Fan-Held "Penne": "Hoffe, in Chemnitz wird wieder etwas aufgebaut"

Interview mit Torhüter Philipp Pentke

Am Sonntag heißt es im "Stadion - An der Gellertstraße" wieder David gegen Goliath: In der ersten Runde des DFB-Pokals empfängt der Chemnitzer FC die TSG Hoffenheim. Im Diensten des Europa-League-Teilnehmers steht mit Philipp Pentke ein alter Bekannter. Der ehemalige Publikumsliebling der CFC-Fans steht seit vergangener Saison bei den Kraichgauern unter Vertrag und kehrt nun wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück.  Aufgrund von Oberschenkelproblemen konnte der 35-Jährige zuletzt nicht am Mannschaftstraining teilnehmen und stand dementsprechend Sebastian Hoeneß, seit Sommer neuer Trainer der TSG Hoffenheim, auch bei den Vorbereitungsspielen nicht zur Verfügung. Der gebürtige Freiberger trainiert aber wieder und stand am vergangenen Wochenende für die zweite Mannschaft der TSG auf dem Feld. BLICK-Redakteur Marcus Hengst sprach mit Philipp Pentke über ein legendäres DFB-Pokalspiel, einen Kindheitstraum und den CFC.

BLICK: Hallo Philipp, allererste Frage: Nachdem Dich eine Verletzung zu einer Pause zwang - Wie fit bist du und wie verlief dein erstes Spiel am Wochenende für die zweite Mannschaft der TSG?

Pentke: "Mir geht es nach dem Muskelfaserriss in der Leiste, die mich fast drei Wochen zurückwarf, wieder richtig gut. Mittlerweile kann ich wieder voll mit der Mannschaft trainieren. Um Spielpraxis zu sammeln, stand ich bei unserer Zweiten zwischen den Pfosten. Es fühlte sich richtig gut an, endlich wieder zwischen den Pfosten zu stehen."

BLICK: In einem Fußballleben läuft man sich oftmals mehrfach über den Weg - und am kommenden Sonntag ist das für dich erneut der Fall. Mit der TSG Hoffenheim triffst du in der ersten Runde des DFB-Pokals auf deinen Ex-Verein, den Chemnitzer FC. Wo hast du die Auslosung verfolgt und was gedacht, als der CFC als Gegner letztlich feststand?

Pentke: "Solche Geschichten kann wirklich nur der Fußball schreiben. Als ausgelost wurde, dass wir gegen den Sachsenpokalsieger antreten, habe ich dem CFC natürlich sofort die Daumen gedrückt. Denn nichts ist schöner, als mit seinem aktuellen Verein noch einmal gegen einen ehemaligen Verein anzutreten. Das freut mich ungemein."

BLICK: Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze, und bei einer legendären Pokalschlacht bist du der entscheidende Faktor gewesen. Vor etwas mehr als sechs Jahren gastierte der FSV Mainz 05 im sich im Umbau befindlichen "Stadion - An der Gellertstraße". In der 122. Minute hast du den Ball mit einem missglückten Abschlag Gais auf den Fuß gelegt, anschließend zappelte dessen Schuss von der Mittellinie im Netz. Es hieß 5:5 und es folgte das Elfmeterschießen. Alle trafen, bis auf Jara, dessen Schuss konntest du parieren. Welche Erinnerungen hast du noch an diese denkwürdige Partie?

Pentke: "Das Spiel gegen Mainz ist sicherlich eines der Highlight-Spiele in der jüngeren Vereinsgeschichte des CFC gewesen. Für die Fans im Stadion war es einfach nur Spannung pur, für neutrale Zuschauer mehr als unterhaltsam und für uns Spieler eine Achterbahn der Gefühle. Das Spiel wurde 19 Uhr angepfiffen, und gefühlt kurz vor Mitternacht fiel erst die Entscheidung. Ein 5:4 wäre für die angespannten Nerven natürlich besser gewesen, aber im Elfmeterschießen haben unsere Jungs unfassbar sicher geschossen. Und am Ende reichte ein gehaltener Elfmeter zum Sieg über den Bundesligisten. Ein unglaubliches Spiel von der ersten Minute bis zum letzten Schützen."

BLICK: Zurück in die Gegenwart: Beim Chemnitzer FC hat sich nach dem Abstieg in die Regionalliga allerhand getan, eine neue Mannschaft ist entstanden, die auch schon erste Siege einfahren konnte. Verfolgst du den CFC noch? Und wenn ja, wie schätzt du ihn aktuell?

Pentke: "Ich verfolge die Entwicklung CFC nach wie vor und habe noch zu einigen wenigen Personen Kontakt. Aus dem aktuellen Kader kenne ich nur noch Niklas Hoheneder aus früheren Duellen. Eine realistische Einschätzung über den aktuellen Stand fällt deswegen recht schwer."

BLICK: Aufgrund der Corona-Pandemie sind leider deutlich weniger Zuschauer als gewöhnlich zugelassen. Ins Chemnitzer Stadion dürfen immerhin wieder fast 5.000 Zuschauer rein. Wie nimmt man als Spieler die ungewohnte Stille im Stadion wahr? Und wie wichtig sind Fans?

Pentke: "Spiele ohne Zuschauer sind für alle Beteiligten eine absolut ungewohnte Situation. Es fällt einem ziemlich schwer, sich daran zu gewöhnen, schließlich lebt der Fußball von Fans und Emotionen. Glücklicherweise werden in einigen Stadien in Deutschland langsam wieder Zuschauer zugelassen. Dass am Sonntag wieder fast 5.000 kommen dürfen kommen, ist bei aller gebotenen Vorsicht toll."

BLICK: Sowohl beim CFC als auch beim Jahn aus Regensburg bist Du die unbestrittene Nummer 1 gewesen, dazu Identifikationsfigur und Publikumsliebling. Bei der TSG wiederum hast du die Nummer 2 hinter Oliver Baumann inne. Zu Beginn des Jahres hast du ihn in vier Bundesliga-Spielen sowie im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den mittlerweile Triple-Gewinner FC Bayern München sehr stark vertreten. Mit der überragenden Leistung gegen Bayern Leverkusen und Havertz, Volland und Co. am 20. Spieltag bist du als "Spieler des Spieltags" in der "Elf des Tages" gelandet. Philipp Pentke ist mit 35 immer da, wenn er gebraucht wird?

Pentke: "Im Grunde genommen spielt das Alter keine Rolle. Gianluigi Buffon hütet mit 42 Jahren immer noch das Tor von Juventus Turin. Man ist folglich immer so fit, wie man sich fühlt. Und aktuell fühle ich mich sehr gut. Solange das passt und ich mein Level durch tägliches Training halten, verbessern und meine Leistung abrufen kann, bin ich da und bereit. Als Olli ausfiel, musste ich ins Bundesligawasser springen und ich denke, in diesem gut geschwommenen zu sein. Gegen Leverkusen habe ich einen Sahnetag erwischt, das stimmt. Und das Spiel bei den Bayern vor 71.500 Zuschauern war eine besondere Erfahrung."

BLICK: Apropos Erfahrung, davon hast du eine Menge in den letzten Jahren gesammelt: Gibst du diese an die jüngeren Spieler weiter?

Pentke: "Selbstverständlich. Die jungen Torhüter schauen, wie Olli und ich arbeiten, und gern geben wir unsere Erfahrung sowie Hilfestellungen und Hinweise weiter. Aber das ist ganz normal, dass wir dem Nachwuchs das mitgeben. Als wir in diesem Alter gewesen sind, war das nicht anders."

BLICK: Mit 35 Jahren geht für dich der "Traum von Europa" in Erfüllung, denn in der kommenden Saison spielt die TSG wieder in der Europa-League - Hast du einen Wunsch, wo oder gegen wen Du gern einmal spielen möchtest?

Antwort: "Wir haben uns sehr gefreut, dass wir uns aus eigener Kraft für die Europa-League qualifizieren konnten. Und wenn ich es mir wünschen dürfte, würde ich einmal in England spielen, vielleicht geht dieser Kindheitstraum ja in Erfüllung."

BLICK: Wie lange will Philipp Pentke noch Fußball spielen?

Pentke: "Solange es geht. Ans Aufhören denke ich überhaupt noch nicht. Mir geht es gut, ich fühle mich fit und bei der TSG pudelwohl."

BLICK: Last but not least: Wie endet das Duell zwischen dem Chemnitzer FC und der TSG Hoffenheim? Und was wünscht "Penne" seinem CFC für die Zukunft?

Pentke: "Ich hoffe mit einem souveränen Sieg für uns. Dem CFC und seinen Fans wünsche ich, dass sie aus den Fehlern der letzten zwei Jahre lernen und die richtigen Schlüsse ziehen. Der Chemnitzer FC ist ein Traditionsverein mit großem Potenzial. Ich wünsche dem CFC, dass es ihm gelingt, hier wieder etwas aufzubauen und alles Gute für die Zukunft."

BLICK: Danke für das tolle Interview!