Kleiner Piks für ein großes Ziel

Forschung Warschauer Uni will Wisent-Bestände retten

Gemütlich und in sich ruhend stehen die Wisente des Chemnitzer Tierparks auf der Wiese. "Selbst die Gewebe-Entnahme in der vergangenen Woche haben sie nur am Rande mitbekommen - es war auch nur ein kleiner Piks", schmunzelt Tierarzt Lothar Härtelt vom Förderverein Wisentzucht. Grund für den Arztbesuch: Die Art war in Europa schon ausgestorben, die letzten frei lebenden Bestände fielen in den 20er Jahren im Kaukasus der Wilderei zum Opfer. Der heute lebende Bestand geht auf Haltung und Zucht in Menschenobhut von nur zwölf sogenannten Gründertieren zurück. Härtelt: "Durch die schmale genetische Basis, auf der die Population beruht, weisen die mittlerweile 4.500 europaweit verbreiteten Tiere einen hohen Inzucht-Koeffizienten auf. In der Folge sind sie für Krankheiten anfälliger. Für eine bessere Koordination und gezieltere Zucht ist es notwendig, das Erbgut der einzelnen Bestände zu untersuchen und die Abstammung in einem Zuchtbuch festzuhalten." Ziel des von der europäischen Union geförderten Projektes sei es, die Tiere auf die Wiederauswilderung gezielt vorzubereiten. Knapp 3.000 Wisente leben bereits in Semireservaten oder in freier Wildbahn - zum Beispiel in der Ukraine, Weißrussland oder Polen. Der Chemnitzer Tierpark war eine der ersten Stationen des zweiköpfigen Ärzteteams, das für die Ahnenforschung in Deutschland von der Warschauer Universität beauftragt wurde. "Die Zucht dieser europäischen Wildrindart hat im Tierpark Chemnitz eine lange Tradition", sagt Tierpark-Chefin Anja Dube. "Wisente werden hier seit fast 30 Jahren gehalten."