Zum Kosmonauten hats nicht gereicht, also ist es dann KFZ-Mechatroniker geworden

Berufe-Special Eine Branche, die im Wandel ist wie kaum eine Andere, sucht Leute, die sich die Hände schmutzig machen wollen

Holger Ulmer, 59, ist KFZ-Mechatroniker Meister bei Streetmachines in Chemnitz. Die Werkstatt gibt es bereits seit 10 Jahren. Ihr Hauptaugenmerkt liegt auf Instandsetzung mit Spezialisierung auf Regelinstandsetzung. Wir haben Herrn Ulmer zum Interview getroffen und so einiges über den Ausbildungsberuf des KFZ-Mechatronikers erfahren:

Wie sind Sie auf den Beruf gekommen und was beinhaltet dieser Hauptsächlich?

Das war noch zu DDR-Zeiten. Ich stamme noch aus einer Zeit wo alle Jungs Kosmonauten oder Kraftfahrzeugmechaniker werden wollten und zum Kosmonauten hats nicht gereicht, also ist es das dann geworden.

Der Arbeitsalltag ist der, Ich bin mitarbeitend, das heißt, Ich habe meine eigenen Vorgänge aber bin auch hauptsächlich dafür da, die Kollegen anzuleiten, Probleme zu lösen, Ersatzteile zu besorgen, Probefahrten auszuführen und Interviews zu geben.

Wie lange üben Sie den Beruf schon aus?

Seit 1977. Ich habe‘ von '77 bis '79 gelernt und dann '83 bis '85 den Meister gemacht. Seitdem bin ich in der Branche. Mit Unterbrechungen, aber immer in Autohäusern.

Was begeistert sie am meisten an dem Beruf, was vielleicht weniger?

Weniger kann man nicht sagen. Also entweder ist man für den Beruf gemacht oder nicht. Man muss erstmal bereit sein, sich die Hände schmutzig zu machen. Und nicht nur die Hände! Es ist zum Teil ein schwerer Job. Gerade wenn ich die Räderwechselzeit sehe. Das ist natürlich auch anstrengend. Und es ist ein anspruchsvoller Job. Erstmal haben wir eine hohe Verpflichtung auf Grund der Sicherheitsrelevanz bei den Fahrzeugen (Bremsen, Elektronik, etc.) und ich sag immer, man kann so alt werden wie man will, man lernt jeden Tag Neues dazu. Das heißt, die Veränderungen, die gerade in unserem Segment stattfinden, die sind ja sehr hoch. Also von der Mechanik hin zur Elektronik, die ganzen Fahrassistenzsysteme sind natürlich sehr anspruchsvoll und das verlangt natürlich, dass du dich ständig auf dem Laufenden hältst, Lehrgänge besuchst und dich fortbildest. Das ist das interessante an unserem Feld.

Beobachten sie gerade große Veränderungen in Ihrer Branche?

Ja, sehr viele! Einmal, wie gesagt, Fahrerassistenzsysteme, die ganzen Lichtsysteme, Abgasvorschriften bis hin zu Elektroautos, was natürlich, ich will nicht sagen, ein völlig anderes, aber ein ganz neues Feld ist. Es wird ja auch Richtung Hybrid gehen, also du musst ständig auf dem Laufenden sein.

Elektroautos reparieren Sie also auch?

Perspektivisch ja. Bis jetzt noch nicht so. Wir haben zumindest jetzt Hybridfahrzeuge hier. Wir haben einen BMW i3 direkt hier im Kundenbestand als Elektroauto, aber der Anteil wird natürlich in Zukunft steigen.

Gab es ein tolles Erlebnis, das Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, das war eine Undichtigkeit an einer Nockenwelle. Da habe ich drei Tage dran geknabbert. Da gab es gerade eine Umstellungsphase. Früher haben wir die Ringe geölt eingesetzt, das ist aber auf Silikonringe umgestellt worden und die werden aber trocken eingesetzt. Das konnte einem kaum einer sagen. Wir haben die dann immer schön mit Öl eingesetzt und die waren dann immer undicht. Bis wir dann die Antwort irgendwo herbekommen haben, dass das eine ganz neue Technik ist und das war so ein gravierendes Erlebnis, weil das zwei bis drei Tage gedauert hat, dass wir daran gebastelt haben. Das vergisst man auch nie wieder.

Warum sollte ein Schüler eine Ausbildung in dem Berufsfeld anfangen?

Weil er sehr anspruchsvoll ist. Weil das ein Beruf ist, wo ich wirklich mit Leidenschaft rangehen muss und kann und wer Technikaffin ist, den begeistert das natürlich. Aber ich muss mich für die Technik interessieren. Das heißt es sollte damit losgehen, dass man vielleicht in der Freizeit schon mal am Moped geschraubt hat oder beim Vater am Auto schon mal mit geguckt hat, also einfach Technikaffin ist.

Streetmachines Chemnitz suchen übrigens auch nach Nachwuchs. Falls Ihr Interesse habt, könnt Ihr Euch ganz einfach per Whatapp unter 0371/91895873 melden.

Vielen Dank für das Interview.

Eine Übersicht über alle Interviews des Berufe-Specials finden sich hier.