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Covid-19-Impfung: Ist AstraZeneca wirklich unbedenklich?

Corona Irit Nachtigall, Infektiologin der Helios Region Ost, klärt über den Impfstoff auf

Auf ihnen ruht die Hoffnung im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Impfstoffe. In Deutschland wird dabei ausschließlich mit Covid-19-Vakzinen geimpft, die über die EMA (European Medicines Agency) eine EU-Zulassung erhalten haben. Derzeit sind drei Covid-19-Impfstoffe in der EU zugelassen: neben BioNTech/Pfizer und Moderna auch der in Verruf geratene Impfstoff AstraZeneca. Anfangs wurde eine vermeintlich geringe Wirksamkeit des Impfstoffs bemängelt, später tauchten Verdachtsfälle in Zusammenhang mit Blutgerinnseln auf. Mehrere Länder, unter ihnen schließlich auch Deutschland, stoppten vorübergehend die Impfung, setzten sie aber wieder fort. Doch sind die Bedenken überhaupt gerechtfertigt? PD Dr. med. Irit Nachtigall, Infektiologin der Helios Region Ost, erklärt den Irrtum und rät klar zum Impfen.

Was ist das Besondere am AstraZeneca Impfstoff?

"Die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna basieren auf mRNA und unterscheiden sich dadurch von allen bisherigen Impfstoffen. Der Impfstoff von AstraZeneca hingegen ist vekotorbasiert. Er enthält vollkommen ungefährliche, gut untersuchte, Trägerviren. In deren Erbgut befinden sich die Konstruktionspläne für ein bestimmtes Oberflächenprotein des Coronavirus, das sogenannte Spike-Protein. Bei der sich durch die Impfung entwickelnden Immunantwort werden zum einen Antikörper produziert, aber auch sogenannte Gedächtniszellen gebildet. Oftmals verschwinden die Antikörper nach einer bestimmten Zeit wieder aus dem zirkulierenden Blut, die Gedächtniszellen aber bleiben vermutlich erhalten."

Wirkt AstraZeneca ausreichend gegen das Coronavirus?

"Ein klares Ja. Der Impfstoff von AstraZeneca beugt schweren Verläufen durch die Krankheit Covid-19 vor. Er schützt uns davor im schlimmsten Fall auf der Intensivstation zu landen und unter Umständen beatmet zu werden. Die Schutzwirkung durch den Impfstoff von AstraZeneca ist bereits nach der ersten Impfung gut. Anders als bei den anderen beiden Covid-Impfstoffen erfolgt die zweite Impfung deutlich später, erst nach zehn bis 14 Wochen. Die Schutzwirkung liegt dann bei über 80 Prozent."

Woher kommt das Misstrauen in den AstraZeneca Impfstoff?

"Am Anfang wurde aus Mangel an Daten der Impfstoff nur für Menschen jünger als 65 Jahre empfohlen. Das hat vermutlich dazu beigetragen, dass viele Menschen diesem Impfstoff skeptisch gegenüberstehen und seine Wirksamkeit anzweifeln. Mittlerweile liegen die Daten vor und zeigen, dass die Schutzwirkung auch für ältere Menschen gegeben ist. Mittlerweile empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission, Anm. d. Red.) den Impfstoff von AstraZeneca auch für Personen über 65 Jahren, da sich in den Studien eine gute Wirksamkeit belegt hat."

 

Welche Nebenwirkungen können nach der Impfung auftreten und gibt es Unterschiede zu den anderen Impfstoffen?

"Hinsichtlich der Häufigkeit und Art der Nebenwirkungen sehen wir beim AstraZeneca Impfstoff keine gravierenden Unterschiede im Vergleich zu den mRNA Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna. Beim AstraZeneca Impfstoff treten vermehrt bei der ersten Impfung Reaktionen auf, bei der zweiten kaum noch. Bei den anderen Impfstoffen ist es anders herum. Insgesamt sind aber die Reaktionen in ihrer Häufigkeit und Schwere ähnlich. Ich selbst bin mit AstraZeneca geimpft und hatte lediglich leichte Schmerzen an der Einstichstelle direkt nach der ersten Impfung. Über die allergischen Reaktionen wurde in den letzten Tagen viel geschrieben. Hiernach sind 41 mögliche Anaphylaxiefälle unter fünf Millionen Geimpften in Großbritannien bekannt. Anaphylaxien sind akute Nebenwirkungen bzw. Anzeichen und Symptome einer systemischen Reaktion des Immunsystems. Das ist allerdings auch bei anderen Impfstoffen bekannt."

Und was ist mit den Thrombosen nach der Impfung?

"Nach der Impfung mit AstraZeneca wurden statistisch mehr Sinusvenenthrombosen bei jüngeren Frauen festgestellt. Um diesen Umstand abzuklären, haben mehrere Länder die Impfung kurzzeitig ausgesetzt, so auch Deutschland. Mittlerweile ist bekannt, wie man die Problematik nachweisen und auch therapieren kann. Ähnliche Nebenwirkungen kommen übrigens auch bei anderen Medikamenten vor und das deutlich öfter. Die Impfungen werden nun wieder unter Ergänzung eines weiteren Warnhinweises fortgesetzt.

Gibt es schon klinische Erfahrungen mit Patienten, die mit AstraZeneca geimpft sind?

"In unserem Klinik-Alltag sehen wir, dass alle Impfstoffe bisher schwere Infektionen mit SARS-CoV2 und einen weiteren schweren Verlauf durch eine Covid-19 Erkrankung verhindern konnten. Unter den AstraZeneca Geimpften hatte kein einziger einen schweren Verlauf oder ist an einer Covid-19 Infektion gestorben. Wichtig ist auch, dass die AstraZeneca Impfung nach ersten Erkenntnissen wohl auch gegen die britische Variante wirksam ist."

Welche Impf-Prognose gibt es?

"Noch sind die Impfstoffe gegen das Coronavirus zu knapp, um flächendeckend eingesetzt zu werden. Nach Einschätzung der Bundesregierung soll sich das bald ändern. Wir rechnen im zweiten Quartal des Jahres mit über 60 Millionen Dosen Impfstoff."