Auschwitz-Überlebende berichtet vor Schülern in Frankenberg

Geschichte Befreiung war ihre "zweite Geburt"

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Esther Bejarano mit ihrem Sohn Joram (l.) und dem Rapper Kutlu Yurtseven beim Konzert. Foto: Ulli Schubert

Frankenberg. Esther Bejarano war nur wenig älter als die Zehntklässler, denen sie gegenübersitzt, als sie im April 1943 ins Konzentrationslager deportiert wurde.

Befreiung war ihre "zweite Geburt"

Bejarano ist eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters im KZ Auschwitz. Sie spielte die "Begleitmusik zum Massenmord", schrieb sie in ihren Erinnerungen, aus denen die heute 93-Jährige am Dienstag vor mehr als 150 Schülern des Luther-Gymnasiums und der Viehweg-Oberschule Frankenberg las.

Sie erzählt dabei von jenem Tag, als sie mit einigen Freundinnen nach dem Todesmarsch aus dem KZ Ravensbrück, wohin sie aus Auschwitz verlegt worden war, zunächst auf amerikanische Soldaten und dann auf Soldaten der Roten Armee traf. "Das war nicht nur eine Befreiung, das war meine zweite Geburt", resümierte Esther Bejarano.

Mit Sohn und Rapper

Ohne Pause teilte sie sich dann die kleine Bühne mit ihrem Sohn Joram sowie Kutlu Yurtseven. Dieser wurde 1973 in Köln geboren. Vor fast 30 Jahren gründete er die Rap Band "Microphone Mafia" und seit 2013 ist er Ganztagskoordinator an drei städtischen Schulen in Hilden. 2007 gründeten die drei ihr gemeinsames Projekt und stehen seither 80 bis 90 Mal im Jahr vor einem Publikum.

"So ein Konzert wie hier hatten wir noch nie", so Esther Bejarano. Damit spielte sie auf das eine oder andere technische Problem an. Mehr als einmal hatte die 93-jährige Dame die Lacher auf ihrer Seite, etwa als sie ihren Mitakteuren nach einer plötzlichen Programmänderung zuraunte: "Ihr seid doch nicht ganz dicht."

Eine ganz besondere historische Berichterstattung

Sally Pauline Bauer aus der Klasse 10a fand den Auftritt bemerkenswert. "Vor allem, wie sympathisch, gut gelaunt und glücklich Esther Bejarano rüberkam." Mit ihren Mitschülern war sie sich einig, dass sie durch die Veranstaltung ganz neue Eindrücke gewann. Was in Lehrbüchern steht und von Lehrern gelehrt wird, sei die eine, einen Zeitzeugen zu hören eine ganz andere, sehr nahe gehende Sache.

Organisiert hatte die Veranstaltung das Bündnis für Toleranz und Demokratie. "Darüber sind wir sehr froh und es passt auch in den Lehrplan, da die Zehntklässler das Thema im Geschichtsunterricht behandeln", so Ingo Pezold. Der Leiter des Gymnasiums bat die Gäste, sich in das Ehrenbuch der Schule einzutragen.