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"Ich hatte mich direkt schock-verliebt!"

Interview So studiert es sich während der Pandemie in Belgien

Seit knapp über einem Jahr hält uns die die Covid-19- Pandemie in Atem und beeinflusst unseren Alltag. Der Lockdown zwingt viele Menschen in Kurzarbeit oder ins Home-Office, Schulen und Kitas bieten nur noch Notbetreuung an und auch das Studium wird online abgehalten. Doch für die meisten Studierenden gehört ein Auslandssemester einfach zum Studium dazu.

Wir vom BLICK haben uns gefragt, wie genau ein Auslandssemester in verschiedenen Teilen der Welt aussieht und möchten mit unserer Reihe "BLICK aufs Auslandsstudium während Corona" die Situation der Studierenden erfragen.

In den vorangegangenen Interviews erzählt Eva von ihrem Semester auf Teneriffa, die Russin Alexandra berichtet von ihren Erfahrungen an der TU Chemnitz und der 29-jährige Ahmad Fawaz aus Libanon macht auf sein Semester in Chemnitz aufmerksam.

Auch Emily, die eigentlich an der Technischen Universität Chemnitz studiert, möchte von ihrem besonderen Auslandssemester in Antwerpen/ Belgien berichten:

 

BLICK: Warum hast du dich für ein Auslandssemester in Belgien/Antwerpen entschieden?

Zu allererst habe ich mich bei den Partneruniversitäten des Instituts für Medienforschung umgeschaut. Leider standen mir nur drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wobei mir keine so richtig zugesagt hatte. Deshalb informierte ich mich bei dem Erasmus-Koordinator der Universität Chemnitz nach anderen Optionen. In einem sehr netten und informativen Gespräch teilte er mir mit, dass ich auch über einen anderen Fachbereich ein Auslandssemester absolvieren dürfe. Über den Fachbereich Germanistik bin ich dann auf die University of Antwerp gestoßen. Als ich mir Bilder der Universität und der Stadt im Internet angeschaut hatte, habe ich mich sofort schock-verliebt! Nachdem mir auch die Vorlesungen und Seminare der Universität zugesagt hatten, stand für mich die Entscheidung fest: ein Auslandssemester an der University of Antwerp! Und ich habe meine Entscheidung nicht eine Sekunde bereut!

BLICK: Wie sind die aktuellen Beschränkungen in Belgien?

Zu Beginn meines Auslandssemester wurden all meine Veranstaltungen in Präsenz angeboten. Die Läden, Cafés und Bars waren geöffnet, natürlich alles unter Einhaltung der Hygienekonzepte. Clubs waren dagegen natürlich geschlossen. Nach etwa 5 Wochen (im Oktober 2020) kam dann auch der 2. Lockdown. Das Veranstaltungsformat der Seminare und Vorlesungen wechselte von Präsenz zu Online und auch die Geschäfte, Cafés und Bars mussten ihre Türen wieder schließen. Von Mitternacht bis 5 Uhr morgens durfte man, wenn es kein dringender Notfall war, nicht mehr raus.

BLICK: Wie hat sich die Stimmung über die Zeit verändert?

Als ich nach Antwerpen gekommen bin, hatte zunächst alles geöffnet. Demzufolge war die Stimmung auch sehr ausgelassen, alle haben sich gefreut, dass das Auslandsemester möglich war, weil das anfangs auch noch unsicher war. Ganz zu Beginn war das Wetter noch spätsommerlich, man konnte oft die Sonne genießen und neue Leute kennenlernen. Die Stimmung war wirklich super, man hat diese Vorfreude auf die Zeit, die kommen wird, gespürt. Nach ca. fünf Wochen kam dann der 2. Lockdown und man hat dann schon mit dem Gedanken gespielt, ob es sich noch lohnt, im Ausland zu bleiben. Doch die Gedanken sind relativ schnell wieder verflogen und ich habe mit meinen neuen Kommilitonen viele Tagesausflüge in andere Städte, wie Gent, Brügge, Brüssel, gemacht. Die Stimmung hat sich schon verändert, einerseits weil die Uni auch sehr anspruchsvoll ist im Vergleich zu meiner Heimat-Universität. Andererseits musste man sich an die Maßnahmen und Regeln halten und konnte nicht mehr so viel erleben wie noch zuvor. Dennoch hat man das Beste aus der ganzen Situation gemacht.

BLICK: Wie waren deine Erwartungen an das Semester?

Um ehrlich zu sein, hatte ich gar keine Erwartungen. Mein einziger Wunsch war es, schnell Anschluss zu finden und neue Leute kennenzulernen. Dieser Wunsch ist auch schnell in Erfüllung gegangen. Ich wusste, worauf ich mich einlasse und dass die Möglichkeit bestünde, dass ich von der Heimat-Uni zurückgeholt werden könnte. Man konnte sich schon darauf einstellen, dass das Studentenleben hinsichtlich Clubs usw. nicht so ablaufen kann wie man es sich vorgestellt hatte. Allerdings hat man natürlich auch keinen Vergleich und ich kann nicht sagen, dass ich irgendetwas vermisst hätte.

BLICK: Was ist dein Fazit zu diesem etwas anderen Semester?

Ich kann auf jeden Fall Jedem, der mit dem Gedanken spielt ein Auslandssemester zu machen, dazu raten, das auch durchzuziehen. Mich selbst hat diese Erfahrung persönlich wachsen lassen. Ich habe diesen Schritt aus meiner Komfortzone gewagt und habe es nie bereut und werde es auch nie bereuen. Diese Erfahrungen kann mir auch keiner mehr nehmen. Es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können!

BLICK: Konntest du neue Leute / Freunde kennenlernen?

Das konnte ich auf jeden Fall! Ich habe so viele tolle, liebenswerte und freundliche Personen kennengelernt, die mich sehr inspiriert haben. Ich bin sehr dankbar, dass sie mein Semester zu so einer unvergesslichen Erfahrung gemacht haben. Wir sind auch immer noch regelmäßig in Kontakt und hoffen, dass nach Corona ein Treffen in Italien, Spanien, Belgien oder auch Deutschland möglich sein wird und wir uns wiedersehen können. Aktuell halten wir uns über Whatsapp und Face-Time auf dem neusten Stand.

Hier geht es zu den anderen Interviews der Reihe