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Weihnachtsgeschäft bricht weg: "Enttäuschung, Frust und Verzweiflung"

Einzelhandel Corona-Schließungen sorgen für Unverständnis - Appell: Lokale Online-Shops nutzen

Das gab es noch nie: Mitten in der heißen Phase des Weihnachtsgeschäftes müssen die meisten Geschäfte des Einzelhandels schließen. Aufgrund der mittlerweile unkontrollierbaren Corona-Infektionen gab es für die sächsische Landesregierung keine Alternative. Ab Montag sollen die Geschäfte dicht machen. Dabei gibt ein Viertel der Deutschen in Umfragen an, die Geschenke in den beiden letzten Wochen vor Weihnachten zu besorgen. Für die letzten Tage bis zur Schließung bedeutet das: Mit einem Besucheransturm muss gerechnet werden. Und somit auch mit Warteschlangen vor den Geschäften, schließlich wurde die Besucherzahl auf den Verkaufsflächen begrenzt. Bis zu einer Fläche von 800 Quadratmetern sind für einen Kunden zehn Quadratmeter vorgeschrieben. Für die Fläche darüber hinaus sind jeweils 20 Quadratmeter pro Kunde vorgesehen.

"Schließungen setzen an falscher Stelle an"

"Das ist absolut kontraproduktiv", sagt René Glaser, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen. "Der Einzelhandel darf derzeit nur wenige Kunden in die Geschäfte lassen. Mit der Ankündigung, ab Montag die Läden zu schließen, sind Warteschlangen am Wochenende wahrscheinlich unausweichlich. Trotzdem kann ich nur an die Kunden appellieren: Gehen Sie in die Geschäfte und unterstützen Sie den Einzelhandel - auch wenn Sie dadurch Wartezeiten in Kauf nehmen müssen." Man habe geschockt auf die Ankündigung reagiert, die Geschäfte außerhalb der Lebensmittelbranche ab dem 14. Dezember zu schließen. Das setze an der falschen Stelle an, denn der Einzelhandel trete nicht als Infektionsherd in Erscheinung. Glaser: "Die Einzelhandelsbranche leistet seit Monaten mit Hygienekonzepten und Infektionsschutzmaßnahmen konsequent ihren Beitrag zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus." Durchsagen, Aushänge, Bodenmarkierungen, Maskenpflicht und eine vorgeschriebene Kundenzahl pro Verkaufsfläche - in der Gesamtschau der Maßnahmen sei es unverständlich, dass die Sächsische Staatsregierung den ohnehin bereits stark von der Krise betroffenen Non-Food-Einzelhandel nach dem Frühjahr erneut in den Lockdown schicken will.

45 Prozent der Innenstadthändler in Existenznot

Bereits die Schließung der Geschäfte im Frühjahr dieses Jahres führte im Nicht-Lebensmitteleinzelhandel zu einem historischen und unwiederbringlichen Umsatzrückgang. Der Anfang November verhängte Lockdown light verschärfte die Situation insbesondere im innerstädtischen Einzelhandel nach zum Teil dramatischen Frequenz- und Umsatzrückgängen noch einmal. Bereits heute verfügen zahlreiche, insbesondere mittelständisch geprägte Unternehmen über keine Rücklagen und finanziellen Reserven mehr. "Sehen sich nach einer Verbandsumfrage bereits jetzt 45 Prozent der Innenstadthändler, die unverschuldet in die aktuelle Situation geraten sind, in existenzieller Not, wird der zweite Lockdown ohne finanziellen Ausgleich das endgültige Aus für zahlreiche Unternehmen und Arbeitsplätze bedeuten.", so Glaser weiter. Unsere unmissverständliche Forderung an die Politik ist es jetzt, den Einzelhandel im gleichen Umfang wie die Gastronomie zu unterstützen. Der Handelsverband Sachsen erwartet daher, dass die staatlichen Hilfen selbstverständlich auch für die geschlossenen Einzelhandelsgeschäfte greifen.

"Orte für Begegnungen, Kommunikation und Heimat"

Das Internet-Zeitalter ermöglicht es Einzelhändlern, kanalübergreifend tätig zu sein. Sie können neben dem stationären Handel auch über Online-Shops oder Social-Media-Plattformen wie Facebook ihre Produkte anbieten. René Glaser: "Selbst wenn kein Online-Shop existiert, so haben die meisten Händler einen Internetauftritt mit Kontakt- und Bestellmöglichkeit. Nutzen Sie diese Angebote. Der lokale und regionale Handel steht nicht nur fürs Verkaufen, sondern auch für Begegnungen, Kommunikation und Heimat. Damit das nach dem Lockdown so bleibt, sollten wir alle den Handel vor Ort unterstützen - auch digital."