406 Arbeitsplätze betroffen: Mitarbeiter zweifeln an Gründen für Schließung

Aktion Majorel-Belegschaft macht mit Online-Petition auf Situation aufmerksam

Gerade noch wird man vom Arbeitgeber für einen tollen Job gelobt und im nächsten Moment gibt's die Hiobsbotschaft: Ihr müsst euch bald einen neuen Job suchen. So erging es der Chemnitzer Belegschaft des Call-Center-Dienstleisters Majorel, der vor zwei Jahren aus der Bertelsmann-Tochter Arvato hervorgegangen ist. Die Luxemburger Firmengruppe, die weltweit in 29 Ländern mehr als 54.000 Mitarbeiter beschäftigt, zieht im Osten Deutschlands jetzt die Reißleine.

Vier ostdeutsche Standorte betroffen

Neben dem Standort Chemnitz mit 406 Mitarbeitern sollen auch die drei ostdeutschen Standorte in Neubrandenburg, Schwerin und Stralsund mit weiteren 1.000 Beschäftigten bis Ende 2021 aufgeben werden. Die Information erhielten die Beschäftigten am 3. November. Das Bundeskartellamt bearbeitete die Angelegenheit allerdings bereits seit dem 25. September als "mittelbaren Anteils- und Kontrollerwerb" der Bertelsmann SE & CO. KGaA über die genannten Standorte. Die Freigabe seitens des Kartellamtes wurde am 21. Oktober erteilt, wenige Tage vor der Verkündung der Schließung.

Offizieller Grund: Rote Zahlen

In der offiziellen Begründung heißt es, Majorel, schreibe an diesen Standorten trotz intensiver Anstrengungen seit längerem rote Zahlen. Vielmehr werde das Geschäft wohl noch weiter ins östliche Ausland umgelagert, so die Vermutung aus Mitarbeiterkreisen. Majorel betreut unter anderem den Kundenservice der Telekom. Die Mitarbeiter beantworten Kundenanfragen per Telefon, E-Mail oder Chat. "Ein großer deutscher Telekommunikationsanbieter sollte auch in Deutschland durch Call-Center-Mitarbeiter betreut werden", so die einhellige Meinung der Belegschaft, die ihre Kündigung nicht einfach hinnehmen will. Nicht nur, weil viele Kollegen betriebsübergreifend seit 40 Jahren am Standort arbeiten. "20 Prozent gelten außerdem als schwerbehindert. Sie werden es auf dem Arbeitsmarkt wahrscheinlich schwerer haben."

Nächster Schritt: Online-Petition

Nachdem in einem ersten Schritt Kommunalpolitiker ins Boot geholt wurden, ist jüngst eine Online-Petition für den Erhalt des Standortes im Bürokomplex "Chemnitz-Plaza" an der Zentralhaltestelle. Darin heißt es: "Wir, die Mitarbeiter der Majorel Chemnitz GmbH, sind ein Teil der Innenstadt Chemnitz, das d.h. 406-mal Kaufkraft, 406-mal Nahverkehrsnutzung und 406-mal Innenstadtbelebung." Und weiter: "Wir sagen klar NEIN zur Umlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland."

Über diesen Link können BLICK-Leser die Petition unterstützen.