Die Nulllinie startet das Spiel im Spiel

Kritik Seit Samstag ist Corneilles "Spiel um Illusion" im Schauspielhaus zu sehen

Die ersten Besucher, die den Zuschauersaal am Samstag betreten, werden von einem Pochen begleitet: Ein Herz schlägt aus den Boxen über der Bühne - und wenn es aufhört zu schlagen, wird das Spiel, Corneilles " Spiel um Illusion", beginnen. Eine Nulllinie als Anfang. Wessen Herz es war, das hier plötzlich stillstand, erfährt der Besucher sofort: Quasi aus dem Himmelstor - einem Lichtstrahl auf der ansonsten nackten Bühne - tritt Bernd-Michael Baier als Pridamant - und begegnet - ja, wem? Als Zauberer ist Alcandre tituliert, in dieser Nach-Tod-Szene wird er gottgleich - und wird diesen Eindruck im Lauf der Inszenierung durch sein immerwährendes Auftauchen in anderen Gewändern bestätigen. Pridamant will wissen, wie es seinem Sohn ergangen ist, den er einst verstoßen hat, und Alcandre kann es ihm zeigen. Er führt es vor, es beginnt ein Spiel im Spiel, in das Pridamant nicht eingreifen darf. Am Ende treten alle Spieler aus ihren Rollen - Realität war hier nichts, wird nochmal plastisch gezeigt. In diesem Spiel tun sich insbesondere Sebastian Tessenow, Hartmut Neuber und Annette Sawallisch hervor, ihnen gibt Regisseurin Mateja Koleznik ein gestisches Repertoire an die Hand, das in Erinnerung bleiben wird. Über die Inszenierung als Ganzes lässt sich nur bedingt sagen: hübsch anzusehende inszenatorische und bühnenbildnerische Ideen wechseln mit Phasen, in denen das "Spiel um Illusion" eher zum Spiel mit der Geduld des Zuschauers wird. Dann fließt die Inszenierung ein wenig vor sich hin, ein stetiger, 90-minütiger Fluss, der aber kaum einen Gedanken zum Wachsen bringen will.