Kommt jetzt die Maskenpflicht auf Konzerten?

Im Supermarkt werden sich die meisten bereits daran gewöhnt haben - aber ein Maskenzwang auf Konzerten? Für "Rock am Ring"-Erfinder Marek Lieberberg ist diese Option ein wichtiger Baustein, um wieder Konzerte in Stadien und Hallen zu ermöglichen.

Volle Hallen, laute Musik, glückliche Konzertbesucher - all das scheint angesichts der Corona-Krise für lange Zeit undenkbar. Bis mindestens 31. August werden Konzerthallen ihre Pforten auch nicht öffnen dürfen. Aber ebenso wie andere Branchen tüfteln auch Veranstalter von Musik-Events an möglichen Maßnahmen, um ein Stück Normalität zuzulassen und wieder Geld einzunehmen. Die Herausforderung: den Musikfans endlich wieder Konzerte zu ermöglichen, ohne Sie fahrlässig der Gefahr einer Infektion auszusetzen. In der Sendung "Frühstart" auf RTL und ntv äußerte sich das Konzertveranstalter-Urgestein Marek Lieberberg am Mittwoch zur aktuellen Situation - und zeigte sich sicher: "Wenn uns das mit Maskenzwang gelingt, dann sind wir ein gutes Stück voran, dass wir in die Situation für einen Neustart kommen können."

Kommt der Live-Musikgenuss mit Maskenpflicht? Laut Marek Lieberberg, Geschäftsführer des Veranstalters Live Nation, sei es das Ziel, die Verbreitung von Viren in den Konzertsälen und Stadien der Republik zu reduzieren. Eine mögliche Maskenpflicht wäre aber nur eine von vielen Säulen eines umfassenden Maßnahmenpakets, welches einen sorgenfreien Konzertbesuch ermöglichen soll: "Wir denken über Hygienemaßnahmen nach, wir denken über Desinfektion nach, wir denken über Entzerrung des Einlasses und Auslasses nach." Temperaturmessungen oder gar Corona-Tests seien aufgrund des Organisations-Aufwands jedoch keine Option.

"Das hinterlässt sehr ambivalente Gefühle"

"Rock am Ring"-Erfinder Lieberberg machte deutlich, dass baldmöglichst etwas passieren muss, die Branche leide schwer unter der Situation. Falls es nicht möglich sei, ins Jahr 2021 verschobene Konzerte mit der ursprünglich geplanten Anzahl an Konzertbesuchern durchzuführen, sei womöglich der Einstieg des Staates die letzte Option. "Nur wenn wir das können, können wir weitermachen. Wenn dann noch eine Einschränkung erfolgt, dann wüsste ich nicht, wie der Weg weiterführen sollte. Das heißt, wir müssten wahrscheinlich auch vom Staat übernommen werden wie die Theater- und Opernhäuser." Die Branche sei zu Testläufen mit deutlich geringeren, sich aber bis Jahresende steigernden Zuschauerzahlen bereit.

Der Wirtschaftszweig benötige dringend einen Zeitplan zur Wiedereröffnung der Venues. Aufgrund der Produktionskosten sei es zudem nicht wirtschaftlich, zu eigentlich für 12.000 Personen zugelassenen Konzerten nur 2.000 zuzulassen. Und Selektion sei auch nicht fair: "Soll ich die Karten verlosen?", fragte Lieberberg. Zudem kritisierte er gegenüber RTL die vermeintliche Ungleichbehandlung der Branche durch die Politik, die beispielsweise Großdemonstrationen ermögliche. "Zumindest hinterlässt das sehr ambivalente Gefühle, auf der einen Seite zum Stillstand verurteilt zu sein und auf der anderen Seite zu sehen, wie im täglichen Leben derartige Beschränkungen einfach aufgehoben werden durch die Macht des Faktischen."