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Ulli Melkus wäre heute 70 geworden

MOTORSPORT Ikone des Ost-Formelrennsports kein ausgesprochener Sachsenring-Fan

Sachsenring. 

Am heutigen 19. April wäre Ulrich Melkus, von allen nur Ulli genannt und auch so geschrieben, 70 Jahre alt geworden. Die Lichtgestalt des DDR-Formelrennsports der 1970er- und 1980er-Jahre gewann in seiner Karriere je fünf Mal die DDR-Meisterschaft (1976, 1980, 1983, 1984 und 1985) sowie den "Pokal für Frieden und Freundschaft (1978, 1980, 1983, 1984, 1985), die Meisterschaft der damaligen sozialistisch geführten Ostblock-Länder. Knapp zwei Monate nach seinem 40. Geburtstag, am 18. Juni 1990, kam die Galionsfigur des DDR-Autorennsports bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall ums Leben.

 

Erheblich erblich vorbelastet

 

Natürlich bekam er als Sohn von Heinz Melkus einiges in die Wiege gelegt, aber er setzte diese Gene auch hervorragend um. 1966 versuchte sich Ulli erstmals im Motorsport. Zunächst ebenfalls mit zwei Rädern beim Motocross und bald darauf im K-Wagen. Zwei Jahre später fuhr er erstmals in einem richtigen Rennauto, zumindest bei einem Wettbewerb. Auf der Bernauer Schleife gewann er in einem Formel III Melkus-Wartburg auf Anhieb in der LK II. Noch im gleichen Jahr wurde er in der Lizenzklasse losgelassen und belegte auf dem Schleizer Dreieck beim Sieg seines Vaters einen guten fünften Platz.

Parallel zur Rennerei trieb er seine berufliche Qualifizierung voran und beendete 1972 sein Studium zum Dipl.-Ing. für Maschinenbau. Doch auch seine sportliche Laufbahn erlebte einen ersten Höhepunkt, als er in der einzigen Autoklasse mit Meisterschaftsstatus, der Rennwagen-Gruppe C9, hinter seinem Vater Vizemeister wurde.

Seinen ersten Sachsenring-Auftritt hatte er 1973. Bei den 1300er-Rennwagen kam er hinter Wolfgang Küther, Wolfgang Krug und direkt hinter dem Herrn Papa auf Rang vier. Auch für den abschließenden Pokallauf mit Startern aus der CSSR, der UdSSR und aus Polen wurde er nominiert. Hierbei kam er als wiederum viertbester DDR-Fahrer auf Platz 14 ein.

1974 feierte er einen weiteren DDR-Vizetitel und 1975 gelang ihm im nationalen Rennen der C9 sein erster Sieg auf dem Sachsenring. Im internationalen Rennen schied er in der Spitzengruppe liegend mit technischem Defekt aus.

Auch 1976 war er der schnellste DDR-Fahrer, hatte aber gegen drei tschechoslowakische MTX-Fahrer als Vierter das Nachsehen. Bei den beiden anderen in der DDR übrig gebliebenen Rundstreckenrennen machte er ebenfalls eine ausgezeichnete Figur. Nach einem weiteren Sieg in Schleiz begnügte er sich beim Finale in Frohburg als drittbester DDR-Fahrer mit Rang vier, womit er seine erste DDR-Meisterschaft perfekt machen konnte.

1978 zierte die Ergebnisliste am Sachsenring wieder zwei Mal den Namen Melkus, als Ulli vor seinem jüngeren Bruder Peter Vierter wurde. In der Abschlusstabelle, wie auch 1979, musste er sich jeweils Heiner Lindner beugen, um 1980 zurück zu schlagen. Kam er auf dem Sachsenring noch hinter Frieder Kramer ein, war die Reihenfolge am Saisonende genau umgekehrt.

1981 verkehrten sich die Dinge erneut. Diesmal sicherte sich Frieder Kramer den Titel und Ulli Melkus wurde Vize. So auch 1982, diesmal allerdings hinter Bernd Kasper.

 

Titelflut

 

Danach folgte Ulli Melkus' beste Zeit. Vier Mal in Folge wurde er DDR-Meister bei den B8-Rennwagen. Nachdem ihm dazu 1983 sein zweiter Sachsenring-Sieg sowie 1984 hier ein zweiter Platz halfen, reichte es 1985 sogar, trotz dass er das Sachsenringrennen dem Familienurlaub opferte.

Auch im internationalen Vergleich der sozialistischen Länder war er in diesen Jahren das Maß der Dinge und gewann drei seiner insgesamt fünf Titel, den "Pokal für Frieden und Freundschaft".

Zu seiner Sachsenring-Bilanz kam nur noch ein dritter Platz im Jahr 1986. Im darauffolgenden Jahr verunfallte Hans-Dieter Kessler spektakulär bei der zweiten Stadtdurchfahrt, worauf alle nachfolgenden Piloten ihre Fahrt stoppten. Außer der führende Ulli Melkus. Als er, von niemandem gewarnt und nichtsahnend, mit hohem Tempo an die Unfallstelle kam, zwang er, um Schlimmeres zu verhindern, seinen Boliden ebenfalls in einen Unfall. Daraufhin schied er im Unfrieden vom Sachsenring und fuhr hier nie wieder.

 

Ein guter Fahrer UND Techniker

 

Doch Ulli Melkus war nicht nur ein hervorragender Rennfahrer, sondern auch ein begnadeter Techniker. Nach den SEG- und SRG-Rennwagen, was für Sozialistische Entwicklungsgemeinschaft bzw. Sozialistische Renngemeinschaft stand, war in der DDR ab 1977 der MT77 das Maß der Dinge. Das M stand für (Ulli) Melkus und das T für (Hartmut) Thaßler, denn die diese beiden waren die geistigen Väter dieses beispiellosen Gemeinschaftprojektes, zu dem auch andere Rennfahrer ihren Beitrag leisteten.

Nach der Wende hatte auch er große Pläne, zum Beispiel sporadisch für BMW DTM fahren. Soweit sollte es aber nicht mehr kommen. Am 18. Juni 1990 platzte an seinem PKW auf der Autobahn bei Speyer ein Reifen. Der unkontrollierbare Wagen rutsche unter einen Lkw, der zur Ulli Melkus' tödlicher Falle wurde.