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Vor 70 Jahren verstarb Ferdinand Porsche

Historie Der Auto-Union zu Ruhm verholfen

Motorsport-Historie. 

Motorsport-Historie. In den 1930er-Jahren erwuchs die Auto Union der vier westsächsischen Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer zu einem der weltgrößten Automobil-Hersteller. Gemäß der alten Weisheit "Gewinne am Sonntag! Verkaufe am Montag!" trugen motorsportliche Erfolge zum Erstarken der hiesigen Automobilindustrie bei. Geistiger Vater der Auto-Union-Rennwagen war Ferdinand Porsche, der heute vor 70 Jahren, also am 30. Januar 1951, verstarb.

Schon in jungen Jahren ein Konstruktions-Genie

Geboren wurde Ferdinand Porsche am 3. September 1875 als Sohn eines Klempnermeisters im nordböhmischen Maffersdorf, dem heutigen Vratislavice unweit von Liberec. Nach einigen Meinungsdifferenzen mit dem Vater bezüglich des beruflichen Werdeganges, zog es ihn schließlich nach Wien, um eine Lehre als Elektriker zu absolvieren. Für die Firma Lohner konstruierte er bereits als 24-jähriger ein vielbestauntes Elektrofahrzeug. Mit 31 Jahren war Porsche bereits Technischer Direktor bei Austro-Daimler und baute verschiedene Mixed-Wagen, welche einen kombinierten Benzin/Elektro-Antrieb aufwiesen.

1909 entwickelte er seinen ersten Flugzeugmotor und siegte ein Jahr später als Pilot eines Austro-Daimler bei der Prinz-Heinrich-Fahrt, einer damals bedeutsamen Städtefahrt mit jährlich wechselnden Routen.

1922 gelang Ferdinand Porsche ein weiterer Geniestreich mit dem Austro Daimler Typ Sascha-Rennwagen. Bei diesem Fahrzeug trieb er seine Theorie der Leichtbauweise konsequent voran. Dadurch feierte der zierliche Wagen mit gerade einmal 50 PS bei 1.000 ccm Hubraum bei 52 Starts 51 Siege, nicht selten gegen großvolumige, aber dafür trägere Konkurrenzfahrzeuge. Als Höhepunkt dürfte der Klassensieg bei der sizilianischen Targa Florio gelten.

Im April 1923 wechselte der Ingenieur zu Daimler nach Stuttgart und bekam ein weiteres Jahr später, nach dem Sieg von Christian Werner auf Mercedes beim gleichen Anlass, den Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule seiner neuen Heimatstadt verliehen.

1928 verließ er die mittlerweile fusionierte Daimler-Benz AG und gab ein kurzes Gastspiel bei Steyr.

1930 rief er schließlich das "Dr. Ing. h. c. Ferdinand Porsche GmbH - Neutrales Konstruktions- und Beratungsbüro für Hersteller von Automobilen, Flugzeugen, Motoren und deren Teile auf dem Benzin-, Rohöl- und elektrischen Gebiet" mit Sitz in Stuttgart ins Leben. Aufträge kamen zunächst von Wanderer, Zündapp, Daimler-Benz, NSU und schließlich der AUTO UNION.

Europameister im Porsche-Boliden

Vom Verbund der westsächsischen Automobilhersteller Audi, DKW, Horch und Wanderer erhielt das unabhängige Konstruktionsbüro, um Mercedes die Stirn zu bieten, bald den langfristigen Großauftrag für die Entwicklung eines Rennwagens für die neue 1934 eingeführte 750-kg-Formel. Pläne für den legendären 16-Zylinder-Motor, wie er später in den meisten AUTO-UNION-Rennwagen zum Einsatz kam, hatte Porsche freilich schon in der Schublade.

Im Jahr 1935 stieß der junge Bernd Rosemeyer von der DKW-Motorradfahrergilde zur Rennabteilung von AUTO UNION. Nach und nach verdrängte dieser die bisherige Nummer 1 Hans Stuck und krönte seine Leistung, die seines Arbeitgebers, sowie die seines väterlichen Freundes Ferdinand Porsche mit dem Gewinn der Europameisterschaft 1936.

Sehr hilfreich erwiesen sich dabei die von Porsche erkannten Vorteile von Mittel- bzw. Heckmotor-Rennwagen. Der Kraftstofftank wurde möglichst zentral angeordnet, um das Fahrverhalten mit zunehmender Renndauer nur minimal zu verändern. Die Heckmotor-Bauart sollte sowohl beim Volkswagen "Käfer", ebenfalls eine Porsche-Schöpfung der Vorkriegsjahre, wie auch später beim Porsche 356 und 911 zu großer Tradition gelangen. Trotz aller Vorzüge dauerte es bis Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahre, bis sich dieses Prinzip im Formelrennsport durchsetzte.

Unter Ferdinand Porsches Leitung entstand auch der Auto-Union-Rekordwagen, der gefahren von Bernd Rosemeyer die 400-km/h-Schallmauer für Rekorde auf normalen Verkehrsstraßen durchbrach.

1938 lief Porsches Vertrag mit dem sächsischen Fahrzeughersteller-Verbund aus und wurde nicht verlängert. Im gleichen Jahr wurde ihm von Hitler der "Deutsche Nationalpreis" verliehen, sowie zwei Jahre später, wiederum von der TH Stuttgart, der Titel zum Ehrenprofessor.

Neustart wieder im "Ländle"

Unmittelbar nach Kriegsende wurde Ferdinand Porsche von den Franzosen verhaftet, die ihn für knapp zwei Jahre ins Gefängnis steckten. Die zweifelhaften Anschuldigungen bezogen sich auf sein Mitwirken an den deutschen Militärfahrzeugen.

Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft durfte Porsche den von Frankreich verwalteten Teil Österreichs nicht verlassen. Somit wurde das erste echte Porsche-Automobil, der "356", in Gmünd in Kärnten entwickelt und hergestellt. Den Hauptteil der Konstruktionsarbeit muss man allerdings seinem Sohn Ferry anlasten, denn Ferdinand Porsche war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der Alte. In ihm steckten nach der Gefangenschaft weniger Tatendrang und Kampfeslust.

Nachdem er mehr und mehr mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, fragte er seinen Arzt einmal scherzhaft, ob er ihm nicht die defekten Teile, wie bei einem Auto, auswechseln könne.

Die Firma Porsche zog wieder nach Stuttgart und begann zunächst in ganz kleinem Stil. Eine schlichte Holzbaracke diente als Verwaltungsgebäude, für die Produktion wurde eine Fabrikhalle angemietet. Was daraus wurde, ist bekannt, ein Sportwagen-Hersteller mit Weltruhm.

Nach arbeitsreichem und erfülltem Leben verstarb Prof. Dr. Ing. h. c. Ferdinand Porsche am 30. Januar 1951 im Alter von 75 Jahren. Seine wegweisenden Konstruktionen blieben der Nachwelt noch lange in Erinnerung.