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Freiberger Händlerprotest: Bewegende Appelle an die Politik

Protest Mehr als 150 Teilnehmer auf dem Obermarkt

Freiberg. 

Freiberg. Es sei Fünf nach Zwölf, sagte Jürgen Hanisch vom Freiberger Porzellan, auf der Kundgebung Freiberger Gewerbetreibende am Montagvormittag auf dem Obermarkt der Silberstadt. Wie sehr das den Betroffenen des Lockdowns klar war, zeigte schon die Tatsache, dass mehr als 150 Teilnehmer zusammengekommen waren, um endlich Perspektiven und Hilfen von der Politik einzufordern, noch dazu vor allem die finanzielle Unterstützung oft nur vollmundig versprochen wurde, doch allzu selten bei den Händlern und Gastronomen angekommen sei. Organisiert hatte die Veranstaltung Anke Krause, Vorsitzende des Gewerbevereins und selbst Inhaberin eines traditionsreichen Schreibwarengeschäftes, welches nun immer mehr vor dem Abgrund steht.

"Mir wurde seit Beginn der Coronakrise im letzten Jahr eine Schließung, Berufs- und Wirtschaftsverbot, von nunmehr fünf Monaten vorgeschrieben", sagte sie. "Als Ausgleich für fast ein halbes Jahr ohne Einnahmen, wurde ich bisher mit 9.000 Euro im letzten Jahr abgespeist und einem Darlehensangebot, welches ich zurückzahlen muss." Wovon, so fragte sie, solle sie Fixkosten, Altersvorsorge, Versicherungen, Miete und vieles mehr noch bezahlen? "Ist unsere Arbeit nichts wert, sind wir dieser Gesellschaft nichts wert?", fragte sie. Es stünden Lebenswerte von Generationen auf dem Spiel, verdeutlichte Hotelier Alexander Kreller die Situation. Er verwies zudem auf die Situation seiner Auszubildenden, denen für die anstehenden Prüfungen nun mittlerweile ein halbes Jahr Ausbildung fehle. "Eine Perspektive muss her", so Kreller. "sonst gibt es bald keine Hotellerie und Gastronomie mehr."

Die Schließung der Gaststätten und Hotels im November habe nichts gebracht, die Infektionszahlen seien danach erst richtig gestiegen. Seine Branche sei nicht der Schuldige. Thomas Erler, Betreiber des Kinopolis Freiberg fand besonders bewegende Worte und verwies darauf, dass es nicht mehr weit sei, bis die Kinos im Land aufhören würden zu existieren. Friseurin Juliane Pelz gab zwar zu, dass ihr Gewerbe ab Montag wieder öffnen dürfe, doch sei ein großer Schaden angerichtet. Jürgen Hanisch forderte konkrete Beschlüsse von der Politik, die einen sofortigen Neustart des Geschäftslebens ermöglichen. Alle Redner dankten der Stadt Freiberg und auch dem Landkreis Mittelsachsen, die sich für die Belange der Händler einsetzten, wo es möglich sei. Oberbürgermeister Sven Krüger ergriff ebenfalls das Wort. Die Infektionszahlen seien erst nach dem Lockdown gestiegen, betonte er und stellte somit Fragen an die Landes- und Bundesregierung. Man lege die Hände nicht in den Schoß. "Wir bereiten alle Veranstaltungen wie Frühlingsfest, Bergstadtfest und natürlich auch den Christmarkt vor", so Krüger. Auch er forderte Perspektiven. "Wir können nicht immer nur auf die nächsten drei Wochen schauen", sagt er. "Bei solch schönem Wetter will man in den Biergarten und nicht auf die heimische Couch."

Proteste gehen weiter

Am kommenden Freitag, dem 26. Februar, wird zu einer noch größeren Kundgebung aufgerufen, zu der sich ab 17 Uhr wieder auf dem Obermarkt versammelt wird. Neben den Händlern werden auch die Kulturtreibenden und Tourismusbetriebe vor Ort erwartet. Auf eine weitere Aktion machte Thomas Erler vom Kinopolis aufmerksam. "Am Sonntag, dem 28. Februar, werden landesweit unter dem Motto 'Kino leuchtet' in allen Kinos die Lichter angehen, und zwar von 19 bis 20 Uhr", sagte er und lud dazu ein, zum Kinopolis zu kommen. "Wir machen zu diesem Zeitpunkt einen To-Go-Verkauf." Er freue sich auf jeden, der dabei sei.

Mehr zum Thema: Mitte Februar haben bereits die Mittweidaer Händler protestiert. 

 



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