"Schwarzkünstler" werden gegautscht

TUC Institut für Print- und Medientechnik der TU pflegt uralten Brauch

Chemnitz Gautschfest in der TU Reichenhainer Straße Foto Maxim Polomoshnov wiss.- tech. Mitarbeiter wird gegautscht . Foto: Andreas Seidel

"Pakket an! Lasst seinen Corpus posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefen beide Ballen. Der durstgen Seel´ ein Sturzbad gebet obendrauff! Das ist dem Jünger Gutenbergs die allerbeste Tauff!" - so schallte es am gestrigen Dienstag wieder auf der "Gutenbergwiese" hinter dem Institut für Print- und Medientechnik der Technischen Universität Chemnitz. Gemäß dem bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Brauch der Buchdrucker wurden auch auf dem Uni-Campus ausgewählte Auszubildende, Studierende sowie Beschäftigte des TU-Instituts mit einer feierlichen Wassertaufe in den Kreis der Jünger von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdruckes, aufgenommen.

Die sogenannte Kornuten (Anwärter) wurden vom Gautschmeister Professor Wolfgang Beier aufgerufen und anschließend von den Packern in einen mit Wasser gefüllten Büttenfass mit Haut und Haar getaucht. Nach der Wassertaufe wird den Gäutschlingen ein übler Trank eingeflößt, dessen Rezept seit Jahren streng geheim ist. Den Abschluss des feuchtfröhlichen Rituals bildete die Übergabe eines schmucken Gautschbriefes an die von allen beruflichen Unarten befreiten Schwarzkünstler.

Stichwort: Gautschen

Das Wort "Gautschen" stammt aus der Papierherstellung. Wenn das Papier frisch geschöpft ist, wird der feuchte Papierbogen vom Sieb auf eine Filzunterlage abgelegt. In früheren Jahrhunderten hatten die Drucker einen sehr engen Kontakt mit der Geisteswelt der Akademiker und Studenten. So kam es, dass dadurch Bräuche entstanden, wie sie damals von den Studenten einmal im Jahr gefeiert wurden. So wie bei den Zimmerleuten ein Richtfest abgehalten wird, so erhalten die Schriftsetzer und Drucker nach Abschluss ihrer Ausbildung die Wassertaufe - also das Gautschen. Das Gautschfest wurde und wird auch an der TU Chemnitz als Zeremonie für die Aufnahme der Auszubildenden, Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Print- und Medientechnik in den Kollegenkreis abgehalten. Das erste Gautschfest fand übrigens am 25. Juni 1978 anlässlich eines Gartenfestes der Polygraphen statt.