TV-Koch wettert gegen die Deutschen: "Teuerste Küchen - und dazu ein Billigkotelett von Tönnies"

Der Coronavirus-Ausbruch im Schlachtereibetrieb "Tönnies" zeigt erneut, welche Auswirkungen Billigfleisch hat. Auch TV-Koch Rainer Sass rät eindringlich dazu, bei Fleisch mehr auf Qualität als auf Quantität zu achten.

Billigfleisch erhitzt bereits seit Jahren die Gemüter - nun wurde die Debatte erneut angefacht: Der Corona-Ausbruch in dem Schlachtereibetrieb "Tönnies", bei dem sich nach aktuellem Stand über 1.500 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert haben, verdeutlichte, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter bei dem Unternehmen beschäftigt sind und welche verheerenden Auswirkungen die billigen Preise haben. Auch TV-Koch Rainer Sass, der seit 35 Jahren im NDR seine Gerichte und Rezepte präsentiert, kritisiert billige Preise bei Gerichten. "Der Deutsche gibt kein Geld für Essen und Trinken aus", erklärte er im Interview mit der Agentur teleschau. "Wir sind die Billigfresser der Welt."

An den Finanzen kann es allerdings nicht liegen - laut Rainer Sass geben die Deutschen genug Geld aus. "Dafür kaufen wir die teuersten Küchen und Geräte, das teuerste Geschirr und die teuerste Ausstattung, alles hochglanzpoliert für 35.000 Euro für zwei Personen - und dazu ein Billigkotelett." Das Gleiche lasse sich beim Grillen beobachten. "Wir sind Grillweltmeister nach Amerika. Ein Weber-Grill oder ein Monolith-Grill kosten viel Geld, und dann wird ein Billigkotelett von Tönnies für 1,99 Euro darauf gebraten."

Der 66-Jährige rät dazu, bei Fleisch mehr auf Qualität als auf Quantität zu achten. "Das Problem ist, dass der Deutsche lieber häufig in Billigfleisch investiert anstatt zu einem Schlachter zu gehen und dort nach einem guten Stück Fleisch zu fragen. Ein Stück die Woche und nicht vier. Das ist für mich unbegreiflich."

Dichter und Denker? "Eigentlich sind wir nur Urlaubsfahrer und Autokäufer"

Ein möglicher Grund dafür könnte der immer noch herrschende "Nachkriegs-Appetit" sein. "Wir denken, wir müssen satt sein bis obenhin und platzen. Aber das ist Gott sei Dank in den letzten Jahren besser geworden. Vegan und vegetarisch setzen sich immer mehr durch, das gehört inzwischen zur deutschen Küche." Allerdings dauere es, bis sich neue Entwicklungen, wie beispielsweise der Nutri-Score, in Deutschland durchsetzen. "Bei uns dauert immer alles länger. Deutschland ist einfach zu traditionell und wartet zu lange", erklärt der TV-Koch. "Man sagt immer, die Deutschen sind Dichter und Denker. Aber eigentlich sind wir nur Urlaubsfahrer und Autokäufer." Das Interesse der Deutschen an neuen Gerichten sei allerdings durchaus da, daher würde es so viele Kochshows im deutschen Fernsehen geben.

Wer etwas mehr Geld für seine Küche in die Hand nehmen und sein Kochverhalten etwas nachhaltiger gestalten möchte, solle in erster Linie in eine ordentliche Ausstattung investieren, rät Sass. "Die Leute fahren Autos für 50.000 Euro und kaufen dann Billigpfannen. Dabei ist es wichtig, ein gutes Kochgeschirr zu haben, zum Beispiel ein ordentliches Holzbrett und scharfe Messer."

Zudem gibt Sass weitere Tipps, wie man nachhaltiger kochen könnte: "Man kann sich langsam neuen Gar-Techniken annähern. Beispielsweise können die Leute weniger Wasser beim Kartoffeln-, Möhren- und Gemüsekochen verwenden, oder beim Anbraten ein gutes Pflanzenöl anstatt Margarine." Ein konkretes Beispiel hat er parat: "Ich koche Kartoffeln mit Rosmarin, Thymian, Knoblauch und nur ganz wenig Wasser und Olivenöl, und lasse sie darin garen. Diesen Sud stelle ich auf den Tisch."