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Handwerksbetriebe kämpfen mit Unsicherheiten

Konjunkturumfrage Lieferengpässe und Preissteigerungen trüben die Stimmung

Die Betriebe im Handwerk im Kammerbezirk Chemnitz betrachten nach der Aufhebung der meisten Corona-Maßnahmen - auch trotz des Krieges in der Ukraine - ihre gegenwärtige Lage positiv. Dies spiegelt sich in der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Chemnitz wider. Getrübt wird die aktuelle Lage aber dennoch: durch die seit vielen Monaten anhaltenden Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Materialien und vor allem durch die stark gestiegenen Energiepreise. Alle Bereiche des Handwerks sind davon betroffen, wodurch die Angaben zu den künftigen Erwartungen eher zurückhaltend ausfallen.

Aufhellung der wirtschaftlichen Lage

Der Geschäftsklimaindex liegt aktuell bei 120,6 Punkten (Vorjahr: 116,1). Damit ist nach der Talfahrt, die in Folge der Einschränkungen durch das Corona-Virus in Deutschland zu verzeichnen war, wieder eine Aufhellung der wirtschaftlichen Lage fast über die ganze Breite der handwerklichen Gewerke zu verzeichnen. In allen Regionen des Kammerbezirks verzeichneten die Handwerksbetriebe eine im Vergleich zum Vorjahr verbesserte Geschäftslage. Regionale Unterschiede sind dennoch feststellbar.

Die Spitzenreiterposition besetzt erneut der Landkreis Zwickau. Eher zurückhaltend bewerten die Betriebe in Mittelsachsen ihre Geschäftslage. Die positive Entwicklung ist über fast alle Gewerkegruppen zu beobachten. Nur im Lebensmittelhandwerk hat sich die Lage verschlechtert.

Betriebsauslastung und Umsatzzahlen

Eine Ursache der besseren Geschäftslage findet sich in der im Vorjahresvergleich gestiegenen Betriebsauslastung. 68,1 Prozent der Betriebe gaben eine Auslastung von 80 Prozent und mehr an. Dabei ist besonders positiv, dass 52,7 Prozent der Betriebe eine Auslastung von 90 Prozent und mehr angeben - ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten. 22,2 Prozent der Betriebe verzeichneten gestiegene Umsätze.

Bei weiteren 47,0 Prozent der Betriebe verhielten sich die Umsätze konstant. Mehr als zwei Drittel der Betriebe gaben also positive Umsatzzahlen an. Damit wird die Erholung nach den Corona-Einschränkungen deutlich. Für das zweite Quartal 2022 gehen die Betriebe von einer weiterhin leicht positiven Entwicklung aus. So erwarten 36,7 Prozent steigende, 48,8 Prozent gleichbleibende und nur 14,5 Prozent der Betriebe sinkende Umsätze.

Höhere Einkaufs- und Verkaufspreise

Bedingt durch den Russland-Ukraine-Konflikt haben sich Energierohstoffe wie Gas und Öl deutlich verteuert. Dies schlägt auf alle Bereiche durch. Hinzu kommen Verknappungen in der Versorgung mit bestimmten Materialien, die aus der Kriegsregion stammen, durch die Sanktionen nicht mehr verfügbar sind oder bei denen eine wirtschaftliche Nutzung nicht mehr gegeben ist, was ebenfalls die Preise treibt.

So geben gut neun von zehn Betrieben steigende und nur einer von hundert sinkende Einkaufspreise an. Die Betriebe konnten die gestiegenen Einkaufspreise erneut nur unvollständig auf die Verkaufspreise umlegen. Sieben von zehn Betrieben melden gestiegene Verkaufspreise. 28,2 Prozent der Betriebe konnten nur gleich bleibend hohe Verkaufspreise am Markt durchsetzen. Diese Unsicherheiten, die eine existenzielle Gefahr für viele Betriebe des Handwerks darstellen, erfordern ein schnellstmögliches Handeln seitens der Politik in Land und Bund.

"Befristete Entlastungspakete sind der falsche Weg"

Die Preise für Benzin und Diesel, Strom und Heizung belasten das Handwerk in ungeahnter Weise. Zwar wurde seitens der Bundesregierung ein Entlastungspaket beschlossen, das zum Beispiel bei den Treibstoffen von Juni bis August gelten soll. "Eine solche Befristung ist aufgrund der nicht absehbaren weiteren Entwicklungen aber der falsche Weg und muss daher vorerst aufgehoben werden - zumal die Betriebe und auch Arbeitnehmer schon seit vielen Wochen unter den hohen Preisen leiden", erklärt die Handwerkskammer in einem Statement. Weitere Entlastungen und Absenkungen von Umlagen oder Steuern bei Benzin, Diesel und Strom seien vorzunehmen. Ebenso brauche es endlich gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme zwischen Auftragnehmern und Auftraggebern für die Sorgen und Nöte des Gegenübers. Das Ziel müsse in der gegenwärtigen Situation sein, immer eine gemeinsame Lösung zu finden.

Schwieriger Blick in die Zukunft

Die Betriebe des Handwerks wollen trotz vieler Unsicherheiten zukunftsfähig bleiben und investieren. Hier brauche es auskömmlich finanzierte Förderprogramme mit niedrigschwelligen Rahmenbedingungen, ohne dass einzelne Gewerke von vornherein ausgeschlossen sind.

Handwerkskammerpräsident Frank Wagner dazu: "Der Geschäftsklimaindex im Kammerbezirk steigt. Das ist ein gutes Zeichen. Und doch sieht eine positive Entwicklung des Handwerks anders aus. Die Unsicherheiten, die sich während der Corona-Pandemie immer auch in unseren Umfragen zeigten, bleiben bestehen - obwohl wir Corona hoffentlich hinter uns haben. Der Krieg in der Ukraine, die gestörten Lieferketten und vor allem die hohen Energiepreise belasten das Handwerk und machen einen Blick in die Zukunft für die Betriebe schwierig und lassen diese eher zurückhaltend agieren."

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