"Das Buch hat nach Hilfe geschrien"

Projekt Bibliophile Kostbarkeit in der Stadtbibliothek wurde vor dem Verfall gerettet

Wer gestern die Stadtbibliothek Chemnitz betrat, dem flatterten am Eingang zahlreiche grüne Zettel ins Gesicht. Auf denen standen Gedichte, die gepflückt werden konnten - eine Aktion zum Welttag des Buches, der am 23. April begangen wird. Traditionell für diesen Tag haben Mitglieder des 1. Chemnitzer Autorenvereins bereits zum 17. Mal selbst verfasste Liebesgedichte, Sinnsprüche und kurze Erzählungen für die Aktion zur Verfügung gestellt.

Restauration als Jubiläumsgeschenk

Die Bücherei im Tietz hält aber nicht nur ein breites Spektrum an modernen Medien bereit, sondern beherbergt auch allerhand historische Schätze. Einer dieser war Ende letzten Jahres massiv vom Verfall bedroht - die "Consilia", ein Sammelband bestehend aus drei Inkunabeln juristischen Inhalts der Jahre 1475 bis 1478. Ein derartiges Werk befindet sich heute nur noch in der Bayerischen Staatsbibliothek. "Die Seiten waren verschmutzt, eingerollt und eingerissen, der Buchdeckel vom Insektenfraß zernagt. Es war ein Elend", schilderte Sabine Schumann von der Stadtbibliothek die Ausgangssituation des historischen Schatzes. Doch dann kam Ende letzten Jahres ein Anruf von Steffen Jacob aus der Firma PUNKT 191 Marketing & Design mit der frohen Botschaft, anlässlich der Jubiläen 875 Jahre Chemnitz und 150 Jahre Stadtbibliothek Chemnitz eine Spende für die Restauration bereitzustellen.

"Wir wollten einfach für die Stadt etwas tun und dieses Buch hat regelrecht nach Hilfe geschrien", erzählt Steffen Jacob. Seine Firma hat sich in der Vergangenheit bereits für den Erhalt der Robert-Schumann-Philharmonie als A-Orchester oder die Förderung des Projekts 100 Mozartkinder engagiert. Nun sollte es also eine bibliophile Kostbarkeit sein. Rund 1500 Euro hat die Restaurierung, die in Leipzig vonstatten ging und vier Monate dauerte, gekostet.