Der Mann, der Gahlenz bunter macht

Wertschätzung Walfried Schulze durfte sich ins Goldene Buch der Stadt Oederan eintragen

Ein Pyramidenfest ohne Pyramide ist schlichtweg nicht vorstellbar. Und so können die Gahlenzer am 1. Advent nur deshalb feiern, weil im März 1985 einige Männer beschlossen hatten, eine solche zu bauen. Manfred Dittel und Gerhard Klemm erstellten den Bauplan. In der Tischlerwerkstatt der damaligen LPG wurde von den Mitgliedern der bereits 1953 gegründeten Schnitzgruppe das Gestell gebaut, während am "Platz der Liebe" Manfred Dittel, Wolfgang Berger und Horst Kynast den Steinsockel mauerten. Walfried Schulze drechselte in der heutigen Firma Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz all die schönen Figuren, die von den Schnitzern grundiert wurden, während die feine Dekorbemalung Ingrid Hausmann übernahm.

All das beschreibt Karin Ullrich in ihrer Chronik, die es im Dorfmuseum und der Stadtinformation Oederan zu kaufen gibt. Am 1. Advent 1985 wurde die Weihnachtspyramide eingeweiht und seither wird das Pyramidenfest am ersten Adventssonntag gefeiert. Die Schnitzer werden dabei von vielen Helfern unterstützt, aber die Pflege und die Reparaturarbeiten bleiben doch an ihnen hängen.

Und weil eine Weihnachtspyramide natürlich nicht das ganze Jahr stehen bleiben kann, entwickelten sie die Hasenpyramide für die Osterzeit. Sie wurde 1991 eingeweiht. Schon ein Jahr darauf kam das Wetterhaus hinzu. Und seit 2005 ist im Winter eine lustige Schneeballschlacht im Pyramidenhäuschen im Gange.

Die "Schuld" daran trägt Walfried Schulze. Im Krankenhaus kam ihm die Idee für dieses vierte Kleinod der Gahlenzer Schnitzergruppe. Diese wurde bereits 1963 gegründet. Schulze war eines der Gründungsmitglieder.

"Mit seinen mittlerweile 75 Jahren tut er weitaus mehr als nur seine Pflicht. Und das passiert ohne großes Tam Tam, am besten still und heimlich. Er ist sehr bescheiden, er mag die großen Bühne nicht." Mit diesen Worten stellte Torsten Lange, Vorsitzender des Gahlenzer Heimatvereins, Walfried Schulze vor, der kürzlich für sein Engagement mit dem Bürgerpreis und der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Oederan geehrt wurde. Die Gahlenzer wissen natürlich längst, was sie an dem Leiter der Schnitzgruppe haben, der zudem seit 992 auch die Kinderschnitzgruppe betreut. Die Wegweiser in Gahlenz gehen auf seine Initiative zurück. Sie machen mehr Arbeit, als man gemeinhin annehmen würde, sind sie doch gar nicht so selten Ziel blinder Zerstörungswut. "Aber auch bei Ausstellungsarbeiten und kleinen Reparaturen im Dorfmuseum ist er stets zur Stelle. Aktiv mitgearbeitet hat er ebenso beim Bau des Backhauses", berichtet die stellvertretende Vereinsvorsitzende, Sabine Eichhorn. Walfried Schulze und die Männer und eine Dame seiner Truppe sind natürlich auch bei den zahlreichen Veranstaltungen im Museum aktiv. Sabine Eichhorn: "Ohne seine Arbeit sähe es in Gahlenz weniger bunt aus."