Von Gott gesegnet: Das sind die Musik-Highlights der Woche

Ronnie Wood, Travis, AC/DC, Carla Bruni und Saltatio Mortis: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.

Keith Richards und Mick Jagger - das sind die großen Stars. Dabei wird gerne vergessen, dass die übrigen Rolling-Stones-Mitglieder ebenso viel geleistet und ausgehalten haben im Lauf dieser langen Karriere. Einer davon, Ronnie Wood, darf nun selbst mal im Rampenlicht stehen. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von: Travis, AC/DC, Carla Bruni und Saltatio Mortis.

Ronnie Wood - Somebody Up There Likes Me

Ja, jemand da oben muss ihn wirklich mögen. Anders kann man es wohl kaum erklären, dass Ronnie Wood nach so vielen exzessiven Rock'n'Roll-Jahren immer noch aufrecht steht. Bis zuletzt war der inzwischen 73-Jährige mit den Rolling Stones ständig auf Tour, und quasi nebenbei hat er auch einen Film gedreht, der zuletzt schon im Kino lief und jetzt auch auf DVD und Blu-ray erscheint: "Somebody Up There Likes Me".

Inszeniert wurde die Doku von Mike Figgis, der Wood in persönlichen Gesprächen viel Intimes entlockt und ein Leben nachzeichnet, in dem es alles gegeben hat: eine schwierige Kindheit, Drogen, Krankheit, aber eben auch eine beispiellose Karriere, die über die Jeff Beck Group und The Faces (mit Rod Stewart) zur größten heute noch existierenden Rockband des Planeten führte. Und bei all dem Rummel blieb Ronnie Wood irgendwie immer ein netter Kerl. Absolut sehenswert.

Travis - 10 Songs

Ende der 90-er, Anfang der 2000-er, das war die große Zeit: Da verkauften Travis millionenfach CDs, sie liefen mit aufwendigen Videos auf MTV und spielten große Festivals - und einige Hits von damals, etwa "Why Does It Always Rain On Me" oder "Sing", hallen bis heute nach. Zuletzt wurden wieder etwas kleinere Brötchen gebacken, aber Travis sind immer noch da. Mit "10 Songs", dem Nachfolger zu "Everything At Once" (2016), veröffentlichen die Schotten ihr inzwischen neuntes Album.

Gut 20 Jahre nach ihrem Durchbruch sind Travis eine ziemlich erwachsene Band geworden, die Haare werden auch langsam grau, aber was die Spielfreude und die Beschwingtheit ihrer Songs angeht, hat sich seit damals gar nicht so viel verändert. Coldplay-Chef Chris Martin erklärte einst, dass es seine Band ohne Travis wahrscheinlich nie gegeben hätte. Was ihn und viele andere Menschen damals so begeisterte an diesem Sound, das hört man auch heute noch.

AC/DC - Shot In The Dark

"AC/DC machen weiter mit neuer Besetzung": Das war die erste gute Nachricht, die Fans kürzlich jubeln ließ. Die zweite, kurz darauf: "Es kommt ein neues Album!" Nachdem man also in den letzten Tagen und Wochen schon lesen konnte, wie lebendig diese unzerstörbare Truppe noch ist, kann man es jetzt auch hören: Mit "Shot In The Dark" präsentieren die australischen Starkstrom-Rocker den ersten Vorboten zum Album "Power Up", das am 13. November erscheinen soll.

Zur Besetzung, falls zuletzt jemand den Überblick verloren hatte: Neben Angus und Stevie Young sowie den Rückkehrern Phil Rudd (Schlagzeug) und Cliff Williams (Bass), die beide auch schon in den 70-ern dabei waren, ist auch Sänger Brian Johnson wieder mit von der Partie. Live wird man AC/DC in dieser Besetzung wahrscheinlich nicht mehr erleben können, aber das ist für den Moment auch völlig egal: Mit "Shot In The Dark" liefern AC/DC ein Brett, das groovt und lärmt und definitiv Lust auf mehr macht.

Carla Bruni - Carla Bruni

Erst war sie nur schön, dann war sie eine schöne Sängerin und schließlich die schöne Ehefrau von Frankreichs Staatsoberhaupt. Nach Nicolas Sarkozys Auszug aus dem Élysée-Palast hat man jenseits der gallischen Grenzen nicht mehr ganz so viel gehört von Carla Bruni - aber schön ist sie immer noch und gesungen wird auch noch.

"Carla Bruni" nennt die 52-Jährige ihr neues Album, das zu großen Teilen im Lockdown entstand und eine Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln darstellen soll. Nachdem zuletzt auf "French Touch" (2017) englischer Pop mit französischem Charme veredelt wurde, gibt es jetzt wieder gediegenes Singer/Songwriter-Material und sinnliche Liebeserklärungen im Dreivierteltakt. Ein bisschen zu brav und aufgeräumt vielleicht - aber für einen gemütlichen Abend zu zweit, bei dem man sich ohnehin auf andere Dinge konzentrieren will, sicher nicht verkehrt.

Saltatio Mortis - Für immer frei

Und was passiert derweil auf dem deutschen Musikmarkt? Da ist es mal wieder Zeit für einen ausgelassenen Totentanz. "Für immer frei" heißt der inzwischen zwölfte Langspieler von Saltatio Mortis. Nachdem zuletzt drei Alben in Folge auf Chartplatz eins landeten, ist auch diesmal wieder mit durchschlagendem Erfolg zu rechnen. So "virtuos" und "neugierig" wie auf diesem neuen Album hätten die Mittelalter-Rocker noch nie geklungen, posaunt die Plattenfirma.

Dudelsäcke, Schalmeien, Sackpfeifen: All die traditionellen Instrumente, mit denen Saltatio Mortis einst die Straßen bespielten und dann große Festivalbühnen eroberten, sind wieder zu hören. Es gibt einen eigenen Song für "Loki", den nordischen Gott des Schabernacks, und einen mit lateinischem Titel ("Factus de materia"). Es gibt aber auch einen "Mittelfinger Richtung Zukunft", und zwischen den vielen wuchtigen Gitarren-Riffs wird diesmal sogar gerappt. Ob man das noch als "Mittelalter-Rock" bezeichnen kann oder nicht: Es stimmt, an Neugier und Virtuosität mangelt es auf dieser Platte ganz sicher nicht.