Medizinisch-technische Radiologieassistenz: Ein Beruf mit Zukunft und Perspektive

Berufe-Special Norman Barthel und Nancy Hammer geben Einblicke in das Berufsfeld

Blick war im Klinikum Chemnitz in der Klinik für Nuklearmedizin zu Besuch und hat den Leitenden MTRA Norman Barthel und seine Stellvertreterin Nancy Hammer zu ihrem Beruf Medizinisch-technische Radiologieassistenz (MTRA) interviewt:

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen und was beinhaltet dieser hauptsächlich?

Nancy Hammer: Ich bekam selbst mal als Patientin ein MRT vom Kniegelenk. Dabei habe ich gesehen, wie so eine Untersuchung abläuft, und mich gefragt, wer diese Tätigkeiten ausführen darf. Dann habe ich mich belesen und erfahren, dass man eine Ausbildung zur Röntgenassistentin machen kann. Über die Berufsauskunft habe ich erfahren, dass man mit diesem Abschluss in verschiedenen Bereichen arbeiten kann. So ist das bei uns im Klinikum auch: Man kann in der Nuklearmedizin, in der Strahlentherapie oder in der Radiologischen Diagnostik und Intervention arbeiten. Medizinisch-technische Radiologieassistenz ist die Verbindung von Medizin und Technik, um mit Hilfe von Strahlung verschiedenste Organuntersuchungen und Therapien durchzuführen. Dabei steht der Kontakt zum Patienten im Mittelpunkt.

Norman Barthel: Ich bin über die Berufsberatung auf den Beruf aufmerksam geworden, denn ich wollte schon immer gerne etwas in Richtung Medizin machen und mit Patienten arbeiten. Mit dem Beruf des MTRA hat man nach der Ausbildung mehrere Möglichkeiten und Bereiche, in denen man arbeiten kann. Während der dreijährigen Ausbildung merkt man dann, welcher Bereich einem am besten gefällt.

Speziell bei uns in der Klinik für Nuklearmedizin werden mit Hilfe von "radioaktiver Strahlung" Patienten untersucht. Sie bekommen ein schwach radioaktives Präparat gespritzt, welches sich im zu untersuchenden Organ verteilt. Nach einer gewissen Anreicherungszeit machen wir Aufnahmen mit Großgeräten, sogenannten Gammakameras. Diese Untersuchungen heißen im Fachjargon Szintigrafie, und die bekannteste ist die der Schilddrüse.

Wie lange üben Sie diesen Beruf schon aus?

Nancy Hammer: Ich war als Schülerin hier am Haus und habe mein Praktikum gemacht, genau wie mein Kollege Norman Barthel. Unsere praktische Ausbildung, speziell die in der Nuklearmedizin, haben wir im Klinikum genossen, die schulische Ausbildung fand in Zwickau statt. Anschließend habe ich mich hier beworben und wurde auch übernommen. Seit November 2006 bin ich in der Nuklearmedizin des Klinikums tätig und habe es bis heute nicht bereut.

Norman Barthel: Ich bin seit September 2009 in der Klinik für Nuklearmedizin als MTRA angestellt.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrem Beruf, was vielleicht weniger?

Nancy Hammer: Mir gefällt am besten, dass nicht jeder Tag gleich abläuft. Jede Situation und jeder Patient ist anders, weshalb man selbst immer wieder gefordert wird. Man steht täglich im Kontakt mit Patienten. Wer gerne mit Menschen arbeitet, ist in diesem Beruf gut aufgehoben. Natürlich wird man auch mit Schwerkranken konfrontiert, erlebt das eine oder andere Schicksal. Aber das geht, denke ich, jedem so, der sich für einen Beruf in der Medizin entscheidet.

Norman Barthel: Die Abwechslung finde ich sehr schön. Man hat selbst innerhalb einer Abteilung verschiedene Bereiche, in denen man tätig sein kann. Wir übernehmen nicht nur die korrekte Lagerung des Patienten für die Untersuchung, sondern bereiten auch selbst die Radiopharmaka (Spritzen) vor und bedienen die Geräte zur Bildgebung, die Gammakameras. Außerdem ist es schön, dass man in diesem Beruf etwas für die Gesundheit der Menschen bewirken kann.

Gab es ein tolles Erlebnis, was im Gedächtnis geblieben ist?

Nancy Hammer und Norman Barthel: Das Schönste ist, wenn bei Patienten, die mehrfach zu uns kommen müssen, die Therapie gut anschlägt. Da freut man sich natürlich. Das ist etwas sehr Positives, was einen zusätzlich motiviert.

Warum sollte ein Schüler eine Ausbildung in diesem Beruf machen?

Nancy Hammer: Eben weil dieser Beruf ein ganz breites Spektrum bietet. Man macht die Ausbildung und kann sich dann entscheiden, in welchem der drei radioaktiven Fachgebiete (Nuklearmedizin, Strahlentherapie, radiologische Diagnostik und Intervention) man arbeiten möchte. Es findet sich definitiv ein Bereich, in dem man sich weiterentwickeln kann. Man ist ständig unter Menschen und kein Tag gleicht in seinem Ablauf dem vorherigen.

Und: MTRA werden gebraucht, auch hier im Klinikum. Die Medizintechnik in der Diagnostik und Therapie entwickelt sich ständig weiter und man selbst ist gefordert, da Schritt zu halten. Zudem ist ein medizinischer Beruf krisenfest, was wir ja gerade deutlich vor Augen geführt bekommen. Kurz gesagt, MTRA ist und bleibt ein Beruf mit Zukunft. Ab September wird diese Ausbildungsrichtung auch an der Medizinischen Berufsfachschule des Klinikums Chemnitz angeboten.

Norman Barthel: Medizinisch-technische Radiologieassistenten werden in nächster Zeit wirklich gebraucht. Diese Berufsgruppe ist sehr wichtig. Und wenn ich mich nach ein paar Jahren entschließe, dass ich etwas anderes ausprobieren möchte und beispielsweise von der Nuklearmedizin in die Radiologie oder die Strahlentherapie wechseln möchte, muss ich dafür als Mitarbeiter des Klinikums nicht mal das Haus verlassen, da hier eben alle drei Fachgebiete vorhanden sind. Wir sind eben einer der drei Maximalversorger in Sachsen. Man hat aber auch innerhalb der Abteilung die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Ich wurde zum Beispiel nach mehreren Jahren in der Abteilung zum Leitenden MTRA und dadurch mit verschiedenen, für mich neuen Leitungsaufgaben betraut, wie der Dienstplangestaltung oder dem Urlaubsplan. Der Beruf MTRA ist ein großes Feld, das man in den drei Jahren Ausbildung gar nicht komplett überblicken kann. Den wirklichen Einblick bekommt man, wie überall, erst danach in der täglichen Praxis, wenn man in einem der drei Fachgebiete arbeitet.

Vielen Dank für das Interview.

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