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Wie unterschiedlich wir Kriminalität wahrnehmen

Studie Forschungsteam des Zentrums für Kriminologische Forschung Sachsen e. V. stellt erste Ergebnisse vor

Die Wahrnehmung von Straftaten und Kriminalität beruht nicht allein auf Fakten, sondern setzt sich aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren zusammen. Mit solchen Erkenntnissen befasst sich das Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen e. V. (ZKFS). Das An-Institut der Technischen Universität Chemnitz hat die "Panelstudie zur Wahrnehmung von Kriminalität und Straftäter:innen" entwickelt und stellt nun erste Ergebnisse vor.

Gedankenschluss auf Ursachen und Folgen von Kriminalität

Es handelt sich um die erste repräsentative Längsschnitt-Studie, die auf die Wahrnehmung von Kriminalität sowie von Straftäterinnen und Straftätern in der Öffentlichkeit zielt. Die Untersuchung ist in vier Teilaspekte gegliedert: "Kriminalitätsfurcht und Kriminalitätsentwicklung", "Stereotype über Straftäter:innen", "Intergruppen-Kontakt mit Polizei, Justiz und Straftäter:innen" sowie "Vertrauen in Polizei, Justiz und öffentliche Verwaltung". Von den Ergebnissen versprechen sich die Forscherinnen und Forscher Rückschlüsse auf Ursachen und Folgen von Kriminalität - sowohl für die Allgemeinbevölkerung als auch für die straffällig gewordenen Personen.

Eigentlich kein Grund zur Besorgnis

"Unsere Daten zeigen, dass die tatsächliche und die subjektiv wahrgenommene Kriminalitätsentwicklung in Deutschland auseinandergehen", sagt Deliah Bolesta. Das hieße eigentlich, dass die objektiv sinkende Zahl von Straftaten keinen Grund zur Besorgnis geben sollte. Allerdings sieht die Realität in der Gesellschaft laut der Daten des Teams anders aus. Die Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass das vor allem an bestimmten Faktoren der subjektiven Wahrnehmung liege.

Hohes Vertrauen in Polizei und Justiz

Ein wesentlicher Faktor für die Kriminalitätswahrnehmung sei die sogenannte "Verschwörungsmentalität" - und damit verbunden die Überzeugung, dass es einen Zusammenbruch gesellschaftlicher Werte und Normen geben werde. Das Team um Deliah Bolesta stellte aber auch fest: "Es stimmt positiv, dass man mit steigendem Vertrauen in die Justiz und mit positiven Kontakten zu Kriminellen auch eine leicht schwächere Kriminalitätsfurcht feststellen kann." Das direkte Gespräch mit Kriminellen und funktionierenden rechtsstaatlichen Institutionen erhöht damit das Vertrauen in selbige und mindern die Furcht vor Verbrechen.

Kriminalität nimmt zu? Diese Wahrnehmung täuscht!

"Die Ergebnisse der ersten Untersuchung zeigen, dass kein Zusammenhang zwischen tatsächlicher und der subjektiven Wahrnehmung der Kriminalitätsentwicklung besteht", sagt Bolesta. Das heißt, dass die Kriminalitätsrate als zunehmend wahrgenommen wird, obwohl sie in Wirklichkeit seit Jahren stetig abnimmt. Diese Wahrnehmung hing wiederum zusammen mit der allgemeinen Sorge davor, selbst Opfer von Kriminalität zu werden. Diese Sorge beziehungsweise Furcht korrelierte beispielsweise ebenfalls positiv mit einer Verschwörungsmentalität oder einem individuell gesteigerten Schutz- und Vermeidungsverhalten. Das bedeutet, dass Menschen, die dazu neigen Verschwörungserzählungen zu glauben, eine größere Furcht haben, Opfer von Verbrechen zu werden.

Positive Kontakte erhöhen Vertrauen

Darüber hinaus untersuchten die Forscherinnen und Forscher die Kontakterfahrungen der Befragten mit Polizei, Justiz und Straftäterinnen sowie Straftätern. Diejenigen, die Kontakt zu Polizei und Justiz oder zu Straftäterinnen und Straftätern angaben, beschrieben diesen Kontakt als überwiegend positiv. Positiver Kontakt zu Polizei und Justiz ging auch mit einer positiven Einstellung und höherem Vertrauen gegenüber diesen Institutionen einher. Gleichzeitig zeigte sich aber ein leicht negativer Zusammenhang zur Einstellung gegenüber Straftäterinnen und Straftätern.

Stereotyp des "straffälligen Ausländers"

Weiterhin zeigte sich, dass der Begriff "Straftäter" bestimmte Stereotype bei den Befragten hervorrief, die aber nicht mit den tatsächlichen soziodemographischen Eigenschaften von Straftäterinnen und -tätern übereinstimmen. "Wir konnten drei verschiedene Stereotypen-Cluster feststellen", sagt Projektleiterin Bolesta. Das Stereotyp, das die meisten Befragten angaben, war das des "straffälligen Ausländers" mit Eigentums- und Gewaltdelikten. Dieses Stereotyp bildet aber nicht die tatsächliche Mehrheit der Täterinnen und Täter ab.

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