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Zuckertüte statt Schulklingel: Einschulung von ukrainischen Kindern

fest Familienverein und Diakonie unterstützen Geflüchtete

Schönberg/Plauen. 

Schönberg/Plauen. Maria, Jascha, Sascha, Jana und weitere Kinder aus der Ukraine, die jetzt in Plauen ihre Schulzeit beginnen, erhielten dank eines rührigen Familienvereins aus Schönberg sowie mit Unterstützung der Diakonie und einer Kirchgemeinde in Plauen das obligatorische Schulanfangsgeschenk hierzulande.

Ganz fest hielten sie ihre Zuckertüte umfasst, fast staunend. Zuckertüten zum Schulanfang gibt es in der Ukraine nicht. Für die Kinder aus dem vom Krieg betroffenen Land, die jetzt in Plauen in die erste Klasse gekommen sind, war es deshalb am vorigen Samstag eine besondere Überraschung, eine große bunte Tüte, voll mit Schulsachen, zu erhalten.

Zuckertüten gibt es in der Ukraine nicht

Zu verdanken war dies der Kinder- und Familienarbeit der Diakonie, dem Spaß-, Kultur- und Tanz-Vereins Schönberg e.V. und der Plauener Markus-Pauluskirchgemeinde. Zum Auftakt des diesjährigen Gemeindefestes im Paulushaus hatte es einen Gottesdienst gegeben, welchen Pfarrer Andreas Vödisch hielt. Weil so viele Kinder vor Ort waren, fand das witzige Singspiel "Der Kirchenjahresexpress - wenn Holzwürmer auf Reisen gehen" mit Gabi und Amadeus Eidner aus Chemnitz guten Anklang. Die Kinder durften mitmachen und waren mächtig stolz darauf. Danach segnete der Geistliche alle Schulanfänger. Auf die ukrainischen ABC-Schützen indes wartete die Überraschung, welche der Spaß-, Kultur- und Tanz-Vereins Schönberg e.V. zusammen mit der Diakonie vorbereitet hatte. Die bunten Zuckertüten überreichten Jana Liedemann und Heike Streit vom Verein sowie Silke Böhm und Silke Schwabe von der Diakonie Plauen an die Mädchen und Jungen.

Vereinen und Randgruppen helfen

"Durch meine Arbeit im Begegnungs- und Informationszentrum für Ukrainer in der Stadtgalerie weiß ich und habe ein Gefühl dafür, was die Menschen brauchen", sagt Silke Böhm von der Diakonie Plauen. Das Begegnungs- und Informationszentrum für Ukrainer (BIZU) in der Stadtgalerie betreibt die Diakonie gemeinsam mit der Stadtverwaltung Plauen. "Am 1. April öffneten wir. Zu Ostern beispielsweise bereiteten wir Geschenke für die Kinder vor." Und jetzt eben zum Schulanfang. "Es kostet ja alles so viel Geld." Es werde von den Kindern alles gebraucht, von Stiften, Hefte über Farben bis zur Schürze. Da habe man sich über das Angebot des Schönberger Familienvereines sehr gefreut. "Ohne den Verein wäre dies nicht möglich gewesen", sagte Silke Böhm am Samstag.

"Es ist unsere Grundphilosophie, dass wir Vereine und Randgruppen, die keine öffentliche Unterstützung erhalten, helfen", sagt Heike Streit vom Spaß-, Kultur- und Tanz-Vereins Schönberg e.V. "Dafür sammeln wir Spendengelder. Bei dem Gottesdienst mit der Zuckertütenübergabe war der Verein mit mehreren Mitgliedern vertreten, um dabei zu sein. Mit 450 Euro, die man aus Auftritten und vom vorigen Familienfest in Waldfrieden sammeln konnte, wurde die Zuckertüten-Aktion unterstützt. "Wir wollten bedürftigen Kindern hier bei uns helfen", sagt Heike Streit. Nicht nur Kinder aus der Ukraine, auch andere bedürftige Familien, deren Kinder in die Schule kommen, konnten sich bei der Diakonie bzw. im Begegnungs- und Informationszentrum in der Stadtgalerie melden, um eine Zuckertüte zu erhalten. Die Zuckertüten als solches wurden von einem Unternehmen aus Markneukirchen gesponsert.

Schulanfang in der Ukraine: So sieht er aus

Wie in der Ukraine der Schulanfang begangen wird? Julia German, die ehrenamtlich dolmetschte, berichtete, dass es am ersten Schultag ein Fest auf dem Schulhof gibt. "Alle stehen auf. Die Kleinen aus der ersten Klasse halten Händchen." Dann klingen Glöckchen als Zeichen, dass die Schule beginnt. So ist es Tradition in der Ukraine.

Eine, die den Kindern und besonders den Schulanfängern aus der Ukraine zu Seite steht, ist auch Olga Kotov von der Markus-Pauluskirchgemeinde. Sie berichtete, dass sie derzeit 157 Familien aus der Ukraine in Plauen betreue. "Ich weiß, wie es ist, wenn alles neu ist", erinnert sie sich an ihr eigene Ankunft in Deutschland. "Ich möchte den Familien helfen."

Kriseninterventionsteam im Vogtland unterstützen

Und auch für den Schönberger Verein geht es weiter: "Als nächstes wollen wir das Kriseninterventionsteam im Vogtland unterstützen." Diese helfe beispielsweise, wenn Kinder plötzlich zu Halbwaisen werden. "Um dafür Spenden zu erzielen, traten wir kürzlich beim Höhlenfest in Syrau mit unserem Rollator-Tanz auf." Auch beim nächsten Familiennachmittag in der Erholungseinrichtung Waldfrieden wolle man zu diesem Zweck Geld sammeln. Wichtig ist dem Schönberger Verein immer ein konkretes Ziel, damit die Leute, die Spenden geben, genau wissen, wo das Geld eingesetzt wird. "Das Spendengeld von diesem Tag wird ein zu eins für die gute Sache verwendet. Wir wollen gläsern sein." Lediglich bei eigenen Auftritten geht ein Teilbetrag an den Verein, um die Kosten zu decken. "Uns kann man für Partys oder Geburtstagsfeiern buchen", sagt Heike Streit. Dabei ist das Programm immer auf den jeweiligen Anlass zugeschnitten.

Öffentlicher Familiennachmittag

Am 1. Oktober findet von 14.30 Uhr bis 20 Uhr ein öffentlicher Familiennachmittag des Spaß-, Kultur- und Tanz-Vereins Schönberg e.V. in der Erholungseinrichtung Waldfrieden statt. Die evangelische Spielgemeinde Pausa führt das Stück "7 auf einen Streich" auf. Ballonkünstler Sven Mlejnek und Sigis Minikirmes sowie Maskottchen Panda sind dabei. Basteln und Kinderreiten sowie weitere Überraschungen werden vorbereitet. Man kann Kaffee und Kuchen sowie Leckeres vom Grill genießen.

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