden Rennen ist da noch gar nichts verloren. Nach einem zweiten und einem dritten Rang am Saisonbeginn wartet der Bayer allerdings weiter auf seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Der kommende Sonntag wäre dafür bestens geeignet. "Das wäre natürlich der Hammer, und ich werde mein Allerbestes dafür geben. Natürlich versuche ich dies immer, aber generell wäre das ein absolutes Highlight, wenn ich auf dem Sachsenring gewinnen könnte", äußerte er vor wenigen Wochen gegenüber BLICK.

Der Rookie Lukas Tulovic aus dem baden-württembergischen Eberbach holte in Assen als 13. seine ersten WM-Punkte und möchte an diese Leistung anknüpfen.

Punkte sind auch das erklärte Ziel von Jonas Folger, der vor zwei Jahren das MotoGP-Rennen auf dem Sachsenring auf Platz zwei beendete und nach seiner krankheitsbedingten Pause seine Form noch sucht.

In der Moto3-Klasse geht noch mehr drunter und drüber. Hier gab es bei den ersten sieben Rennen sogar sieben verschiedene Sieger, die da waren: Kaito Toba (JPN, Honda), Jaume Masia (ESP, KTM), Aron Canet (ESP, KTM), Niccolo Antonelli (ITA, Honda), John McPhee (GBR, Honda), Tony Arbolino (ITA, Honda) und Marcos Ramirez (ESP, Honda). Tony Arbolino durchbrach diese Serie, indem er in Assen zum zweiten Mal in diesem Jahr gewann. Dennoch rangiert er nur auf dem vierten Tabellenplatz, wobei es hier entsprechend eng zugeht.

Der Mannheimer Dirk Geiger feierte am Tag vor seinen ersten Metern im WM-Feld seinen 17. Geburtstag und will das Rennen vor so vielen Fans vor allem genießen, dabei nicht Letzter werden und sich somit für höhere Aufgaben empfehlen. (th)