Digitaler Therapeut zeigt, wie es geht

Forschung Assistent für die Rehabilitationstherapie

: Nachwuchswissenschaftler Lars Lehmann von der Professur Digital- und Schaltungstechnik der TU Chemnitz testet das neue Therapieassistenzsystem mit seiner Kollegin Julia Richter im Funktionslabor der Professur Sportmedizin und -biologie. Ein Kamerasystem überwacht dabei die Bewegung der Probandin. Sie erhält Echtzeit-Feedback während der Übungen und kann durch konkrete Anweisungen am Feedbackdisplay, wie "Oberkörper gerade!" oder "Knie anwinkeln!", Bewegungsfehler zeitnah korrigieren. Foto: TU Chemnitz/Wolfgang Thieme

Chemnitz. Die Nachwuchsforschergruppe AssiSt der TU Chemnitz stellt ihr neuartiges Assistenzsystem vor. Vom 13. Bis 16. November 2017 wird das System zur Rehabilitationsunterstützung auf der MEDICA, der weltgrößten Messe für Medizintechnik, in Düsseldorf ausgestellt sein.

Aufgrund der vielen Patienten, die Therapeuten momentan gleichzeitig begleiten müssen und dem damit verbundenen hohen Betreuungsaufwands, können Therapieprozesse einzelner Patienten nicht durchgehend überwacht werden. Erfolgsentscheidend für eine Rehabilitations-Therapie, beispielsweise nach einem Unfall oder einer Erkrankung, ist jedoch die korrekte Ausführung der Trainingsübungen. Wenn Bewegungen fehlerhaft ausgeführt werden und keine zeitnahe Korrektur erfolgt, können die Trainingsübungen sogar negativ auf die Gesundung wirken.

Einsatz des Therapeuten ab 2018

An dieser Stelle setzt der digitale Co-Therapeut der Forscherinnen und Forscher der TU Chemnitz an. Die Forschergruppe AssiSt ("Assistierte Bewegungskontrolle in der Rehabilitation durch intelligente Sensortechnologie")konnte mit Verfahrendes maschinellen Lernens das Feedback des Therapeuten in Form eines technischen Assistenzsystems nachbilden.

Julia Richter von AssiSt berichtet: "Dadurch ist es möglich, die von Patienten ausgeführten Bewegungen in Echtzeit mit Hilfe einer intelligenter Sensortechnologie zu analysieren und anschließend per Anweisung über ein Feedbackdisplay zu korrigieren - vor allem in den Phasen, in denen Therapeuten den Therapieprozess nicht begleiten können."

2018 soll der entwickelte Demonstrator erstmals in der Chemnitzer Rehabilitationseinrichtung ADMEDIA Reha GmbH eingesetzt werden. Sowohl die Mensch-Maschine-Schnittstelle als auch die Integration des Co-Therapeuten in den klinischen Alltag sollen dabei optimiert werden. Langfristiges Ziel der Forschergruppe ist eine Überführung des derzeitigen Demonstrators zur Marktreife. Julia Richter schätzt dieses Ziel sehr realistisch ein, da MEDICA eine ideale Möglichkeit biete, um weitere Partner zu gewinnen.

Unterstützt wird die Forschung der interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe durch den Freistaat Sachsen und den Europäischen Sozialfond (ESF).

Alle Fragen zu technischen und therapeutischen Hintergründen des digitalen Therapeuten beantworten die Forscherinnen und Forscher auf der MEDICA am Stand 3/D94.