Sachsens Verfassungsschutz sieht Linksextremismus beim "#wirsindmehr"-Konzert

Das #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz taucht im Jahresendbericht des sächsischen Verfassungsschutzes unter der Rubrik Linksextremismus auf - Grund dafür ist unter anderem der Auftritt einer bekannten Punkband.

Eine Welle der Kritik schwappt derzeit dem sächsichen Verfassungsschutz entgegen, wie diverse Medien am Donnerstag berichten. Grund dafür ist eine Passage im Jahresendbericht, in der das letztjährige "#wirsindmehr"-Konzert in den Bereich des Linksextremismus eingeordnet wird. Die sächsische Linke zeigte sich empört über diese Auflistung und warf dem Verfassungsschutz vor, Antifaschismus zu diffamieren. Auch in den sozialen Netzwerken mehrte sich die Kritik, weswegen sich das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) nun zu einer Reaktion genötigt sah.

Seitens des LfV hieß es laut unter anderem "welt.de", dass der betreffende Bericht falsch verstanden worden sei: So werde nicht das Konzert an sich als linksextremistisch eingestuft, stattdessen sei es "in einzelnen Fällen für extremistische Agitation benutzt" worden. Der Verfassungsschutz des Freistaats wies demnach jedwede Kritik von sich und betonte, dass man schließlich den Auftrag habe, "über das Bestreben von Extremisten zu berichten, in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen und dort für Akzeptanz und Toleranz der eigenen menschenfeindlichen Ideologie zu werben".

Nach dem gewaltsamen Tod eines Deutsch-Kubaners, der möglicherweise durch Migranten herbeigeführt wurde, kam es Ende August 2018 zu heftigen, ausländerfeindlichen Krawallen in Chemnitz. Das "#wirsindmehr"-Konzert wurde daraufhin am 3. September 2018 als Musik-Veranstaltung gegen Rechts ins Leben gerufen. Dort traten unter anderem Gruppen wie Feine Sahne Fischfilet an. Das LfV erklärte nun, dass es im Zusammenhang mit dem Auftritt der linken Punkband unter anderem zu "Alerta, alerta Antifascista!"-Ausrufen im Publikum kam, zu denen die Musiker die Zuschauer animiert hätten.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) reagierte auf den Diskurs, der durch den Jahresbericht entstanden war, und betonte, dass das Konzert das "richtige Signal in einer schwierigen Zeit" gewesen sei - ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. Weder die Veranstaltung an sich, noch das Publikum seien pauschal als linksextremistisch einzustufen.