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"Wir wünschen uns, dass die ganze Konzertfamilie am Leben bleibt."

Clubszene So ergeht es dem Club in der Pandemie

Schnelle Beats, leckere Cocktails und mit Freunden bis weit nach Mitternacht feiern - das klingt nach einem guten Abend im Club. Allerdings musste besonders die Party- und Eventszene während der Corona-Pandemie große Einbrüche erfahren. Seit mehr als einem Jahr sind Diskotheken und Clubs nun pandemie-bedingt bereits geschlossen, Open-Air-Partys und Festivals mit mehreren tausenden Menschen sind derzeit undenkbar. Obwohl mittlerweile in einigen Bereichen der Normalzustand langsam wieder angesteuert wird, bleibt die Rückkehr der Eventszene unklar. 
Deswegen haben unsere BLICK-Reporterinnen mit mehreren Clubs und Diskotheken aus Chemnitz über die Probleme der Szene in der derzeitigen Situation, mögliche Zukunftspläne und Tipps fürs "Abdancen" Zuhause gesprochen. Heute im Interview: Markus vom AJZ.

Seit wann habt ihr genau geschlossen und wie geht es euch seitdem?

Unser letztes Konzert im großen Saal war am 3. März 2020 "After the Burial". Wir hatten aber im September noch unseren 30. Geburtstag, an dem wir uns immerhin intern ein bisschen feiern konnten. Das tat erst mal gut sich wieder zu sehen, war aber natürlich auch schade nicht mit unseren Gästen, die sonst auf Konzerte kommen, zusammen feiern zu können. Wie geht es uns seitdem? Gute Frage, wir haben uns mit anderen Clubs aus Chemnitz und Sachsen in diversen Netzwerken (Hand in Hand, LISA) zusammengeschlossen und versuchen auf die Lage der Kulturbranche aufmerksam zu machen und Lösungsansätze mit den Akteur*innen in Politik und Verwaltung zu finden. "Prinzip Hoffnung" hilft ja auch keinem weiter.

Bekommt ihr Unterstützung und wenn ja, wie sieht sie aus? 

Wir sind auf Grund unseres etwas speziellem Konstrukts aus den Coronahilfen I & II gefallen, sind aber wenigstens bei der Überbrückungshilfe III anspruchsberechtigt. Ansonsten haben viele die Solitickets von "Hand in Hand" gekauft, dadurch entstand ein kleiner Topf für die Chemnitzer Clubszene auf den man bei Engpässen zugreifen kann und zum Beispiel vom "Nikola-Tesla" genutzt wurde. Und dann gab es noch eine Aktion von ZSK die Solishirts für von deren Fans ausgewählte Clubs gedruckt haben. Fühlt sich für uns immer unheimlich schön an solche Solidarität zu erfahren und zu wissen, dass die Leute uns wertschätzen und vermissen. Riesengroßes Dankeschön an Alle die dazu was beigetragen haben oder weil Sie das lesen auf die Idee kommen ein Soliticket zu kaufen oder uns eine Spende zukommen zu lassen.

Was sind eure Pläne nach der Pandemie?

Wir werden nach der Pandemie auf jeden Fall wieder öffnen und wollen das natürlich lieber heute als morgen machen. Im Moment heißt es aber noch auf konkrete Vorgaben aus der Politik zu warten. Die Preise zu erhöhen haben wir nicht vor, genauso wenig wie umziehen. Kommt für uns nicht in Frage.

Was vermisst ihr am meisten?

Alles was zu Konzerten dazu gehört. Die Vorfreude auf nen schönen Abend, zufriedene Besucher*innen, Künstler*innen aus allen Ecken der Welt bei uns zu haben. Wenn die ganze Hütte am Ende des Abends nach Schweiß und Bier riecht und man n bisschen kaputt und happy den Laden zuschließt um dann in einem anderen schönen Laden noch ne kleine After Hour zu starten. Im Balboa zum Beispiel haha, das vermissen wir wirklich!

Was sind eure Wünsche für die Zukunft und wie kann man euch unterstützen?

Wir wünschen uns, dass die ganze Konzertfamilie am Leben bleibt. Am Ende hängt ja mehr dran als man auf den ersten Blick sieht. Die ganzen Leute die sich auf Touren durch Europa ihren Arsch abfahren, Bühnen bauen, Technik machen, den ganzen Quatsch im Vorfeld organisieren, die Securities, das sind ja alles Menschen die vielen nicht als erstes in den Sinn kommen. Für uns sind das aber die Leute ohne die der Spaß überhaupt nicht möglich wäre. Und natürlich wünschen wir uns, dass uns die Leute die Bude einrennen und die Bar leer trinken wenn wir wieder öffnen dürfen. Wer uns unterstützen mag kann uns gerne eine Spende zukommen lassen (Spendenkonto findet Ihr auf www.ajz-chemnitz.de unter Impressum) oder ein HiH Soliticket kaufen oder eben einfach, wenn es wieder los geht vorbeikommen und einen schönen Abend mit uns haben. Merci.

Habt ihr vielleicht alternative Eventkonzepte? 

Wir hoffen, dass wir im Sommer ein paar kleine Open Air-Shows bei uns im Garten machen können. Im Moment ist das aber alles noch Kaffeesatzleserei. Die Konzepte dafür sind aber grundsätzlich bei uns vorhanden. Was fehlt sind nach wie vor konkrete Vorgaben zu den Voraussetzungen von den
Behörden. Online/Streaming ist für uns keine echte Option. Die Interaktion zwischen Künstler*innen und Publikum ist unserer Meinung nach eine entscheidende Komponente für das Konzerterlebnis. Und das Konzept hat sich im vergangenen Jahr ja auch nicht durchsetzen können.

Was sind eure drei Songempfehlungen zum Abdancen zu Hause?

Da wir echt ne Menge Leute sind ist folgende Auswahl sehr sehr subjetiv.
Angel Du$t -`never ending game'
1313 - `1313'
Petrol Girls - `big mouth'

Vielen Dank für das Interview!

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