Es lag nahe, weil es nicht naheliegt

Interview mit Lutz Graner, Verleger

Das zweite Jahr in Folge hat es der Chemnitzer Eichenspinner-Verlag auf die "Hotlist" der zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen geschafft. Vor der Kür der Sieger am Freitag auf der Buchmesse in Frankfurt/Main sprach der BLICK mit Verleger Lutz Graner.

Herr Graner, wie kommt man auf die "Hotlist"?

Jeder unabhängige Verlag darf genau ein Buch aus seinem Jahresprogramm vorschlagen - da wählt jeder das mit den mutmaßlich größten Chancen. In diesem Jahr haben sich 171 Verlage beworben. 30 kommen in die engere Auswahl. Aus denen werden dann für die "Hotlist" sieben von einer Jury nominiert und drei durchs Online-Voting bestimmt - wir sind in diesem Jahr mit "Welttöchter - Erbmütter" zweiter beim Voting geworden.

Wir erhalten immerhin Anfragen aus der Schweiz, Spanien und vom Polarkreis. Aber es stimmt schon: Das Buch ist sehr speziell. Die Gedichte von Rauni Magga Lukkari und Inger-Mari Aikio-Arianaick sind auf einem sehr hohen Niveau recht einfach gehalten, mit naturmystischem Lokalkolorit - das rührt aus der Tradition der Schamanengesänge der Samen, also der indigenen Bevölkerung in Skandinavien.

Wie kommt man überhaupt als Chemnitzer Verleger an diese Autorinnen, die ja in Finnland geboren sind?

Das Buch lag nahe, weil es nicht naheliegt. Eine meiner Kolleginnen an der Uni Bielefeld beschäftigt sich seit 25 Jahren mit samischer Literatur, übersetzt sie. Als sie mich nach einer Veröffentlichung fragte, reizte mich das Exotische, aber auch der politische Aspekt - dass es sich eben um Minderheitenliteratur handelt. Und beides bringt jetzt viel Aufmerksamkeit.

Wir wünschen für die Preisverleihung am Freitag viel Erfolg.