Fotos aus der Sperrzone

Ausstellung Haus Arthur zeigt Geisterstadt bei Tschernobyl

Es ist eine bedrückende Ästhetik, die die Fotos von Andreas Georgi vermitteln: Seit Donnerstag zeigt die Galerie Medusa im Haus Arthur (Hohe Straße 33) seine Bilder aus der ukrainischen Stadt Prypjat. Als Geisterstadt liegt diese nur etwa vier Kilometer vom 1986 havarierten Kernkraftwerk Tschernobyl entfernt (15 Kilometer näher als Tschernobyl selbst) und damit im Zentrum der Sperrzone. Für seine Motive sucht der Chemnitzer Krankenpfleger gern das Marode und Verfallene, wie er sagt. Eine Stadt wie Prypjat, die quasi über Nacht evakuiert und aus dem Leben genommen wurde, war für ihn eine einmalige Gelegenheit. Den Trip in das verstrahlte Gebiet, erzählt Georgi, habe er mit Freunden in Kiew einfach buchen können. Dort bieten Organisationen ganz legal Tagesreisen für Gruppen an - ein zunehmend lukratives Geschäft. Dennoch hatte der Fotograf neben gesundheitlichen auch moralische Bedenken. Er wollte schließlich kein Katastrophentourist sein. Die Bedenken bezüglich der Strahlung konnten die Radiologen seines Arbeitsplatzes weitgehend zerstreuen. Die Bedenken, als Schaulustiger zu gelten, dürften Gäste nach der Besichtigung der Fotoausstellung widerlegen. Andreas Georgi fängt auch nach beinahe 27 Jahren Leerstand Szenen ein, die eine surreale Präsenz haben. Eine Puppe, wie gestern verloren; ein Jahrmarkt, der nie eröffnete. Nur die Ursache der Katastrophe, das Kernkraftwerk, zeigt er nicht. Es habe fotografisch nicht in die Ausstellung gepasst. Ungesehen, drängt es sich jedoch umso mehr ins Bewusstsein des Betrachters. Die Ausstellung kann während der regulären Öffnungszeiten des Arthur besichtigt werden. Eintritt frei.