"Reicht bis Ende Dezember": Tölzer Knabenchor kämpft ums Überleben

Eigentlich herrscht zur Vorweihnachtszeit Hochbetrieb: 170 Kinder singen im weltberühmten Tölzer Knabenchor. Doch die GmbH ist von den Corona-Maßnahmen finanziell besonders hart betroffen, wie ein Gesangslehrer in einem aktuellen Deutschlandfunk-Beitrag erklärt.

Von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist auch ein echtes bayerisches Aushängeschild betroffen: Der Tölzer Knabenchor ist international bekannt, leidet allerdings stark unter den Einschränkungen, wie ein Beitrag von Vivien Leue und Michael Watzke im Deutschlandfunk aufzeigt. Mehr noch: Der Chor kämpft ums Überleben. Mit der Advents- und Weihnachtszeit bricht normalerweise in Kürze die Hauptsaison des Knabenchors an, doch anstatt wie üblich rund 40 Konzerte zu geben, sind dieses Jahr nur noch 20 geplant - und es fallen möglicherweise weitere Auftritte aus.

Warum es ausgerechnet den Knabenchor so hart trifft, dass der Großteil der Konzerte dieses Jahres nicht stattfinden durften? Es handelt sich um eine GmbH, die zwar vom Freistaat Bayern sowie der Stadt Bad Tölz bezuschusst wird, aber alleine davon nicht leben kann. "Das ergibt nur 14 Prozent von dem Budget, das wir jährlich brauchen, circa 1,4 Millionen, damit wir überhaupt den Laden am Laufen halten können", erklärt Gesangslehrer Clemens Haudum im Deutschlandfunk-Beitrag, der in der DLF-Audiothek abrufbar ist. Fast die Hälfte des Budgets stamme aus den nun ausfallenden Konzert-Honoraren. "Also jetzt reicht es noch bis Ende Dezember, würde ich mal sagen - ungefähr", schätzt Haudum die Situation als existenzbedrohend ein.

Bereits im Frühjahr bezog der Tölzer Knabenchor die Corona-Soforthilfe des Freistaats Bayern, nun braucht er erneut dringend finanzielle Unterstützung. Ende Oktober kündigte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) bereits an, dass es ein neues Hilfsprogramm für soloselbstständige Künstler - ähnlich dem des Bundes - für den Lockdown-November geben soll. "75 Prozent der Einnahmen des letzten Novembers. Da wäre uns schon sehr sehr geholfen", stellte Haudum einerseits klar, machte im Deutschlandfunk andererseits ebenfalls deutlich, dass er es bevorzugen würde, die Jahreseinnahmen durch den Monat zu teilen. Schließlich stünden etwa 40 Konzerte im Dezember lediglich zwei im Januar gegenüber.

Spendenaufruf für 170 Gesangstalente

Und wie läuft das Singen? Den erforderlichen Abstand einzuhalten und ein Ausweichen auf die Chorräume sei kein Problem - im Frühjahr durfte schließlich überhaupt nicht geprobt werden. "Mit den Chorproben ist es ein bisschen schwieriger: da ist natürlich die Raumgröße und der Abstand entscheidend", so Gesangslehrer Clemens Haudum. Die größte Gruppe des Chors umfasse knapp 30 Jungs. Insgesamt singen 170 Kinder im Knabenchor.

Auf seiner Homepage ruft der Tölzer Knabenchor Privatpersonen zu Spenden auf. Unter https://www.toelzerknabenchor.de/index.php?lang=de kann man die jungen Gesangstalente dieser bayerischen Kulturinstitution unterstützen.