Ein Blog, der den Nerv trifft

Blogs "re:marx" schreibt satirisch und kritisch über Chemnitz

ein-blog-der-den-nerv-trifft
Das Titelbild des re:marx Blogs. Foto: re:marx

Seit 2010 gibt es den Chemnitzer Blog "re:marx". Eine Plattform, auf der im satirischen Stil und mit zahlreichen Wortspielen auf das Stadtgeschehen reagiert wird.

Anders als bei anderen Blogs spielen die Gesichter der Redakteure keine Rolle. Die Texter bleiben anonym - es dreht sich alles um die Stadt, in der sie wohnen.

Party, Pop und Poesie

Die Beiträge unterteilen sich in die Rubriken Party, Pop und Poesie. Behandelt werden tagesaktuelle Themen, solange "sie sich in schlechten Wortspielen und treffenden Vergleichen verarbeiten lassen", so schreiben die Macher auf der Seite. Im Durschnitt entsteht auf diese Weise alle sieben bis zehn Tage ein neuer Beitrag.

Es werden Künstler vorgestellt, Meinungen geäußert und Veranstaltungen hinterfragt. Der Tonfall bleibt dabei mehr kritisch als euphorisch. "Chemnitz kommt bei uns schlecht weg, weil wir schlecht von Chemnitz wegkommen. Wir sind halt von Natur aus kritisch".

So schreiben die schlagfertigen Redakteure in einer Musikkritik zum neuen Album der Chemnitzer Band "Kraftklub": "Wir, die meistgefürchteten Musikkritiker von Re:marx, haben die neuen Songs natürlich schon gehört, bevor sie überhaupt geschrieben wurden."

Weiter loben sie den Titel des Albums "Keine Nacht für Niemand" mit den Worten: "Zugegeben: "Keine Nacht für Niemand" ist das drittbeste Wortspiel nach re:marx."

Der Blog schenkt Chemnitz keine bekannten Blogger-Gesichter, wohl aber einen Raum für die Stärken und Schwächen der Stadt.

Chemnitz-Kritik trifft einen Nerv

Gemessen in Facebook-Likes hat sich der Blog in den vergangenen Jahren gemausert. Über 2.000 Fans haben sich zusammen gefunden.

Der Grund für diese vergleichsweise Popularität könnte auch in eben jenem Tonfall liegen. Wo früher noch neutraler über Kultur geschrieben wurde, trifft "re:marx" mit seiner satirischen Aufarbeitung des Stadtgeschehens einen Nerv.

"Das Internet ist leer gefegt"

Auf das Thema Blog-Blockade reagieren die Satiriker mit einem treffenden Vergleich: "Chemnitz hat so viele Blogs wie Starbucks-Cafés, Spätis und ICE-Verbindungen. Das Chemnitzer Internet ist leer gefegt wie der Brühl nach 15 Uhr."

Der vermutete Grund: Das allgemeine Interesse an einer solchen Szene ist noch zu wenig ausgeprägt. "Aber es gibt ein Interesse für gut geschriebene Texte", betonen die Blogger, "was uns sehr freut, weil das ja immer mehr abhandenzukommen droht."

Ausblick

Der nächste Artikel unserer Serie kommt am Donnerstag und stellt die sächsischen Blogger-Treffen vor, die Raum für Austausch und Vernetzung innerhalb der Szene schaffen.