Wie nehmen blinde Menschen an Wahlen teil?

Nachgefragt Gleichberechtigte Teilhabe im Fokus

Mitte September stehen in Chemnitz Oberbürgermeisterwahlen an, nächstes Jahr geht es auf Bundesebene weiter. Die Bürger nehmen ihr fundamentalstes demokratisches Recht wahr. Und der Ablauf an sich ist einfach: Ins Wahlbüro gehen, anmelden, Stift nehmen und ein oder mehrere Kreuze setzen. Für die Leser dieses Textes ist das wohl kein Problem. Doch wie steht die Sache, wenn man hochgradig sehbehindert oder gar blind ist und seine Stimme geheim abgeben soll? Und wie informiert man sich vorher über die Parteienprogramme?

Auf letztere Frage hat Anja Voigt eine klare Antwort: "Die Informationen aus Radio, Fernsehen und Internet geben gute Möglichkeiten, sich aufzuklären." Des Weiteren können elektronische Geräte Schrift stark vergrößern oder Computerprogramme Texte vorlesen. Anja Voigt arbeitet beim Verein "Weißer Stock", einer Chemnitzer Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte. Auch die Beantwortung der ersten Frage ist nicht schwer. Um an einer Wahl teilzunehmen, kann man sich mit einer Informations-CD und einer Wahlschablone behelfen. "Auf der Hör-CD sind die Namen der Kandidaten, die Parteien und die Zahl auf der Wahlschablone", erklärt Lars Geithner vom Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen. Nun merkt man sich den Namen und die entsprechende Nummer seiner Wahl, legt im Wahlbüro den Stimmzettel unter die Wahlschablone und setzt sein Kreuz. Der Anlass der Wahl und die Nummern stehen auf der Schablone natürlich in Brailleschrift.