Ingrid Mössinger zur Ehrenbürgerin ernannt

Abschied Generaldirektorin der Kunstsammlungen geht nach 20 Jahren

September 2007: Kunstsammlung Chemnitz, Kultur , Direktorin Frau Ingrid Mössinger. Foto: Haertelpress/Harry Härtel

Mehr als 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft wollten sich gestern persönlich verabschieden, als die scheidende Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz gleichzeitig die Ehrenbürgerschaft der Stadt Chemnitz verliehen bekam.

"Ingrid Mössinger hat Chemnitz in die Welt getragen und die Welt nach Chemnitz geholt. Das gilt für die einzigartigen Ausstellungen, so zum Beispiel zu Picasso, Munch, Renoir, die Peredwischniki, Andy Warhol oder Bob Dylan", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. "Dass Chemnitz sich seiner Stärken als kreativer, wertschöpfender, moderner Lebensraum wieder bewusst ist, das ist auch das Werk Ingrid Mössingers. Die Stadt Chemnitz sagt mit ihrer höchsten zu vergebenden Auszeichnung Danke für das jahrzehntelange Wirken."

Lobende Worte von Kretschmer und de Maizière

Die Laudatio hielt der langjährige Bundes- und Landesminister Thomas de Maizière. Ingrid Mössinger habe der Stadt, die nach der Wiedervereinigung vielen außerhalb von Chemnitz als heruntergekommen und abgeschrieben galt, Glanz zurückgegeben, betonte er. "Keinen Glanz als Fassade - sondern ein Glanz mit Substanz, mit Kraft, mit Geist! Das Wichtigste und zugleich Schönste ist, dass sie dabei Kunst und Kultur nie als elitär oder als Selbstzweck verstanden hat. Ihr ist es immer ein Herzensanliegen gewesen, die Kunstsammlungen zu einem offenen Ort der Begegnung und des Miteinanders in der Mitte der Gesellschaft zu machen."

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach ein Grußwort: "Ingrid Mössinger hat das Image von Chemnitz und das Lebensgefühl in der Stadt geprägt. Sie hat das hier vorhandene Potenzial erkannt und entfaltet. Die Chemnitzer können stolz sein auf ihre Kunstsammlungen, auf ihre Stadt der Moderne und eine wunderbare und inspirierende neue Ehrenbürgerin, die mit Charme, Leidenschaft und Herzblut dazu beigetragen hat."

Rückblick

Ingrid Mössinger prägte die Kunstsammlungen Chemnitz seit 1996. Die Kunstsammlungen wurden 2010 vom Kunstkritikerverband AICA zum "Museum des Jahres" gekürt. Bereits seit 2001 stehen die Kunstsammlungen im Blaubuch der gesamtstaatlich bedeutsamen Kultureinrichtungen im Osten Deutschlands. 2003 wurden sie unter 163 Mitbewerbern von der Stiftung "Lebendige Stadt" für das beste deutsche Museumskonzept ausgezeichnet.

2003 fand die einzigartige Kollektion des Münchner Galeristen Dr. Alfred Gunzenhauser mit mehr als 2.400 Werken der Klassischen Moderne in Chemnitz eine Heimat. Im Jahr 2007 wurde das eigens für die Sammlung umgebaute Museum Gunzenhauser eröffnet. Die von Ingrid Mössinger verantworteten Ausstellungen haben vielfach - auch international - für Aufsehen gesorgt: "Picasso et les femmes" (2002), Edvard Munch (1999), Lucas Cranach (2005), Karl Schmidt-Rottluff (2006), Ernst Ludwig Kirchner (2007), die Peredwischniki (2012), Andy Warhol (2014) und viele andere.

Eine gefeierte und bestaunte Weltpremiere gelang ihr mit der ersten Exposition der Werke Bob Dylans (2007). Die Zahl der Ausstellungen in der Amtszeit Ingrid Mössingers liegt bei zirka 170. Insgesamt wurden mehr als 500 Künstler aus 45 Ländern gezeigt.