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Sachsenring-Idol Phil Read verstorben

MOTORSPORT Engländer wurde sieben plus einmal Weltmeister

Sachsenring. 

Sachsenring. Gestern erreichte die Motorsportwelt die traurige Nachricht, dass die Motorrad-Legende Phil Read in seinem Haus im englischen Canterbury (unweit der Fähr- und Tunnelverbindung Dover-Calais) im Alter von 83 Jahren friedlich eingeschlafen ist. Sein Leben und Wirken wollen wir mit folgenden Zeilen würdigen.

 

Ein nichtadliger Prinz wurde geboren

 

Phillip William Read wurde am Neujahrstag 1939 im nördlich von London gelegenen Luton geboren. Nicht nur auf Grund seiner sieben errungenen Weltmeisterschaften ist er einer der größten Rennfahrer, die der Motorsport je erlebt hat. Während seiner 27-jährigen Karriere war er stets in der Lage, jede Maschine die er in einem Rennen einsetzte, am Limit zu bewegen. Außer in der kleinsten Hubraumklasse, bis 50 ccm, die 1962 WM-Status erhielt, war er in allen anderen vier damaligen Solo-Klassen unterwegs und dabei auch erfolgreich. "The Prince of Speed", so sein früherer Spitzname, war der erste Rennfahrer, der in den Klassen bis 125, 250 und 500 ccm WM-Titel erringen konnte. Insgesamt feierte Phil Read deren sieben sowie 52 Grand-Prix-Siege.

 

Erster Grand-Prix-Sieg beim Heimrennen

 

Den ersten 1961, als er auf einer privaten Norton bei seinem Heimrennen auf der Isle of Man die 350-ccm-Klasse, auf der Insel in der irischen See Junior TT genannt, gewann. Parallel fuhr er die von Dr. Joe Ehrlich konstruierte 125er EMC in der Viertelliterklasse. Das Jahr 1962 beendete der Engländer mit dem markanten schwarzen Helm mit drei weißen nach hinten gerichteten Streifen als WM-Dritter der 500-ccm-Klasse um schließlich zu Yamaha zu kommen. Seit dem verliefen der Aufstieg der Marke mit den gekreuzten Stimmgabeln im Logo und die großartige Karriere von Phil Read quasi im Gleichschritt. Für die WM-Neulinge gewann er 1963 in Hockenheim als Dritter des 350er-Rennens die ersten WM-Punkte. Nach Fumio Ito (Klasse bis 250 ccm, Spa-Francorchamps 1963) war Phil Read 1964 im französischen Clermont-Ferrand der erst zweite Grand Prix-Sieger auf und für Yamaha, als er das Rennen der Viertelliterklasse vor dem Honda-Piloten Luigi Taveri aus der Schweiz und dem Suzuki-Fahrer Bert Schneider aus Österreich gewann. Von da an errang der Brite in den Klassen 125, 250 und 350 ccm stets mehrere Siege jährlich.

 

Erster WM-Titel 1964

 

Am Jahresende 1964 errang Phil Read in der Viertelliterklasse seinen ersten WM-Titel, den er 1965 erfolgreich verteidigte. 1968 war er als Jahresbester bei den 125ern und den 250ern sogar Doppelweltmeister. Eigentlich hätte er sich die Titel mit seinem Teamkollgen Bill Ivy teilen sollen, was er beim entscheidenden Rennen kurzzeitig vergaß und mit dem Frauenschwarm Ivy fortan uneins war.

Zwischenzeitlich fuhr Phil Read 1970 und 1971 die von John Player gesponserte Norton bzw. die vom legendären Tuner Helmut Fath gebaute Münch-URS, was ihn nicht davon abhielt, 1971 auf Yamaha erneut 250er-Weltmeister zu werden.

 

Erfolge endlich auch in der Königsklasse

 

Auch 1972 fuhr er solch ein japanisches Motorrad sowie parallel eine 350er-MV Agusta. Auf dem Sachsenring holte er seinen ersten Sieg für das italienische Werk und wurde von nun an der große Gegenspieler des Italieners Giacomo Agostini. Neben der 350-ccm-Klasse dominierte "Ago Nazionale" zu der Zeit auch die Halbliterklasse, die die Königsklasse und in die auch Phil Read strebte. Während Giacomo Agostini weiter die 350er-WM dominierte und Weltmeister wurde, konnte Phil Read auf solch einer italienischen 500er 1973 und 1974 seinen bisherigen fünf WM-Titeln noch zwei in der Halbliter-Kategorie hinzuzufügen. Mit somit sieben Weltmeisterschaften und insgesamt 52 Grand Prix-Siegen (10 x 125 ccm, 27 x 250 ccm, 4 x 350 ccm und 11 x 500 ccm) ist Phil Read in der ewigen Bestenliste bis heute und sicherlich noch lange Zeit ganz oben mit dabei.

Mitten in der Saison 1976 zog sich Phil Read, damals unterwegs auf einer Suzuki RG 500, aus der Motorrad-Weltmeisterschaft mangels Erfolg zurück, um im darauffolgenden in einer anderen Szene noch einmal sein Glück zu versuchen. Gern sprach Phil Read nämlich von acht gewonnenen Weltmeisterschaften, wobei er da seinen Sieg in der Formula TT F1 1977 mitzählt. Diese Serienklasse kann man als Vorläufer der heutigen Superbike-WM durchgehen lassen, wobei sie nie den offiziellen WM-Status erhielt und in jenem Jahr, ihrem Premierenjahr, bis 1979 mit einem einzigen Rennen auf der Isle of Man entschieden wurde.

 

Vier Siege auf dem Sachsenring

 

Phil Reads Sachsenring-Bilanz weist vier Siege auf. So gewann er 1964 und 1967 auf Yamaha in der Viertelliterklasse, 1968, ebenfalls au Yamaha, bei den 125ern und 1972 in der Klasse bis 350 ccm auf MV Agusta. Zudem stand er fünf weitere Male hier auf dem Podest. 1965, 1966 und 1968 hinter Jim Redman, Mike Hailwood bzw. Bill Ivy als Zweiter des jeweiligen 250er-Rennens sowie 1967 als Zweiter hinter Bill Ivy bei den 125ern. Beim vielumjubelten und geschichtsträchtigen Sieg von Dieter Braun 1971 im Rennen der 250-ccm-Klasse stand Phil Read als Dritter auf dem Sachsenring-Podest. Auf der anderen Seite neben dem Westdeutschen stand damals der zweitplatzierte Rodney Gould.

 

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