Edeka-Schließung am Uni-Campus: Chemnitzer Studenten sind sauer

Umfrage Veränderung an der TU Chemnitz trifft nicht auf Zustimmung

Kims blick auf den campus

Nach der umgebauten Mensa sollen am Campus der Technischen Universität an der Reichenhainer Straße im September weitere Veränderungen folgen: Den "nah&gut"-Laden im Mensagebäude wird es ab dann nicht mehr geben, bestätigte das Studentenwerk Chemnitz-Zwickau. Damit wurden die Gerüchte bestätigt. Wie denken nun aber Studenten und Mitarbeiter der TU darüber? Und wie kam es denn eigentlich dazu? Wir haben uns mal auf dem Campus umgehört.

Konkurrenzkampf mit Mensa zu groß gewesen?

Studentin Anika findet die Entscheidung gar nicht gut: "Dieser Laden hat länger geöffnet als alle anderen im Umkreis und man kann sich zwischen den Vorlesungen mal schnell was zu essen oder trinken kaufen, ohne die überteuerten Preise in der Mensa und Cafeteria zu bezahlen." Weiterhin habe diese Filiale direkt auf die Studenten zugeschnittene Angebote und Artikel, die man nicht überall bekäme. Das macht die "nah&gut"-Filiale so unentbehrlich, gerade für Studenten, die am Campus wohnen.

Dem stimmt auch Studentin Eva zu. "Der Edeka wertet für mich den ganzen Campus extrem auf", sagt sie. Sie fände es erschreckend, wenn all dies auf einem Konkurrenzkampf mit der Mensa basiere. Denn tatsächlich suchen viele Studenten die Supermarkt-Filiale auf, um sich schnell zwischen den Vorlesungen mit Nervenfutter einzudecken, falls die Zeit für das Essen in der Mensa oder Cafeteria nicht reicht. "Vielleicht sollten sie [das Studentenwerk, Anm. d. Red.] einsehen, dass der Umbau nicht wirklich eine Verbesserung gebracht hat und sollten sich überlegen, wie sie es anders regeln können", fügt Eva hinzu.

"Das Studentenwerk lässt Verträge bewusst auslaufen"

Einige Befragte sind regelrecht geschockt. "Warum wird der Laden denn überhaupt geschlossen?", werden wir mehrmals gefragt. Wir sagen dann: Laut Studentenwerk habe der Filialinhaber, Armin Fiedler, den Vertrag gekündigt. Dass dahinter aber viel mehr steckt, erfahren wir nicht vom Studentenwerk. Denn Inhaber Fiedler war bereit gewesen, in seinen Laden zu investieren. "Ich hatte vor, 300.000 Euro zu investieren. Aber dafür hätte ich einen 10-Jahres-Vertrag vom Studentenwerk gebraucht, der mir nicht gewährt wurde", teilt er uns in einem Interview mit.

Auch was mit dem leeren Raum passieren soll, erfahren wir vom Studentenwerk nicht. Laut Pressesprecher Ulf Walther sei man dabei, "zu überlegen, wie [... ] frei werdende Ladenfläche künftig genutzt werden soll". Armin Fiedler hat das ganz anders in Erinnerung: "Im Oktober letzten Jahres habe ich eine Mail von Frau Schönherr [Anja Schönherr, Geschäftsführerin des Studentenwerks, Anm. d. Red.] erhalten, in der sie eigentlich bestätigt, dass der Raum meiner Filiale für die Zwecke des Studentenwerks genutzt werden soll." Er habe zwar selbst gekündigt, aber das Studentenwerk lasse die Verträge bewusst auslaufen, um es dann nach ihren eigenen Vorstellung umzugestalten, so Fiedler.

Aber zurück zu den Studenten. Was die Befragten allesamt stört: Sie werden zwar nicht gefragt, was sie wollen (das ist schon schlimm genug), aber sie werden auch nicht mal informiert. "Man erfährt das einfach immer so im Gespräch mit anderen, und nicht durch eine offizielle Info oder so. Das ärgert mich", sagte eine Person, die anonym bleiben möchte.

"Soweit ich weiß, soll ja etwas Neues von der Mensa da rein. Aber da hat man ja gar keine Alternative mehr", sagt Student Lucas. "Ich würde mir wünschen, dass irgendein neuer Markt da rein käme."

"Sollten sich auf unsere Wünsche konzentrieren"

Auch Student und Mitarbeiter Sebastian bedauert die Entwicklung. Er findet es "absolut rücksichtlos gegen über allen Betroffenen". Auch wenn es nur Kleinigkeiten seien, die man an einem Tag in der Uni im Edeka-Laden einkauft, so sei er trotzdem unentbehrlich, denn künftig müsse man ja dann bis zur Filiale in der Bernsdorfer Straße laufen. "Da ist man ja den Großteil der Pause nur noch unterwegs", fügt er hinzu. Er sieht in den letzten Jahren mehrere Fehlentscheidungen, was die Universität und Studentenwerk betrifft. "Zum Beispiel die Betonwüste auf den Plätzen oder der mehr als fragwürdige Mensaumbau begünstigen die sinkende Qualität des Campus'. Vielleicht sollten sich Uni und Studentenwerk mal endlich wieder auf unsere Bedürfnisse und Wünsche konzentrieren."

Fazit: Viele sind sauer

Zusammengefasst: Ob Student, Mitarbeiter oder Filialleiter selbst - keiner sieht der Schließung der Edeka Filiale positiv entgegen. Es wird künftig die Möglichkeit wegfallen, schnell zwischen Vorlesungen oder einfach nach der Uni einkaufen zu gehen, ohne einen weiten Weg hinter sich legen zu müssen. Sogar eine Petition, die in der Filiale ausliegt, soll den geliebten Laden retten. So wie es scheint, hat das Studentenwerk aber schon lange andere Pläne. Am 30. September 2019 wird die Filiale dann endgültig geschlossen. Wir hoffen, dass egal, in welcher Art der Raum künftig genutzt wird, das Studentenwerk auf die Wünsche der Studenten eingeht und sich die Qualität des Campus' an der Reichenhainer Straße nicht verschlechtert.