Ein Marx-Kopf für den liberalen Vordenker

Wirtschaft IHK begrüßte zum Jahresempfang FDP-Chef Christian Lindner

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Zu den Geschenken für Christian Lindner (r.) gehörte auch ein kleines Marx-Monument, das IHK-Präsident Franz Voigt überreichte. Foto: Wolfgang Schmidt

Ein wenig verbunden ist FDP-Chef Christian Lindner mit Chemnitz, das stellte er gleich zu Beginn seiner Rede beim IHK-Jahresempfang dar: Er habe Verwandtschaft in der Stadt, und früher habe es in der Vorweihnachtszeit auch Pakete aus dem Osten gegeben - mit erzgebirgischer Volkskunst drin. Die gab es für ihn am Ende nicht, dafür aber jede Menge anderer Produkte aus der Region - von der Horch-Biografie bis zur geschnitzten Nachbildung des Marx-Monuments.

Zwischen Erinnerungen am Anfang und Geschenken am Ende lag eine knappe Stunde Redezeit, die der Parteivorsitzende engagiert und durchaus unterhaltsam bestritt. Er wolle "die Mitte befreien, den Rechtsstaat stärken, die Zukunft anpacken", so die Agenda der Partei, die 2017 in den Bundestag zurückkehren will. Vor allem am ersten Punkt hielt er sich lange auf, kein Wunder angesichts der vor kurzem erfolgten Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und populistischen Strömungen in Europa und Deutschland: "Wir sprechen auch in Deutschland nur über die gesellschaftlichen Ränder", mahnte er. Zurecht könnte sich die gesellschaftliche Mitte da fragen: "Wo finde ich noch statt?" Deutschland müsse sich wieder stärker darum bemühen, den Wohlstand zu sichern, und nicht nur damit beschäftigt sein, ihn zu verteilen. Insbesondere Investitionen in die digitale Infrastruktur forderte Lindner, die Stärkung der dualen Bildung, den Abbau von Bürokratie. Worte, die bei den anwesenden Wirtschaftsvertretern gut ankamen. Dass die sich derzeit trotzdem nicht auf der sicheren Seite wähnen, hatte IHK-Präsident Franz Voigt eingangs festgestellt: "Die Verunsicherung ist aktuell sehr groß", fasste er zusammen. Vor allem eines macht ihm zu schaffen: "Wirtschaftliche Argumente sind gegen Populisten fast schädlich".