Kunstinstallation soll für mehr Transparenz sorgen

Kunst Bauzaun-Projekt vorm Chemnitzer Marx-Monument aufgebaut

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Bauzäune eines Kunstprojekts von Florian Huber umgeben den Chemnitzer "Nischl". Foto: Andreas Seidel

Ein kleines Kind rennt zwischen die Bauzäune. Die Mutter ruft es zurück: "Stopp, komm zurück! Das ist Kunst!". Das Kind schaut verdutzt und plötzlich ruft ein Mann: "Nein, nein. Alles gut. Das ist begehbare Kunst!" Die Bauzäune stehen vor dem Marx-Monument und sind Teil einer Kunstaktion des Hamburgers Florian Huber.

Ein Kunstwerk aus 20 Tonnen Metall

Unter dem Titel "Distrikt" hat er in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Helfern rund 300 Zäune - knapp 20 Tonnen Metall - zusammengeschweißt und in ein Labyrinth aus 50 teilweise begehbaren Zellen verbaut. Das dabei entstandene Kunstwerk aus individuell gestaltbaren, zellenartigen Räumen mit Wänden, Dach und Eingang sei kein abgeschlossenes System, sondern eine Einladung zur Kommunikation und kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema Ausgrenzung.

Das Projekt wird durch die Stadt Chemnitz im Rahmen des Bundesprogrammes "Demokratie Leben" mit insgesamt 6.000 Euro unterstützt sowie durch Spenden und Eigenleistung finanziert. Die Zellen zeigten laut Huber auch ein Stück weit das Stadtleben an sich.

Jede Zelle soll individualisiert werden

"Jeder lebt in seiner eigenen Zelle. Hier kann man miteinander in Kontakt treten", erzählt er. Mehr Transparenz zwischen den einzelnen Lebensmodellen wolle er damit schaffen. Und zum Spielen anregen. "Jede Zelle darf individuell gestaltet und bespielt werden", so der Künstler. Den Anfang machte am Montag ein Chemnitzer Paar, das ein Areal mit Pflanzen und kleinen Zetteln zum Thema "Glück" kreierte.

Die Installation "Distrikt" ist Teilprojekt und Vorbote des Kunstfestivals "ibug" (kurz für Industriebrachenumgestaltung), das in diesem Jahr erstmals in Chemnitz stattfindet. Ab Mitte August reisen dazu mehr als 100 Künstler aus aller Welt nach Sachsen und verwandeln das Areal des ehemaligen VEB Spezialmaschinenfabrik an der Lerchenstraße mittels Graffiti und Wandmalerei, Illustrationen und Installationen, Streetart und Multimedia in ein buntes Gesamtkunstwerk.