Konzept für ehemaliges Gefängnis

Historie Verein errichtet bis 2021 auf dem Kaßberg einen Lern- und Gedenkort

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Im ehemaligen Kaßberg-Gefängnis entsteht ein Lern- und Gedenkort.Foto: Andreas Seidel/Archiv  Foto: Andreas Seidel/Archiv

Das Betriebskonzept für den künftigen Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis steht. Das teilte der 2011 gegründete gleichnamige Verein vergangene Woche mit. Zunächst stellt der Chemnitzer Investor CEWEGO, der Wohnungen auf dem ehemaligen Gefängnisgelände realisieren wird, dem Verein den sogenannten Hafttrakt B für die Nutzung zur Verfügung. "Dieses Haftgebäude wird das wichtigste Exponat sein. Hier wird auf vier Etagen mit rund 1800 Quadratmetern Nutzfläche die Gedenkstätte eingerichtet", erklärt Peter Wellach vom Berliner Projektentwicklungs- und Ausstellungsbüro beier+wellach, welches das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Verein seit Februar erarbeitete.

Wie haben sich die Haftebedingungen entwickelt?

Der Schwerpunkt liege auf der in Deutschland und Europa einmaligen Geschichte des Freikaufs von Häftlingen aus der DDR durch die BRD zwischen 1962 und 1989. Mehr als 30.000 Häftlingen wurde durch den Freikauf der Weg in die Freiheit ermöglicht.

Ziel sei die Sichtbarmachung des Bauzustandes um 1989. Wellach: "Zudem ist vorgesehen, einige Zellen als Großexponate zu rekonstruieren, um die Entwicklung der Haftbedingungen abzubilden. In den ehemaligen Zellen wird anhand der Erzählungen von 14 Zeitzeugen die persönliche Ebene des Freikaufs präsentiert."

Das zweite Geschoss soll sich dem Nationalsozialismus widmen, wobei wiederum persönliche Geschichten in den Mittelpunkt rücken. Ein Außenrundgang soll den Besuchern zudem die Geschichte des Ortes über ein Modell und Informationsstelen vermitteln. Unterstützt wird der frei zugängliche Rundgang durch eine App, die durch Virtualisierungen den ursprünglichen Zustand des Geländes wiederaufleben lässt.

Zur Realisierung des Lernortes werden 3,1 Millionen Euro benötigt. Die Sächsische Staatsregierung stellt zwei Millionen Euro aus sogenanntem PMO-Vermögen (Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR) zur Verfügung. Die restlichen Mittel sollen bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der Stadt Chemnitz, der Stiftung Sächsische Gedenkstätten sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beantragt werden. Eine Eröffnung der Gedenkstätte ist im Sommer 2021 geplant.