Holocaust-Überlebende in Chemnitz zu Gast

Veranstaltung Studentische Organisation lädt alle Interessierten ein

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Foto: Ines Knöfel

Mit jedem Jahr wird es immer schwieriger, mit Überlebenden des Holocaust ins Gespräch zu kommen und von ihren Erlebnissen und Eindrücken hören zu können. Dabei ist das Zeitzeugengespräch ein wichtiger Teil der Aufarbeitung der Geschichte, rückt es doch die persönlichen Erfahrungen der Befragten in den Vordergrund. Deshalb lädt das "Referat für Antidiskriminierung an der TU Chemnitz" am Donnerstag, den 31. Mai, alle Interessenten dazu ein, an dem Gespräch mit der 83-jährigen Zeitzeugin Henriette Kretz teilzunehmen.

Gespräche nicht nur in Chemnitz

Organisiert wird die Veranstaltung im Rahmen eines Zeitzeugen-Projektes des Maximilian-Kolbe-Werkes, eine humanitäre Organisation zur Unterstützung von Holocaust-Überlebenden. Dabei sprechen zwei Zeitzeuginnen während der gesamten Woche an sächsischen Schulen und Universitäten.

Ines Knöfel, Mitglied im Referat für Antidiskriminierung an der TU Chemnitz, erklärt, wie die Veranstaltung ihren Weg nach Chemnitz gefunden hat. "Da das Projekt in der letzten Maiwoche im Raum Chemnitz stattfindet und noch freie Termine hatte, ist eine Mitarbeiterin des Maximilian-Kolbe-Werks an den Student_innenrat der TU Chemnitz heran getreten", sagt sie. Es sei für das Referat selbstverständlich gewesen, einen Raum und Termin an der Universität zu finden, um die Zeitzeugin auch hier sprechen lassen zu können.

Das musste die Zeitzeugin erleben

Die 83-jährige Henriette Kretz floh als Kind mit ihrer jüdischen Familie von Polen in die heutige Ukraine, als die Deutschen vorrückten. Sie wurde später von der Gestapo verhaftet und sollte nach Auschwitz deportiert werden, als ihr Vater sie aus dem Gefängnis herausschleusen konnte. Danach musste sie sich bis zum Ende des Nationalsozialismus verstecken und unter anderem mit ansehen, wie ihre Eltern erschossen wurden. Nach Ende des Krieges wurde Kretz in Belgien Lehrerin und lebt auch heute noch dort. Mit den Gesprächen über ihre Geschichte möchte sie viele Menschen erreichen, ohne vorwurfsvoll zu sein.

Bei dem Gespräch am Donnerstag bietet sich eine seltene Gelegenheit, solchen Erfahrungen zu lauschen und auch eigene Fragen stellen zu können. Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten, benötigt keine Anmeldung und ist kostenfrei. Sie findet im Weinholdbau der TU Chemnitz im Raum W020 statt und beginnt 18 Uhr.