"Open Space" hinter dem Marx-Kopf eröffnet

Kunstsammlungen Ein Raum zum Diskutieren für die Chemnitzer

Hier die Linken, dort die Rechten - und dazwischen viel Polizei. So sah Chemnitz in den vergangenen Monaten immer wieder mal aus. Wer sich keinem der beiden Lager anschließen wollte, fand keinen Ort, um seine Gedanken, Ideen und auch Meinungen auszudrücken. "Wir wollen einen solchen Raum gemeinsam mit vielen zivilgesellschaftlichen Vereinen, Initiativen und Institutionen der Stadt für Gespräche und Diskussionen in hoffentlich entspannter Atmosphäre anbieten", sagt Frédéric Bußmann, Direkter der Kunstsammlungen Chemnitz.

 

Workshops, Lektüren, Ausstellungen und Tischtennis

Gedacht, getan: Am Samstag, 14 Uhr eröffnete in der Brückenstraße ein "Open Space". Von außen gibt es da hinterm Marx-Kopf ein paar bunt beklebte Fenster, innen dann mehrere Bereiche: Zum einen sollen hier Seminare, Workshops oder andere Veranstaltungen stattfinden. Eine gewöhnliche Tischtennisplatte mit ungewöhnlichen Schlägern lädt buchstäblich dazu ein, Spielregeln immer wieder neu auszuhandeln, Lektüre lädt zum Lesen. Ein anderer Teil des Raumes wird wechselnde Ausstellungen bieten.

"I was born in Karl-Marx-Stadt"

Damit ging es Samstag schon los: Jörg Wähner, in Berlin lebender, aber in Karl-Marx-Stadt aufgewachsener Künstler, rief Erinnerungen an die Stadt in den 1980er Jahren wach. Wie ihn die Staatssicherheit bei einem jugendlichen Date mit seiner Freundin überwachte - das zeigte er in einer Art überdimensionalem Comic. Dokumente aus seiner Jugendzeit - vom Pionierausweis bis zur Jugendweihe-Urkunde - sollten zur Erinnerung und zum Austausch anregen. "Meine Geschichte ist nur ein Beispiel - die Besucher dürfen Leerstellen gern mit eigenen Erinnerungen auffüllen", ludt der Künstler ein. Finanziert wird der Open Space, der zunächst bist November geöffnet sein soll, ausschließlich aus Drittmitteln - beispielsweise von der Bundeszentrale für politische Bildung.