Kunsthandwerker bleiben auf Produkten sitzen

Reihe BLICK stärkt Einzelhändler und Hersteller - Heute: Wie EKM die Krise meistert

"Ich war noch kein Jahr so entspannt wie heute." Wer Silvio Stibane kennt, weiß, dass in diesen Worten ein gehöriges Stück Sarkasmus mitschwingt. Klar, wer keine Stände für die Weihnachtsmärkte der Region vorbereiten muss, ist zwangsläufig entspannter. Doch die aktuelle Lage könnte für die EKM Erzgebirgswerkstatt in Chemnitz dennoch kaum angespannter sein: Von den Weihnachtsmärkten, die Silvio und Sandra Stibane in diesem Jahr geplant hatten, sind coronabedingt nur ein Bruchteil an Alternativen übrig geblieben. Dabei sind die Lager voll mit Lichterbögen, Pyramiden, Fensterbildern und Co.

 

Bereits im Januar investiert

"Ich hatte im Sommer noch gehofft, dass die Märkte stattfinden können. Silvio war da realistischer und hat schon vermutet, dass die Infektionen im Herbst wieder steigen werden", erzählt Sandra Stibane. "Da war der finanzielle Drops für dieses Jahr aber schon gelutscht", formuliert es Silvio, der bereits im Januar seine Zulieferteile für dieses Jahr orderte. "Anfang des Jahres wissen wir, wie viele Artikel wir für die kommende Saison benötigen. Jedes Produkt ist durchgeplant. Ab der ersten Januarwoche wird schon produziert." Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner ahnen, dass es in diesem Jahr ungleich schwerer sein wird, die filigranen Produkte, wie den patentierten LED-Lichterbogen, unter die Leute zu bringen. Einzig bei den Produkten, die von externen Herstellern geliefert werden, konnte EKM noch rechtzeitig die Reißleine ziehen.

 

Neue Vertriebswege

Man muss es als glücklichen Zufall bezeichnen, dass die Stibanes in diesem Jahr sowieso ihr Vertriebsnetz erweitern wollten: "Normalerweise vertreiben wir unsere Produkte direkt an die Kunden. In diesem Jahr wollten wir erstmals auch vermehrt mit Einzelhändlern zusammenarbeiten, die unsere Produkte in ihren Läden verkaufen." Der Plan ging auf:

"Glücklicherweise konnten wir kurz vor dem ersten Lockdown im März noch die letzte Fachmesse in Leipzig mitnehmen: die Cadeaux, eine Fachmesse für Geschenk- und Wohnideen war für uns ein voller Erfolg und hat einen Teil des Jahresumsatzes gerettet. Ohne diese Messe wäre es 2020 finanziell sehr düster geworden. Aber wo eine Tür zugeht, öffnet sich die nächste", so die optimistische Lebenseinstellung von Silvio und Sandra, die im September damit begannen, ihre Produkte auszuliefern.

 

Rattenschwanz im kommenden Jahr

Nicht zuletzt halten aber auch Stammkunden ihnen die Treue. "Wir sind nicht auf den Tourismus angewiesen - das kommt uns dieses Jahr zugute." Andere Hersteller sind von dieser Branche wesentlich abhängiger. Und auch im kommenden Jahr - da ist sich Silvio Stibane sicher - "werden viele die Nachwehen des Corona-Jahres im Portemonnaie spüren. Meine Zulieferer sind nur ein Beispiel dafür. Ich werde dieses Jahr nicht annähernd so viel verkaufen und deshalb ab Januar weniger produzieren. Das heißt, ich werde weniger Rohstoffe ordern als in den vergangenen Jahren."

 

Online-Shop und PopUp-Stores

Wer sich nach einem optischen Weihnachtshighlight für die Wohnstube umschauen möchte, besucht am besten die Internetseite der EKM Erzgebirgswerkstatt. Unter www.ekm-chemnitz.com können die Produkte über den "coronasicheren" Online-Shop geordert werden. Darüber hinaus werden Sandra und Silvio Stibane in verschiedenen Chemnitzer PopUp-Stores vertreten sein, unter anderem auf der Gastrofläche von Emmas Onkel auf dem Kaßberg und ab Freitag im Store "Die Manufaktur" am Rosenhof 6.